Video_Der Babadook

Kampf der Quälgeister

Eine Alptraumfigur aus einem Kinderbuch terrorisiert eine Alleinerzieherin und ihr traumatisiertes Problemkind. Der australische Grusler "Babadook" schockt mit klassischen Stilmitteln. Ob der nervenaufreibende Widerstreit gleich zweier Quälgeister allerdings so geplant war, darf bezweifelt werden.    28.10.2015

Seit dem Unfalltod ihres Mannes leidet die Krankenschwester Amelia (Essie Davis) an chronischen Schlafstörungen und unter den aggressiven Verschrobenheiten ihres sechsjährigen Sohnes Samuel (Noah Wiseman). Der imitiert nicht nur gerne das Gehabe eines TV-Magiers, sondern sieht sich auch als eine Art Monsterjäger, der seine Mutter vor den dunklen Geschöpfen beschützen muß, die er allgegenwärtig um sich glaubt. Samuels erschreckend lebhafte Phantasie macht ihn zum natürlichen Außenseiter, bringt seine Mutter an ihre Grenzen, stößt Verwandte vor den Kopf und zieht schulbehördliche Konsequenzen nach sich. Als Amelia ihrem Sproß aus dem mysteriösen Kinderbuch "Mister Babadook" vorliest, macht Samuel fortan die böse Titelfigur als ultimative Bedrohung aus.

 

 

 

Überschaubares Budget, traditionelle Stilistik, überraschender Erfolg: Der Festivalhit aus down under ist zugleich auch das Feature-Debüt der Filmemacherin Jennifer Kent. Kent gibt dem Monster unter dem Bett, dem Schwarzen Mann und all den alten Kinderschrecken einen Namen: "Babadook" nennt sich die Heimsuchung, die fortan ihr Unwesen eben nicht nur im Kopf des kleinen Samuel treibt, sondern ihren Weg auch in den Alltag der ohnedies geplagten alleinerziehenden Amelia findet. Mit Klopfgeräuschen, Terrortelefonaten und Suggestionen arbeitet sich der Babadook fortan am Nervenkostüm der schwächelnden Krankenschwester ab.

Einmal mehr erweist sich der Einsatz uralter Einschüchterungstaktiken aus den Archiven des Gruselgenres als effektiv: Wie etwa von James Wan in seinen beiden gelungenen Arbeiten "Insidious" (2010) und "The Conjuring" (2013) in jüngerer Vergangenheit demonstriert, sind es abermals Mechanismen des guten altmodischen, psychologischen Horrors, die effizient ineinandergreifen und auch das babadooksche Gruselkarussell in Gang halten. Der Kinderbuch-Bösewicht fungiert dabei nicht nur als Variante oder Stellvertreter alter Spukgestalten, sondern personifiziert auch das erlittene Verlusttrauma von Mutter und Sohn - als Schrecken, der nie vergeht und stets Präsenz zeigt. Der Kampf gegen diesen klettenhaften bösen Geist ist somit auch eine Auseinandersetzung mit den durchlittenen Katastrophen der Vergangenheit.

Hauptdarstellerin Essie Davis interpretiert ihre überfürsorgliche Amelia am ständigen Rande des Zusammenbruchs angemessen. Mit Filmsohn Samuel verhält es sich ungleich problematischer: es fällt in der Tat schwer, den Knaben in der Opferrolle zu sehen. Das hyperaktive, hysterische Gequengel und Geschrei des Balgs verlangt schon fast nach einem unheimlichen Vollstrecker der Marke Babadook, der endlich für Ruhe sorgt. Noah Wiseman bildet so die große Schwachstelle eines ansonsten handwerklich soliden, durchaus spannenden Old-School-Gruslers, der mit einer interessanten Variation des Schrankgespenst-Themas aufwarten kann.

Dietmar Wohlfart

Der Babadook

ØØØ

(The Babadook)

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capelight pictures (Australien 2014)

90 Min. + Zusatzmaterial dt. Fassung oder engl. OF

Features: "Die Geheimnisse des Babadook", "Die Alpträume des Babadook", Kurzfilm "Monster", Interviews, Featurettes, Trailer

Regie: Jennifer Kent

Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman u. a.

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