Games_F.E.A.R. 3

Tote Seelen

Es war einmal ein kleines, schwarzhaariges Mädchen namens Alma, das uns das Fürchten lehrte. Das war vor sechs Jahren. Seit kurzem treibt Alma nun zum dritten Mal ihr Unwesen und versucht, den Spieler erneut in eine höllische Welt zu locken – dieses Mal aber ohne viel Erfolg.    11.09.2011

Im dritten Teil der japanischen Horrorserie trifft der Spieler wieder auf den stummen Point Man. Nachdem der im ersten Teil seinen telepathisch begabten Bruder, Paxton Fettel, mit einem Kopfschuß in eine bessere Welt beförderte, zeigt sich dieser dankbar und verfolgt ihn von nun an auf Schritt und Tritt. Anscheinend soll der Point Man dafür sorgen, daß Mutter Alma (das kleine, schwarzhaarige Mädchen) keinen Nachwuchs mehr in die Welt setzt.

Jedenfalls verstehen das der Point Man und die junge Koreanerin Jin Sun-Kwon (eine Nebenfigur aus dem ersten Teil) so. Der tote Bruder sieht das aber alles ganz anders, und so kommt es, wie es kommen muß: die beiden kämpfen gemeinsam gegen den bösen Konzern Armacham und eine ganze Legion von Untoten. Wer jetzt nach einer wirklichen Story sucht, sollte lieber im Fundbüro nachfragen.

Doch zumindest versuchen die Autoren, die Serie zu einem passablen Ende zu führen und sind, wenn man von offensichtlichen Storymängeln absieht, auch durchaus erfolgreich. Lediglich die Art und Weise läßt einiges zu wünschen übrig. In den spielbaren Abschnitten wird die Handlung vollkommen vernachlässigt, und die Zwischensequenzen dienen lediglich dazu, die beliebig aneinandergereihten linearen Level irgendwie zusammenzuhalten. Es ist nicht mehr viel übriggeblieben vom einstigen Storyglanz, der am Beginn der Serie stand.

 

Selbst das spielerische Element mußte leider Einbußen hinnehmen. Clevere Widersacher, die das Terrain kennen und den Spieler umlaufen, sucht man genauso vergebens wie spannende Feuergefechte. Zwar darf man so ziemlich alles abschießen, was sich bewegt, doch das macht auf die Dauer auch nicht froh.

Oftmals sind die Areale einfach zu klein, als daß die KI wirklich ihre Stärken ausspielen könnte. Kaum ein Kampf findet auf mehreren Ebenen statt, und versteckte Gänge und Abkürzungen gibt es leider auch nicht. So kommt es, daß sich die Gefechte darauf beschränken, Kugeln von einem Ende des Raumes in den anderen zu schicken. Glücklicherweise ist aber noch die Zeitlupe geblieben, die besonders am Ende jedes Levels eine unverzichtbare Hilfe ist.

Ein weiterer Atmosphärenkiller sind die versteckten Leichen und Alma-Puppen, die in jedem Level zu finden sind. Man klickt die Fundstücke einfach an, und schon verschwinden sie. Keine Hintergründe zur Handlung, keine Tonbandaufnahme oder hingekritzelte Notiz - null, niente, nada. Die Day-1-Studios waren offenbar der Ansicht, daß Hintergründe nur dazu beitragen würden, den Spieler weniger zu verwirren, und deshalb ließen sie es gleich bleiben. Schade. Möglicherweise hätte man das Spiel damit, wenn schon nicht gruseliger, so doch etwas interessanter gestalten können.

 

Aber die Fehler der Einzelspielerkampagne werden vom Multiplayermodus wieder ausgeglichen. Wer sich dafür entscheidet, die fade Kampagne mit einem Freund gemeinsam durchzuspielen, wird angenehm überrascht.

Zwar ist es weiterhin Essig mit Grusel und Taktik, doch dafür macht das Spielen als Bösewicht Paxton Fettel einen höllischen Spaß. Der kann zwar keine Zeitlupe aktivieren (schließlich hat er ja ein Riesenloch im Kopf), dafür kann er aber in die Körper der Feinde eindringen und sie übernehmen. Sei es, um sie gegeneinander kämpfen, von innen zerplatzen oder schweben zu lassen. Paxton Fettel erinnert ein wenig an Freddy Krüger, der ja auch kein netter Geselle war - und doch das gewisse Etwas besaß, um ihn trotz aller Schandtaten sympathisch zu machen.

Auch all der Onlinekampf kann sich sehen lassen. Zwar erfindet "F.E.A.R. 3" das Rad nicht neu, dafür bringt es aber frischen Wind in die mittlerweile langweilig gewordenen Stellungskriege gegen immer größere Angriffswellen. Während die Geister attackieren, findet man die überlebenswichtige Munition lediglich außerhalb des sicheren Unterschlupfs. Da man aber nicht sprinten kann, während man die Kisten ins Versteck trägt, muß man auf treffsichere Kameraden hoffen.

In der zweiten Onlinevariante ist man selber tot und kann in die Körper der verschiedenen Soldaten schlüpfen, um dann die meisten Seelen einzufangen.

In der dritten Variante mit dem klingenden Namen "F**king Run!" läuft das ganze Team um sein Leben. Die Spieler müssen vor einer Nebelwand davonlaufen, die bei Berührung zum sofortigen Tod führt; und das nicht nur für den erwischten Spieler, sondern für das gesamte Team. Und letztendlich packt sie einen dann doch noch - die nackte Angst.

Dragan Andjelkovic

F.E.A.R. 3

ØØØ

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(Day 1 Studios/Warner)

 

erhältlich für: PC, Playstation 3, Xbox 360

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