Video_Burning Paradise

Winnetou has gone Kung Fu

Faustwatschen-Epen aus Hongkong haben immer Saison, auch wenn sie qualitativ ihre Höhen und Tiefen erleben. Umso mehr schätzt man die wahren Billigklassiker der Bewegung.    30.09.2002

Schon lange vor Ang Lees gekrümmten Tigerchen kam es in Hongkong zum Martial-Arts-Revival im Historienkostüm. Tsui Hark exhumierte Legende King Hu, und Ching Siu Tung bewies mit der "Chinese Ghost Story", daß flatternde Kostümchen im Meuchelamok auch in Zeiten sonnenbebrillter Ballermänner was zu sagen haben. "Burning Paradise" floppte damals zwar, doch der sonst gnadenlos überschätzte Ringo Lam bewies hier ein einfühlsames Inszenierhändchen für gut abgehangenes Sandkastengebalge. Statt Jet Li markiert zwar nur Willie Chi den Hero, das Rundherum aber kann sich sehen lassen.

Im wesentlichen wird wieder einmal eine Shaolin-Schule dem Erdboden gleichgemacht; der Pfundsrebell flüchtet und entdeckt bald ein Weibchen als Begleitung. Daß die Ein-Mann-gegen-die-ganze-Armee-Schlacht (mit fliegenden Innereien und Pferdeköpfen) bereits nach 20 Minuten kommt und der Film dann plötzlich in die Gefangenschaft eines blutrünstigen unterirdischen Lotustempels wandert, verrät uns vor allem eines: Das Paradies der Gothic Gimmicks ist unser! Indiana Jones, garantiert kinderfrei, schnell und gewalttätig! Und dieses genial nostalgische Gefühl der absoluten Künstlichkeit, als wäre Horst Wendtlandt in grauen Vorzeiten Mandarin gewesen und Old Shatterhand hätte eine Schlaghandtechnik bezeichnet. "Die Schlangengrube und das Pendel", der Kultfilm von Dr. Harald Reinl, Österreichs wahrscheinlich erfolgreichstem Regieexport ever, perfekt wie sinnfrei übersetzt in die letzten großen Kinotage Hongkongs.

Paul Poet

Burning Paradise

ØØØØ


DVD Region 0

Japan Shock (Hongkong 1994)
104 Min.; dt. Fassung
Features: Trailer des Films (OF), Bio-Schrifttafeln
Regie: Ringo Lam
Darsteller: Willie Chi, John Ching, Chun Lam u. a.

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