Editorial_Bundeshymne NeuNeu

Heimat, bist du kleiner Hirne

Drei Blunzen geben eine Pressekonferenz ... Nein. Okay, so: Treffen sich ein paar Sommerlöcher ... Auch nix. Na gut: Eine Frau kommt ins Wirtshaus und bestellt eine Portion Hirn mit Ei ... Wieder daneben. Es nützt nichts - manche Witze sind so schlecht, daß man sie einfach nicht erzählen sollte. Außer in der Sauregurkenzeit und als feministische Parteisoldatin vielleicht.    14.07.2011

Der Politik fällt nichts Neues ein, also müssen die alten Blödheiten immer wieder recyclet werden - bis das Wählervolk zu schwach ist, um sich noch dagegen zu wehren. Kein Wunder, bei 30 Grad Sommerhitze. Und die staatstragenden Medien machen sowieso bei jedem Irrsinn mit. Aber es war alles schon da, auch die Geschichte mit der feministischen Umwandlung der österreichischen Bundeshymne (und aller intellektuellen Werte sowieso). Nämlich vor fast sechs Jahren, anno 2005 - als es "im Kallatschen Oberstübchen fest rauchte, da die österreichische Frauenministerin durch zu intensives Anhören Ihrer Hymnensammlung auf seltsame Ideen gekommen war". (Wir zitieren uns hier natürlich selbst, wie das die PolitikerinnenInnen auch tun.)

Der EVOLVER brachte schon damals ein Editorial zum Thema und wiederholt es im Sommer 2011 im vollen Wortlaut; schließlich gibt’s ja auch im Fernsehen zu dieser Jahreszeit nur Wiederholungen. Not even the names have been changed to protect the idiots ...

Genießen Sie es, solange Sie noch dürfen.

 

****

 

Wir sehen sie richtig vor uns, diese armen Frauen, oft Bürgermeistersgattinnen oder Fußballfunktionärinnen, die beim regelmäßigen Absingen der Bundeshymne resigniert eine Träne im Augenwinkel zerdrücken. "Also, sowas", denkt es empört in ihnen, "da komme ich ja gar nicht vor in dem Lied. Ich als Hausfrau, alleinerziehende Mutter und Berufstätige werde völlig ignoriert. Wie gemein. Ich glaub’, ich hau’ den Hut drauf und warte, bis sie zum neuen Geld 'die Euro' sagen."

Ein trauriges Schicksal, fürwahr. Doch auch diesen Montag durfte sich ganz Österreich wieder darüber freuen, daß sich eine Politikerin übers Wochenende was Kluges ausgedacht hat. Es handelt sich um die notorische Frauenministerin Rauch-Kallat von der ÖVP, die während einer Mußestunde die Idee kreißte, den Text der österreichischen Bundeshymne zu ändern. Auf frauenfreundlicher. Weil man ist ja nicht deppert.

Vielleicht aber doch. Denn wo es bisher "Heimat bist du großer Söhne" heißt, soll in Zukunft die unglaublich idiotische Textzeile "Heimat großer Töchter, Söhne" gesanglich vorgetragen werden. Der Vergleich macht Sie sicher: Die alte Version ist gutes Deutsch und stimmt rhythmisch, die neue Version liest sich genauso hatschert, wie sie klingt und wurde möglicherweise von einem Wiener Hauptschülerkollektiv erdacht, das die deutsche Sprache nur mehr als lästiges Minderheitenprogramm wahrnimmt. Außerdem - was sind "Töchtersöhne"? Hat das vielleicht etwas mit dieser widerlichen Transgender-Forschung zu tun? Wir wollen’s gar nicht zu genau wissen.

Es geht ohnehin noch weiter mit Rauchs Knallfroschidee. Statt "Einig laß in Brüderchören, Vaterland Dir Treue schwören" fordert das Frauenministerium eine Hymnenregelung auf "Einig laß in freud’gen Chören, Heimatland Dir Treue schwören". Pfui gack! Brüder und Väter sind also auch schon verboten. Wahrscheinlich wegen der auf dem gesamten Erdkreis grassierenden Pädophilie, die Frauen von Kindesbeinen an zu Opfern des vergewaltigenden Patriarchats macht - und dazu führt, daß irgendwelche Krampflesben und Was-bleibt-mir-über-Emanzen in Ministerien und öffentlich subventionierten Kulturschändungsstellen sich um Steuergelder derartigen Blödsinn ausdenken dürfen.

Sicher, sowas könnte einem eigentlich egal sein. Kein vernünftiger Mensch singt die Bundeshymne, schon gar nicht im Alltag; zum guten Ton zählt sie nur bei Autobahnteilabschnittseröffnungen und Sportveranstaltungen. Und dort geht man sowieso nicht hin. Trotzdem: In die Kirche verirrt man sich normalerweise auch nicht - und wenn einen das Schicksal dennoch dorthin treibt, muß man hören, daß aus "Gebenedeit bist du unter den Weibern" irgendwann ein "Gebenedeit bist du unter den Frauen" geworden ist. Wo sind sie nur hin, die Weiber?! Demnächst wird der Papst wohl auch noch das "gebenedeit" auf "betroffen" ändern, damit es das gemeine Volk auch versteht ...

