Video_Hautnah - Die Methode Hill

Das Grauen Mensch

Es wäre ein Leichtes, in die Lobeshymnen für diese britische TV-Produktion einzustimmen: eine bessere Thrillerserie hat man schließlich schon lange nicht mehr gesehen. Weshalb sich der EVOLVER lieber beschweren möchte ...    21.02.2012

"Menschlich". "Tragisch". "Glaubwürdig". "Raffiniert". "Hochspannend". "Toll gefilmt". "Grandios". Nur einige Stimmen, mit denen Kritiker sich zu "Hautnah - Die Methode Hill" geäußert haben. Und zweifellos, jede einzelne ist zutreffend. Doch wie um alles in der Welt ist es möglich, daß eine Fernsehreihe, die derart erfolgreich ist, von heute auf morgen eingestellt wird?

Mag sein, daß die Produktionskosten mit 900.000 Euro pro Episode – im Vergleich zu anderen TV-Serien – exorbitant hoch ausfielen. Und ja, es ist richtig, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Aber das Problem ist: Etwas Besseres als "Die Methode Hill" hat es bis heute auf dem internationalen Thrillermarkt kaum gegeben.

 

Bis zu ihrer Einstellung Ende 2008 brachte es die Fernsehserie auf 24 Episoden à 90 Minuten, von denen die ersten beiden Fälle, "Das Lied der Sirenen" und "Schlußblende", auf die gleichnamigen Romane der britischen Autorin Val McDermid zurückgingen. 24 Folgen, deren aufwendiger Style fast zu schade war für den kleinen Fernsehschirm daheim. Selbst die spannend konstruierten Skripte, die – anders als ihre amerikanischen Pedants – in der Action entschleunigt, und stattdessen mit viel Liebe fürs Detail ausgetüfelt worden waren, ließen so manche Kinoproduktionen langweilig wirken.

Und während die ersten drei Staffeln sich noch streng an die Schöpfungen Val McDermids hielten, wurden die Figuren in den Episoden der letzten drei Staffeln von den Drehbuchschreibern eigenständig weiterentwickelt – hin zu ausgereiften, überzeugenden Charakteren.

 

Allen voran natürlich der titelgebende Polizeipsychologe Tony Hill, dessen Versponnenheit kongenial vom Schauspieler Robson Green umgesetzt wurde. In sich versunken stolpert er durch seinen Alltag, sich an ein blaues Plastiksackerl klammernd, als bewahrte es nicht nur sein ganzes Hab und Gut, sondern auch ihn vor den Schrecken dieser Welt; zugleich versetzte er sich auf beängstigende Weise in die Hirne der Bösewichter, bis man glaubte, ihn selbst trenne nicht mehr viel vom letzten Schritt hin zum Killer. Weshalb er – nicht nur einmal – selber unter Verdacht geriet. Aber mit bestechender Logik gelang es ihm immer wieder, die wahren Schurken zu überführen.

 

Natürlich konnte man den Machern der Serie vorwerfen, daß sie das Thema Serienkiller zum Ende hin überstrapazierten, und die Morde immer düsterer, beklemmender, grausamer, blutiger wurden. Aber bitte, hinter all diesen bizarren Greueln steckten am Ende immer noch "nur" Menschen, und ein täglicher Blick in die Zeitungen beweist, wozu der Mensch fähig ist. Tony Hill erklärte es uns, trotz aller Schrullen, die er wie das blaue Sackerl mit sich schleppte. Auch das war, irgendwie, menschlich.

Und damit ist jetzt also Schluß? Eine Schande.

 

So bleibt nichts anderes als der wiederholte Genuß aller sechs Staffeln, die jetzt endlich in einer Gesamtbox vorliegen; gemeinsam mit der Special-Episode "Mörderisches Trauma", in der Hill ausnahmsweise nicht durchs kühle, britische Bradford, sondern durch die staubige Wüste in Texas irrlichtert. Ein Pflichtkauf für alle, die perfekten Thrillergenuß schätzen.

 

Einziges Manko, wie immer bei Edel: Die DVDs sind ohne jedes Extra.

Marcel Feige

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Hautnah - Die Methode Hill (komplette Serie)

ØØØØØ

Wire In The Blood

Leserbewertung: (bewerten)

Edel (D 2011)

DVD Region 2

24 DVDs à ca. 90 Minuten

 

Regie: Andrew Grieve, Peter Hoar, Declan O'Dwyer u.a.

Darsteller: Robson Green, Hermione Norris, Simone Lahbib u.a.

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