Video_The Imitation Game

Mystery Man

Während des Zweiten Weltkriegs tüfteln fünf britische Mathematiker an der Entschlüsselung des berüchtigten "Enigma"-Codes Hitler-Deutschlands. Der verschlossene Einzelkämpfer Alan Turing geht dabei eigene Wege. "The Imitation Game" bettet Turings persönliche Tragödie in ein spannendes Kriegsdrama ein.    14.07.2015

England, kurz nach Kriegsausbruch: Der hochrangige Militärangehörige Alastair Denniston (Charles Dance) fühlt sich regelrecht düpiert, als sich sein wesentlich jüngeres Gegenüber mit flapsigen Antworten um Kopf und Kragen redet. Der unverschämte Interviewte heißt Alan Turing (Benedict Cumberbatch) und bewirbt sich um die Stelle in einer vorerst nicht näher definierten Sonderabteilung des Außenministeriums. Doch trotz der zur Schau gestellten versnobten Ignoranz bringt der Mann genug Köpfchen und Talent mit, um komplexe mathematische Rätsel anzugehen - Fertigkeiten, die ihn schließlich mit vier weiteren Kapazitäten auf dem Gebiet der Code-Dechiffrierung zusammenbringen. Gemeinsam sollen sie hinter das Geheimnis der unheilvollen deutschen "Enigma"-Nachrichtenverschlüsselungsmaschine kommen.

Freunde macht sich Alan auch unter seinen Kollegen nicht. Mit seiner egoistischen und verschrobenen Art stößt er die Menschen in seinem Umfeld vor den Kopf. Unerwartete Hilfe erfährt er durch Joan Clarke (Keira Kneigthley), eine hochbegabte Cambridge-Studentin. Doch der "Enigma"-Code bleibt unantastbar. Zudem soll ein russischer Spion inmitten der Codeknacker sein Unwesen treiben. Und noch dazu schleppt Alan ein Geheimnis mit sich herum, dessen Lüftung im England der 40er Jahre unweigerlich mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden wäre.

 

 

Alan Turings Leben gleicht in mehrerer Hinsicht einem Wettlauf gegen die Zeit: Deutschlands geheimer Nachrichtenverkehr bleibt unentschlüsselbar; der Druck auf das sture Mathegenie und seine Mannen steigt zusehends. Die Spionagegerüchte schießen sich immer mehr auf den unnahbaren Turing ein, während dessen eigens entworfene neuartige Dechiffriermaschine "Christopher" keine brauchbaren Ergebnisse liefert und Commander Denniston den unkonventionellen Wissenschaftler am liebsten scheitern sehen würde. Daß Alan obendrein homosexuell ist, verleiht seinem Dilemma eine zusätzliche Dimension.

Turings Story ist nicht nur Teil eines geheimnisumwitterten Kapitels britischer Militärgeschichte, sondern auch die Tragödie eines Unangepaßten, der zum Opfer seiner Zeit wurde. Die führende Rolle Turings bei der Entzauberung der als unknackbar geltenden Enigma-Maschine mit dem persönlichen Drama des Mannes gekonnt zu verschränken, ohne die beiden Erzählebenen dabei kollidieren zu lassen, ist der eigentliche Triumph von Morten Tyldums "The Imitation Game". Tyldum etabliert einen fein austarierten Erzählstrom, wobei er Einschübe aus Alans Zeit an der Sherborne School überschaubar und schlüssig hält, während sich die zeitlichen Wechsel zwischen den Kriegsjahren und 1951 narrativ ohne Bruch ergänzen. So entfaltet sich die Geschichte elegant und in gepflegtem Tempo und verbindet die maßgeblichen Handlungsebenen.

Zusätzlich nötigt Benedict Cumberbatchs Performance Respekt ab: Allzu hochtrabende Deklamationen verpuffen mitunter jäh, wenn sich der innerlich Zerrissene in die Defensive gedrängt glaubt. Cumberbatch mimt Turing als wandelndes Mysterium und personifiziertes Wechselbad der Gefühle. So erinnert seine Interpretation an die ebenfalls verfilmte Lebensgeschichte des Mathematikers John Nash: Im prämierten "A Beautiful Mind" (2001) verlor sich einst Russell Crowe als Misanthrop und genialer Wirrkopf in den Weiten seiner angegriffenen Psyche. Geheimdienstaktivitäten - wenngleich erfundener Natur - spielten auch hier eine Rolle, ebenso wie die Zuneigung einer kecken Studentin.

"The Imitation Game" ist durchwegs spannendes, streckenweise großes Kino; eine gediegene Verschmelzung inszenatorischen Geschicks und hoher Schauspielkunst.

Dietmar Wohlfart

The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben

ØØØØ

(The Imitation Game)

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Universum Film GmbH (USA/GB 2014)

110 Min. + Zusatzmaterial dt. Fassung oder engl. OF

Features: Interviews, Featurettes, Making of

Regie: Morten Tyldum

Darsteller: Benedict Cumberbatch, Keira Knightley, Matthew Goode, Charles Dance u. a.

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