Die Sprach- und Gedankenpolizei verfolgt einen sogar bis in die Straßenbahn. Lautete eine beliebte Durchsage der Wiener Verkehrsbetriebe (heute "Wiener Linien", wegen der vielen Koksdealer) einst "Bitte überlassen Sie älteren und gebrechlichen Personen die Sitzplätze" - worüber sich ältere und gebrechliche Personen sehr freuten -, so heißt es heute politisch einwandfrei und sprachlich verkorkst: "Bitte überlassen Sie die Sitzplätze Personen, die sie notwendig brauchen." Und ein kurzer Blick in die Runde genügt, um feststellen zu können, daß Sie niemanden im Waggon notwendig brauchen. Bleiben Sie also ruhig sitzen, vermeiden Sie öffentliche Botschaften und Hymnen, freuen Sie sich auf Ihr Zuhause - und darauf, dortselbst den EVOLVER lesen zu können. Weil wir bei diesem Unfug nicht mitspielen.

 

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PS: Jaja, wir wissen es eh: Die angfressene Stimme in den Wiener Straßenbahnen sagt etwas anderes und grammatikalisch ziemlich Verhatschtes. Aber damals blieb es dem Autor dieser Zeilen so in Erinnerung - und anders wäre der Gag halt auch nicht aufgegangen.

Seien Sie also nicht kleinlich, Leser. Denken Sie lieber dran, daß die Wiener Linien in den vergangenen Monaten eine weitere Bastion aufgegeben haben. Statt wie früher "Bitte zurücktreten" sagt heute in der U-Bahn eine andere angfressene BeamtinnenInnen-Stimme "Zurückbleiben, bitte", wie man das aus Berlin kennt (abgesehen davon, daß einen dort eine höchst freundliche Berliner Dame dazu auffordert).

Das ist - wie alles auf der Welt - kein Zufall: 1. sehen wir uns in arschkriecherischer Weise halt kollektiv dazu veranlaßt, uns der neuen deutschen Besatzungsmacht (can you say "Piefke-Invasion"?) anzupassen; und 2. brauchen Politiker, die dem Volk das zumuten, was sie ihm zumuten, von der Bundeshymne bis zum rot-grünen Wiener Verkehrs-"Konzept", halt wirklich Zurückgebliebene.

Da kann man nur erwidern: Bitte zurücktreten!

Peter Hiess

Kommentare_

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Alban Sturm - 17.07.2011 : 00.06
So weit, so wahr - und so traurig.
Nur, daß es sich nicht bloß um einen (sommerloch-obligaten) SchildbürgeRinnen-Streich handelt. Die stets nützliche Frage "Cui bono?" führt nämlich zu der Antwort: einschlägigen Verlagen, zum Beispiel. Das kostet, all die Schulbücher und sonstigen Publikationen umzuschreiben, die alljährlich in beträchtlicher Auflage erscheinen - unbeachtet, weil "selbstverständlich", und von Steuergeldern bezahlt. Hier findet sich jene Rückendeckung aus der Wirtschaft, ohne die längst kein politisches Handeln mehr möglich ist.
Zugegeben: Im Vergleich zu dem Coup "Neue Rechtschreibung" ist eine verunstaltete Nationalhymne noch harmlos - was den finanziellen Schaden betrifft. Daß angeblich mündige Wähler solcherlei Schwachsinn jedoch klaglos hinnehmen, stimmt nachdenklich (ganz abgesehen von der Frage, ob wir sonst eh keine Sorgen haben). Auch die Sache der geschlechtlichen Gleichberechtigung wird wieder einmal der Lächerlichkeit preisgegeben; stört das keine der Damen?
Wer gerne vergeudeten Steuergeldern nachweint, möge sich dieses Video anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=dUG5n8-JUqw. Gut, es verwundert nicht, daß eine notorische Marionette sich dafür hergibt. Sie hat sich ja auch noch nie geniert, unter dem Namen einer nationalsozialistischen Hetzpostille aufzutreten (weil: sie kann "nix dafür"); auch den bundesdeutschen Zungenschlag hat sie längst verinnerlicht - ein Schelm, wer Arges dabei denkt. Der Clip wurde vom österreichischen Bundesministerium für Unterricht und Kunst finanziert.
schildbürger - 19.07.2011 : 12.09
um himmels willen: christl stürmer! werter herr sturm (sie können sicher auch nix für ihren namen), dank ihres links weiß ich jetzt von dieser grauenhaften, musikalischen fehlgeburt. gut, wer durch starmania bekannt wird – und natürlich ist und war der öst. austropop auch dem orf-schwachsinn schon fürchterlich – kann halt scheinbar nicht anders. aber direkte demokratie gibt´s halt in österreich nicht, sonst könnten nicht steuergelder an solche "künstler" verschwendet werden. daß unser unterrichtssministerium "medien-piefkedeutsch" mitfinanziert, kann wohl auch kein zufall sein ...
ko-do - 07.08.2011 : 10.47
http://www.ko-do.at/zuruckbleiben.htm

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