Alfred Hitchcock präsentiert - Teil 1
ØØØØ
(Alfred Hitchcock Presents)
Koch Media GmbH (USA 1955-1962)
DVD Region 2
495 Min. + Zusatzmaterial, dt. Fassung oder engl. OF
Features: div. Hitchcock-Kino-Trailer
Er brachte nicht nur das Grauen in die Duschkabine und lehrte Jimmy Stewart Höhenangst, sondern versorgte auch das Wohnzimmer mit gepflegter Suspense - nachzuprüfen auf der frisch restaurierten DVD-Kollektion "Alfred Hitchcock Presents". 19.05.2009

Der voluminöse, kahlköpfige Mann spricht und gestikuliert in distinguierter Manier. Was er zu sagen hat, auf seine förmlich-distanzierte, oberlehrerhaft wirkende Art, ist nicht selten ironischer, oftmals makabrer Natur. Es ist die vertraute Einleitung einer Machtdemonstration im TV-Format.
Als "Alfred Hitchcock Presents" 1955 auf Sendung ging, war der Regisseur längst eine Berühmtheit. Die Karriere des britischen Exzentrikers hatte bereits drei bemerkenswerte Phasen durchlaufen: Hitchcocks mit einzelnen herausragenden Arbeiten abgeleistete Zeit beim Stummfilm, sein gelungener Umstieg in die Tonfilmära mit dem Aufstieg zum Regie-Star in der englischen Heimat - und schließlich die turbulenten Selznick-Jahre in Hollywood.
1955 hatte Hitch den Zenit seiner Macht erreicht: Die kreativen und machtpolitischen Schlachten mit dem Produzenten David O. Selznick lagen hinter ihm. Hitchcock war nun sein eigener Produzent, nur dem Publikum und sich Rechenschaft schuldig. Stets auch Vorreiter und Förderer technischer Neuerungen, machte er sich daran, die Zuseherschaft auch auf bisher unerschlossenen Wegen zu erreichen und zu binden. Die Massen hatten den Lichtspielhäusern zugunsten der aufkommenden Fernsehtechnologie ohnehin in immer größeren Scharen den Rücken gekehrt. Hitchcock, mittlerweile ein weltbekanntes Markenzeichen für spektakulären Nervenkitzel und anerkannter Meister der Suggestion, sollte fortan Suspense-hungrige Menschen wöchentlich in den eigenen vier Wänden beehren.
Die auf eine Nettospielzeit von gut 20 Minuten heruntergebrochenen Hitchcock-Häppchen eroberten die Fernsehschirme zwischen 1955 und 1962. Unterlegt von Charles Gounods Trauermarsch, der - zusammen mit der legendären rundlichen Strichsilhouette - zu seiner medialen Signatur werden sollte, richtete Hitchcock jede Episode auf seine unnachahmliche Weise an.
Obwohl er selbst nur bei 17 der insgesamt 270 Folgen Regie führte, vermochten die angeheuerten TV-Regisseure, die sich mit etablierten und angehenden Hollywood-Größen (Robert Stevenson, Paul Henreid, Arthur Hiller, Robert Altman) bei der Inszenierung abwechselten, den Geist des Meisters doch immer wieder adäquat einzufangen: Die Episoden widmen sich oft fatalistischen Antihelden, die geradewegs in ihr Verderben steuern, und schließen nicht selten mit schwarzhumorigen Pointen. In all dem steckt eine kräftige Portion Schadenfreude, und so manch erwartetes Happy-End mündet - ganz im Sinn von Hitchcocks misantrophisch-sadistischem Naturell - in einem tragischen Debakel.
Gern läßt der Meister den Zentralcharakter (und mit ihm den Zuschauer) auch leiden. Wie etwa in "Schweigen ist silber": Hier wird der kindliche Protagonist - ein vorlauter Zappelphilipp, der in der entscheidenden Sequenz selbst zum handlungsunfähigen Beobachter degradiert wird - zusammen mit dem Betrachter genüßlich aufgerieben. Auf der letzten DVD der vorliegenden Kollektion finden sich schließlich unsynchronisierte Perlen wie die prämierte Doppelgänger-Folge "The Case Of Mr. Pelham" (mit "Evil Twin"-Thematik), die minimalistische Glanzleistung "One More Mile To Go" (mit der buchstäblichen Leiche im Kofferraum) und eine der bekanntesten und nicht zuletzt makabersten Folgen: "Lamb To The Slaughter". Hitchcocks vielzitierter "Bombe im Zug"-Ansatz zur Suspense-Erzeugung findet indes im Highlight "Bang! You´re Dead" Verwendung.
Abgesehen von ein paar verschmerzbaren Ausfällen, die heutzutage eher albern und altbacken als klassikerverdächtig daherkommen, versprüht die Box den unheimlichen Charme des "Master of Suspense". Es spricht also nichts dagegen, sich von dem Herrn mit dem markanten Akzent besuchen zu lassen. In diesem Sinne: "Good evening, ladies and gentlemen, and welcome to darkest Hollywood."

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