Kino_5 x 2 (Fünf mal zwei)

Liebe im Rückwärtsgang

Frauen sind doch die besseren Menschen – zumindest in Frankreich. In diesem Ehedrama rechnet François Ozon gründlich mit seinen Geschlechtsgenossen ab.    29.10.2004

Ein Mann und eine Frau lernen einander im Urlaub kennen, heiraten, entfremden sich zunehmend, landen schließlich vor dem Scheidungsrichter. Eine ganz alltägliche, banale Geschichte - die sich aber natürlich aufpeppen läßt. Indem man sie von hinten nach vorne schildert, zum Beispiel. Für diesen erzählerischen Kniff entschied sich der französische Regisseur François Ozon ("8 Frauen", "Swimming Pool") und inszenierte die Geschichte von Gilles (Stéphane Freiss) und Marion (Valéria Bruni-Tedeschi) daher beginnend bei der Scheidung bis zurück zum Kennenlernen.

Diese Herangehensweise birgt in der Tat Potential. Sieht der Zuschauer das Paar mit versteinerten Gesichtern die Trennungspapiere unterzeichnen und anschließend in ein Hotelzimmer gehen, wo Gilles seine Exfrau vergewaltigt, fragt er sich selbstverständlich, wie es, bitteschön, dazu kommen konnte. Welche Entwicklungen gingen dem voraus, und vor allem: Was hat die beiden überhaupt einmal verbunden?

Ozon versucht dies zu beantworten, indem er vier weitere Schlüsselszenen aus dem Leben des Paares präsentiert: ein Abendessen mit Freunden, die Geburt des gemeinsamen Sohnes, die Hochzeit und schließlich das Kennenlernen im Italien-Urlaub. Das Ganze ist filmisch hübsch umgesetzt. Von Episode zu Episode erscheinen die Protagonisten jünger, die Farben heller, die Schauplätze weiter und lichter. Zum Schluß schwimmt das Paar gar gemeinsam einem romantischen Sonnenuntergang entgegen.

Das ist alles gut und schön, nur: Das Lieben und Leiden der Protagonisten läßt einen als Zuseher völlig unberührt, da sich die Charaktere absolut nicht entwickeln und dazu auch noch auf plumpe Mann-Frau-Klischees reduziert werden. Marion ist das liebe, leidensfähige Frauchen, dem in nahezu jeder Szene irgendwann die Tränen über die Wangen kullern. Gilles wiederum ist ein Schwächling, der seine Unsicherheit permanent mit aufdringlichem Macho-Gehabe kompensiert. Daß er hier die Rolle des Bösewichts einnimmt, wird überdeutlich: Die Hochzeitsnacht verschläft er im Vollrausch, bei der Geburt des Sohns läßt er seine Frau im Krankenhaus allein, beim gemeinsamen Abendessen mit Freunden erzählt er ausführlich über außereheliche Abenteuer (woraufhin bei Marion natürlich wieder Tränen fließen). Selbst in der Kennenlernepisode überwiegt nicht die anfängliche Romantik mit seiner Liebsten, sondern die im Scheitern begriffene Beziehung zu seiner vorherigen Freundin – in der er sich wiederum als Ekelpaket präsentiert.

Dies ist auf Dauer ebenso einseitig wie uninteressant für den Betrachter. Wer die Schuld am Scheitern dieser Ehe trägt, wird uns geradezu mit dem Holzhammer eingebleut. Was dagegen kaum angedeutet wird, ist die anfängliche Anziehungskraft zwischen Gilles und Marion; die läßt sich bestenfalls erahnen. Im Grunde inspiriere ihn das Glück eines Paares nicht wirklich, kommentiert der Regisseur im Presseheft zu "5 x 2". Das hat er hier nachdrücklich bewiesen.

Anne Herskind

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5 x 2 (Fünf mal zwei)

ØØ


F 2004

90 Min.

dt. und frz. OF

Regie: François Ozon

Darsteller: Valeria Bruni Tedeschi, Stéphane Freiss, Géraldine Pailhas u. a.

 

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