Platten_schein23 - morgens ist es am schlimmsten ...

Genauso ist es

Vier junge Männer sagen, was einem immer schon auf der Zunge lag - unterlegt mit Indie-Rock der gehobenen Sorte.    05.09.2004

"Morgens ist es am schlimmsten, da fängt der Tag erst an" - wieso hat es bis zum Jahr 2004 gedauert, bis irgendjemand im Pop diese einfachen Worte formulieren konnte? Solche oder ähnliche Gedanken schießen einem durch den Kopf, wenn man sich das neue Album der deutschen Band schein23 zu Gemüte führt.

Dem Hörer werden Lebensweisheiten an den Kopf geworfen, bei denen er nur mit dem Kopf nicken kann und einerseits sagt "ja, das rockt" und anschließend gleich ein "genauso ist es" anhängt. Allein die Titel hätte Oma nicht besser formulieren können: "Das Leben ist kein Heimspiel", "Man sagt sich nicht selbst hallo" oder "Gelegentlich ist eigentlich nicht oft".

Zwar klingt Sänger Daniel Schuch in seinen schwächeren Momenten wie das Gros der deutschen Befindlichkeits-Pop-Raunzer, doch dieses Manko macht er in großartigen Momenten - von denen es auf diesem Album viele gibt - und mit seinen feinsinnigen Texten mehr als wett. Marc Eisele, Thorsten Wolf und Massimo Randisi liefern dazu soliden Indie-Rock der gehobenen Sorte, ohne dabei auf die Eingängigkeit der Melodien zu vergessen.

Alles in allem ist "morgens ist es am schlimmsten ..." eine Platte, der man wünscht, daß gelegentlich auch einmal öfter ist als oft und sie nicht in der Schwemme von Neuveröffentlichungen untergeht.

Ernst Susicky

schein23 - morgens ist es am schlimmsten, da fängt der tag erst an

ØØØØ


Stereotonic/Goodsongs/Sony

(D/13. 9. 2004)

 

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