Video_Train To Busan

Todeszug nach Busan

Ein junger Manager besteigt gemeinsam mit seiner entfremdeten Tochter den Expreßzug nach Busan. Im Fahrtpreis inbegriffen: rasende Zombies mit hohem Infektionspotential. Die südkoreanische Untoten-Hatz orientiert sich an westlichen Vorbildern, ohne dabei deren Qualitätsstandards zu erreichen.    21.04.2017

 

Widerwillig erklärt sich der kühle Fondsmanager Seok-woo (Gong Yoo) dazu bereit, seine kleine Tochter Su-an (Kim Su-an) nach Busan zu begleiten, um dort deren - von ihm geschiedene - Mutter zu besuchen. Noch bevor der Hochgeschwindigkeitszug Seoul verläßt, spielen sich unheimliche Szenen im Bahnhofsbereich ab. Schließlich schleppt sich eine junge Frau unter großen Schmerzen ins Zuginnere. Kurz darauf mutiert sie zum Zombie und attackiert umgehend ihre Umgebung. Auf engstem Raum fallen daraufhin die infizierten Fahrgäste tobend übereinander her und verbreiten das Untoten-Virus in Windeseile. Die unverletzt gebliebenen Reisenden ziehen sich als Zweckgemeinschaft in vermeintlich zombiefreie Bereiche zurück. Nur durch Schiebetüren voneinander getrennt, rasen Menschen und Untote im außer Kontrolle geratenen Horror-Zug und vor dem Hintergrund einer aufziehenden Zombie-Apokalypse Richtung Busan.

Die auf schmalen Korridoren wütende Epidemie sorgt für spektakulär-klaustrophobische Grusel-Action und weckt Erinnerungen an "World War Z", der 2013 mit ähnlich frenetischen Sequenzen aufwarten und reüssieren konnte. Überhaupt bearbeitet Regisseur und Autor Sang-ho Yeon mit seinem "Train To Busan" ein längst abgeerntetes Feld. Hollywood war bereits Jahrzehnte zuvor da und hat insbesondere in den letzten 15 Jahren noch so manches Genre-Highlight nachgelegt. Und obwohl sich "Busan" in Sachen Präsentation nicht vor den amerikanischen Vorbildern zu verstecken braucht, vermeiden fundamentale narrative Beschränkungen einen Vergleich auf Augenhöhe: Während sich die dramatischen Dreh- und Angelpunkte der US-Produktionen innerhalb der überlebenden Gruppen entfalten, läuft der südkoreanische Ableger Gefahr, in all seiner Oberflächlichkeit aufzugehen.

Zwar agiert auch in "Busan" eine zusammengewürfelte und unterschiedlichen sozialen Klassen entstammende Gruppe von Überlebenden, doch wirkt deren Interaktion zu aufgesetzt, um den als Genre-Konventionen verstandenen erzählerischen Kernelementen der amerikanischen Konkurrenz halbwegs und eher strukturell zu entsprechen. Insofern wird die Erwartungshaltung der Zuschauer nie auf die Probe gestellt: Eine Schwangere und ein Obdachloser demonstrieren Beherztheit und Moral, während der unsympathische Konzernchef fast schon zwangsläufig als feiger, skrupelloser Misantroph in Erscheinung tritt. Komplexere Charakterentwürfe inklusive einhergehender existentieller Konfliktherde bleibt uns Sang-ho Yeon weitgehend schuldig.

"Train To Busan" kommt temporeich und nicht ohne Adrenalinschübe freizusetzen daher. Audiovisuell auf der Höhe der Zeit, vermag der Streifen auf der reinen Unterhaltungsebene durchaus Akzente zu setzen, bleibt zugleich aber weit hinter Genre-Größen wie "Dawn Of The Dead" (2004), "28 Wochen später" (2007) oder der TV-Hit-Serie "The Walking Dead" (seit 2010) zurück. So verbleibt als ernüchterndes Alleinstellungsmerkmal lediglich der in westlichen Gefilden ungewohnte Anblick asiatischer Zombies. Wem der Sinn nach düster-furioser Schnellzug-Action aus Südkorea steht, der sollte sich dessen ungeachtet Joon-ho Bongs Meisterstück "Snowpiercer" zu Gemüte führen.

Dietmar Wohlfart

Train To Busan

ØØØ

(Busanhaeng)

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Splendid Film/WVG (KOR 2016)

113 Min. + Zusatzmaterial dt. Fassung oder kor. OF

Features: Teaser, Trailer, B-roll, Press screening

Regie: Sang-ho Yeon

Darsteller: Yoo Gong, Soo-an Kim u. a.

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Zombies im EVOLVER


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