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I don´t know how to be myself

Ein Doppelgänger drängt sich ins Leben eines absurd unscheinbaren Büroangestellten. Regisseur David Ayoade legt seine Dostojewski-Adaption "The Double" kafkaesk und humorvoll an. Und der doppelte Eisenberg weiß zu gefallen.    22.03.2017

Simon James (Jesse Eisenberg) ist seit sieben Jahren als bedeutungsloser Angestellter im Konzern des "Colonel" (James Fox) - einer allgegenwärtigen, kultisch verehrten Führerfigur - beschäftigt. Vom restlichen Personal wird der unbeholfen und unterwürfig auftretende Simon kaum registriert, geschweige denn respektiert. Auch Arbeitskollegin und Nachbarin Hannah (Mia Wasikowska) nimmt den schüchternen Knaben, der sie hauptsächlich aus der Ferne anhimmelt, kaum wahr. Allseits ignoriert und frei von jeglichem Selbstvertrauen, verschärft die Ankunft von Neuzugang James (Jesse Eisenberg) Simons prekäre Lebenssituation zusätzlich. Denn James gleicht ihm nicht nur bis aufs Haar, sondern besetzt als dreister Zwilling auch im Eiltempo und mit überbordender Selbstsicherheit die Positionen, die Simon privat und beruflich anstrebt. Mit einem groben Maß an Unverschämtheit sammelt James fleißig Punkte bei seinen Vorgesetzten, während er obendrein zum unbekümmerten Frauenhelden avanciert und somit überall dort triumphiert, wo Außenseiter Simon zuvor grandios scheiterte.

Thematisch wandelt David Ayoade auf alten Pfaden: Sein "Double" kreist um den Existenzkampf des Einzelnen in einer auf Gleichschaltung und Unterdrückung ausgerichteten Arbeitswelt und orientiert sich zudem überdeutlich an den verlachten und in den Untergang gedrängten Eigenbrötlern à la Kafka. Simons Arbeitsstätte - ein datensammelnder Moloch - präsentiert sich als satirische Variante einer orwellschen Dystopie und rein optisch im trashig-versatzstückhaften Retro-Look mit 80er-Jahre-Anleihen. Schrullig und überzeichnet treten Simons "Kollegen" hier in Erscheinung und prägen seinen Arbeitsalltag vor allem durch Zurechtweisungen und Schikanen. Nach Dienstschluß setzt sich das Martyrium fort. Auch für die gebrechliche, nur eingeschränkt kommunikationsfähige Mutter ist Simon nämlich eine einzige Zumutung. Doch daran ist der junge Mann gewöhnt - schließlich begegnet ihm sogar die Bedienung in seinem bevorzugten Café mit unmißverständlicher Schroffheit.

Die Welt scheint sich gegen Simon James verschworen zu haben. Er ist komplett unfähig, seinen Ideen und Sehnsüchten Ausdruck zu verleihen und zerschellt tagtäglich an einer Wand der Verachtung. Ayoade taucht diesen feindlichen Lebenskosmos in hoffnungsloses Monochrom, läßt dabei aber auch Raum für satirische Einschübe. Es ist primär schwarzhumorige Situationskomik, in die er sein Daueropfer Simon zwingt und auf dessen Kosten für Belustigung sorgt. Jesse Eisenberg darf man durchaus Spaß an diesem launigen Rollentausch unterstellen. Als vollkommener Verlierer respektive diebischer Hasardeur besetzt er mit Erfolg übertrieben ausgeleuchtete Pole der menschlichen Natur.

Für einen Innovationspreis kommt "The Double" schwerlich in Frage. Die kammerspielartige, stets an der Grenze zur Groteske changierende Interpretation der archaischen Doppelgänger-Thematik punktet aber mit sarkastischen Nadelstichen und einem unterhaltsam aufspielenden Hauptdarsteller.

 

Dietmar Wohlfart

The Double

ØØØ 1/2

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WVG Medien GmbH (GB 2013)

93 Min. + Zusatzmaterial dt. Fassung oder engl. OF

Features: Trailershow

Regie: Richard Ayoade

Darsteller: Jesse Eisenberg, Mia Wasikowska u. a.

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