Hell
ØØ 1/2
Produktion: D 2011
Videovertrieb: Paramount
85 Min. + Zusatzmaterial, dt. Fassung
Features: Making of, Geschichte, Besetzung, Trailer
Regie: Tim Fehlbaum
Darsteller: Hannah Herzsprung, Stipe Erceq, Lars Eidinger u. a.
Postapokalyptisches aus deutschen Landen: Der Endzeitfilm von Nachwuchsregisseur Tim Fehlbaum kommt im Kielwasser thematisch verwandter Vorgänger technisch beachtlich, aber inhaltlich vorhersehbar daher. 05.04.2012
Nur kurz erklingt der Nena-Klassiker "99 Luftballons" aus dem Autoradio und erinnert Marie (Hannah Herzsprung), ihre kleine Schwester Leonie (Lisa Vicari) und Freund Phillip (Lars Eidinger) an unbeschwertere Tage, in denen ein längerer Aufenthalt im Tageslicht noch bedenkenlos möglich und Benzin in rauhen Mengen vorhanden war.
Es ist ein nostalgischer Nachhall aus jener Zeit, bevor sich die Strahlkraft der Sonne rapide erhöhte, der Wissenschaft unlösbare Rätsel aufgab und der Menschheit eine Klimakatastrophe erster Ordnung bescherte.
Im Jahr 2016 gleicht Deutschland einer unbarmherzigen Wüste. Geordnete Strukturen existieren nicht mehr, der tägliche Kampf um Wasser, Nahrung und Benzin bestimmt das Handeln der Überlebenden. Auch Maria und ihre Begleiter sind Flüchtende: Ständig bedroht von der todbringenden Hitze, klammert sich das Trio an eine vage Hoffnung - den Schutz durch die vermeintlich Kühle und Wasser spendenden Berge.
Auf dem Weg in höhergelegene Gefilde schließt sich ihnen der technisch versierte Tom (Stipe Erceq) an. Als wenig später ein Angriff vermummter Fremder das Quartett sprengt, begibt sich Marie auf die Suche nach ihrer entführten Schwester.
Es fällt schwer, "Hell" als originäres Werk wahrzunehmen und isoliert zu betrachten, prescht Fehlbaum mit seinem Erstling doch in ein Genre vor, das seit Jahrzehnten von Hollywood besetzt wird. So drängen sich Vertreter der Endzeitthriller-Fraktion und des Zombiefilms unweigerlich aus der Erinnerung ins Hier und Jetzt, um zu Vergleichen einzuladen.
Dies um so mehr, da Fehlbaum davon Abstand nimmt, inhaltlich neue Wege zu beschreiten. Denn nach der spektakulären Einleitung in seine gleißende Untergangsfiktion beschränkt er sich vor allem auf die Konsolidierung des - zugegebenermaßen - überzeugenden visuellen Spektakels, während die Fortführung der Geschichte überraschungsarm und auf längst erschlossenen Pfaden erfolgt.
Immerhin stellt sich in "Hell" eine entschlossene Protagonistin dem Niedergang der Zivilisation mit all seinen barbarischen Auswüchsen in den Weg; nämlich Hannah Herzsprung, die als aufopfernd kämpfende Marie Akzente setzt. Das männliche Darstellerduo Stipe Erceq ("Die fetten Jahre sind vorbei") und Lars Eidinger verbleibt dagegen eher im Hintergrund: Erceq als konsequent handelnder, aufs nackte Überleben konzentrierter Mann der Tat, und Eidinger, dessen defensiv eingestellter Phillip das Risiko scheut.
Während Herzsprung mit ihren weichen, freundlichen Zügen der zu Verzweiflungstaten genötigten Marie zwangsläufig eine ambivalente Note verleiht, fügt sich Erceqs ausgezehrte Physis und sein markant dunkles Mienenspiel vortrefflich in eine Welt ein, die von animalischen Überlebenskämpfen geprägt ist.
Der junge Fehlbaum und seine Crew verfügen über das nötige Rüstzeug, was die Oberflächengestaltung seiner lodernden Phantasmagorie betrifft. Insofern fallen der optische Mantel des Streifens, Kameraarbeit und Filmschnitt bemerkenswert aus: Vor allem in den intensiven, temporeicheren Passagen wird das permanente Angstgefühl in einer entfesselten postapokalyptischen Nachwelt wirkungsvoll akzentuiert.
Mehr als Epigonenstatus kann "Hell" am Ende aber nicht zugestanden werden. Zu konservativ wird der Schlußakt samt Showdown abgehandelt, in dem plötzlich gar die berüchtigten Morlocks aus H. G. Wells' "Zeitmaschine" eine Renaissance erfahren. Spätestens dann verhält es sich mit dem Werk wie mit Nenas letztem Luftballon: In einer Welt ohne Kriegsminister und Düsenflieger, aber eben auch fehlender erzählerischer Finesse geht ihm schließlich die Luft aus.

Hell
ØØ 1/2
Produktion: D 2011
Videovertrieb: Paramount
85 Min. + Zusatzmaterial, dt. Fassung
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Regie: Tim Fehlbaum
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