Video_Miami Blues

Miami sehen und sterben

Gelungene Noir-Adaptionen sind selten. Jonathan-Demme-Spezi George Armitage ist mit dieser Verfilmung eines Willeford-Krimis ein derartiges Wunder geglückt.    14.10.2004

Hinter dem unscheinbaren Titel "Miami Blues" verbirgt sich ein bissiges kleines Genre-Juwel mit einem damals noch dünnen Alec Baldwin und Jennifer Jason Leigh in den Hauptrollen. Zur Handlung: "Junior", Soziopath und notorischer Verbrecher ersten Ranges, kommt am Flughafen an, klaut einer schlafenden Mutter den Koffer, bricht einem lästigen Krishna im Vorbeigehen den kleinen Finger (der Schock befördert den Typen auch gleich zu seinen Göttern) und fährt Richtung Hotel. Dort trifft er auf die Amateurnutte Susie, und die beiden verlieben sich.

Sergeant Moseley - Fred Ward in Bestform als abgehalfterter Cop mit Zahnprothese - versucht ihm auf die Schliche zu kommen, kriegt aber letztlich eine gepflegte Abreibung vom stets geschmacklos gekleideten Junior verpaßt, der ihm auch gleich Dienstmarke und Zahnprothese klaut. Fortan spielt er Bulle und bringt Gangster-Welt und Polizei gleichwohl in die Bredouille. Dabei träumt er eigentlich nur von einem geregelten Leben mit seiner Susie. Ebenfalls mit dabei: Charles "Supervixen" Napier und Paul Gleason. Produziert hat Jonathan Demme, photographiert Tak Fujimoto, und die gleichnamige Vorlage stammt von keinem Geringerem als Charles Willeford (dessen Witwe Betsy hier einen Kürzestauftritt absolviert). Ein wunderbar schwarzhumoriger Noir-Streifen, wie man ihn gern öfters sehen würde.

Jürgen Fichtinger

Miami Blues

ØØØØ


MGM (USA 1990)

DVD Region 2

ca. 95 Min., dt. Fassung oder engl. OF, wahlweise mit UT (DD 2.0)

Regie: George Armitage

Darsteller: Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh, Fred Ward u. a.

 

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