Ich habe keine Angst
ØØØØ
(Io non ho paura)
I/Spanien/GB 2003
108 Min.
Regie: Gabriele Salvatores
Darsteller: Giuseppe Cristiano, Aitana Sánchez-Gijón, Dino Abbrescia u. a.
Vom Ende der Unschuld: Daß sich der Horror in Kindes Kopf oft weniger um böse Zaubermeister denn um unheimliche Entdeckungen im Alltag dreht, beweist dieses Kleinod. 22.07.2004
Im Gegensatz zu den diese Woche startenden bundesdeutschen Blödelsumpfblüten wird bei unseren südlichen Nachbarn für einen Bruchteil des Budgets (und damit wohl auch der Kinobesucher) an irritierend-schönen Kinowelten gearbeitet.
Regisseur Gabriele Salvatores (der 1992 für "Mediterraneo" den Auslands-Oscar verliehen bekam) schildert in der Verfilmung von Niccolò Ammanitis Wolfsjungengeschichte "Die Herren des Hügels" die verstörenden Geschehnisse, die der neunjährige Michele (Giuseppe Cristiano) im knallheißen Sommer 1978 im süditalienischen Apulien durchlebt, nachdem er beim Spielen einen versteckt gehaltenen gleichaltrigen Jungen entdeckt. Dieser ist wie ein Hund in einem Erdloch gefangengesetzt, gibt anfangs nur wirre Sätze von sich und ist dabei fest davon überzeugt, eigentlich schon tot zu sein. Zunächst nimmt Michele noch verängstigt Reißaus, kehrt dann jedoch aus Neugier zurück und beginnt sich um den Jungen zu kümmern und sich mit ihm anzufreunden - sehr zum Mißfallen einiger Dorfbewohner (unter anderem auch seiner Eltern) allerdings, denn deren Schicksal scheint durch ein dunkles Geheimnis mit dem des Jungen verbunden zu sein ...
"Ich habe keine Angst" ist in vielerlei Hinsicht ein ganz außergewöhnliches Kinoerlebnis: Indem Salvatores den Zuseher konstant auf demselben beschränkten Wahrnehmungs- und Verständnis-Level wie den von einer unergründlichen Umwelt verwirrten minderjährigen Protagonisten beläßt, evoziert er eine beinahe surreal bedrohliche Grundstimmung, die auch dann nicht ausläßt, wenn der Film zum Ende hin vom Genre des finsteren Psychoschockers zu dem des handfesten Mafia-Thrillers wechselt. Artverwandt und in dieser Konsequenz wurde der Horror aus der Perspektive eines Kindes etwa auch in Philip Ridleys eindringlicher Psychoabfahrt "Schrei in der Stille" ("The Reflecting Skin") verarbeitet, mit dem sich Salvatores´ Berlinale-erprobter Streifen auch das Faible für hypnotische Bildopulenz und ausschweifenden Symbolismus teilt. Ausdrückliche Empfehlung.

Ich habe keine Angst
ØØØØ
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