Video_I Am A Hero

Held des Tages

Ein gescheiterter Comic-Zeichner behauptet sich unbeholfen, aber tapfer in den Wirren einer Zombie-Epidemie. Shinsuke Satos Adaption des gleichnamigen Manga-Erfolgs "I Am A Hero" bietet Kurzweil und satte Splatter-Action auf japanischem Boden.    29.11.2017

Erst bilden die verstörenden Nachrichtensendungen, die von kraftvoll zubeißenden Landsleuten berichten, lediglich eine dissonante Hintergrundmusik im ohnehin beschwerlichen Leben des Manga-Zeichners Hideo Suzuki (Yô Ôizumi). Das einstige Nachwuchstalent konnte nie mehr an vergangene Erfolge anknüpfen und quält sich durch den spröden Alltag einer kleinen Comic-Schmiede. Nebenher implodiert seine Liaison mit Freundin Tekko (Nana Katase), die Hideos beruflichen Stillstand nicht mehr erträgt und ihren Lebensgefährten vor die Tür setzt.

Eben jene plötzlich mysteriös erkrankte Tekko ist es auch, die den Zeichner überraschend um Hilfe bittet. Hideo findet seine Ex in der vormals gemeinsamen Wohnung von Krämpfen gebeutelt vor und muß sich schon kurz darauf der blitzschnellen Attacken der gräßlich mutierten Zombiekreatur erwehren. In höchster Not tötet er seine Geliebte, während ein flächendeckend um sich greifender Zombie-Erreger den Großraum von Tokio ins Chaos stürzt. Auf seiner Flucht aus der Metropole schließt sich Hideo die junge Hiromi (Kasumi Arimura) an. Obwohl infiziert, verwandelt sich Hiromi nicht vollends in eine blutdürstige Untote, sondern existiert fortan als Zwischenwesen mit übermenschlichen Kräften und wird so zu einer mächtigen Verbündeten. Auf dem Weg zum Berg Fuji, dessen Höhenlage Schutz vor dem Virus bieten soll, treffen die beiden auf eine Résistance-Bewegung, die einen Outlet-Store unter ihre Kontrolle gebracht und zur Festung ausgebaut hat. Hideo läuft Gefahr, im Spannungsfeld zwischen der allgegenwärtigen Untoten-Bedrohung, dem ehrlosen Rebellenvolk und der schutzbedürftigen Hiromi aufgerieben zu werden.

Zombie-Greuel auf japanisch: Auf dem Fundament der populären Manga-Reihe errichtet Regisseur Shinsuke Sato seine launige Filmadaption, in deren Zentrum getreu der Vorlage ein unsicherer Mittdreißiger steht, dessen Lebensweg einen bislang ungünstigen Verlauf genommen hat. Die Zombie-Apokalypse eröffnet Hideo die Chance, den Helden in sich zu entdecken und seine unbefriedigende zivile Existenz hinter sich zu lassen. An zu bekämpfenden Bedrohungsszenarien besteht kein Mangel: Tobende Zombiehorden hinter jeder Straßenecke lassen dem zweifelnden Hideo kaum Zeit, sich auf seine heroischen Ambitionen zu besinnen; ein Bündnis mit den nicht gerade vertrauenserweckenden Fuji-Rebellen birgt anderseits schwer einschätzbare Risiken. Hideos vermeintliche Metamorphose geht jedenfalls holprig vonstatten, und wirklich souverän agiert der makelhafte Nerd als selbsternannter Retter eigentlich nie. So fügen sich die ungeschickten Versuche des überforderten Protagonisten, heroische Ausrufezeichen im Sinne seines neuentdeckten Heldentums zu setzen, stimmig in die allgemein forcierte Unbeschwertheit und Selbstironie ein, mit der Sato seinen "Hero" in Angriff nimmt.

Die visuelle Qualität und Drastik des nebenher gezündeten Gewaltfeuerwerks wirkt zeitgemäß. Insbesondere die mehrminütige apokalyptische Tokio-Sequenz bewegt sich auf Augenhöhe mit hollywoodschen Budgetmonstern. Dabei erreicht der Blutzoll punktuell beträchtliche Spitzen, die wiederum ihr Schreckenspotential durch gezielt lancierte Übertreibungen gewollt nie zur Gänze entfalten. Der Balanceakt zwischen Komik und Gemetzel funktioniert: "I Am A Hero" setzt frische Impulse und ergänzt das Genre durch ein sehenswertes Kapitel aus Fernost.

 

Dietmar Wohlfart

I Am A Hero

ØØØ 1/2

(Ai amu a hiro)

Leserbewertung: (bewerten)

Kazé Anime (Japan 2015)

DVD Region 2
121 Min. dt. Fassung oder jap. OF

Regie: Shinsuke Sato

Darsteller: Yô Ôizumi, Kasumi Arimura u. a.

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