Kino_Film-Tips Juli 2016

Verraten und verkauft

Dekadenz in all ihren Ausformungen begegnet uns im Juli-Kino: Ballardsche Hochhäuser, Burroughssche Dschungel, le Carrésche Spione und deutsche Busineß-Welten. Am besten alles anschauen!    06.07.2016

EVOLVER-Redaktion

High-Rise

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Filmstart: 8. Juli

 

Ein Hochhauskomplex in den 1970er Jahren. Gut gemeint, wie all diese Monsterprojekte, aber doch nur eine Wohngarage, ausgestattet mit Geschäften und Freizeitangeboten, seelenlos, irgendwo außerhalb des lebendigen Stadtkerns. Oben, in den lichtdurchfluteten, hellen Appartements, wohnen die Reicheren, unten drängen sich - wie auf einem Kreuzfahrtschiff - diejenigen zusammen, die weniger Geld haben. Und alles kommt, wie es kommen muß: Soziale Konflikte entstehen, Stromausfälle passieren, der Müll türmt sich. Dann werden Barrikaden errichtet, die Troglodyten stürmen den Swimmingpool der Herrenmenschen, der Supermarkt wird geplündert, Vergewaltigungen und Morde ereignen sich. Die Geschehnisse laufen mit einer Unvermeidlichkeit und ohne große Emotionen ab, als folgten sie Naturgesetzen. In all dem Irrsinn bleibt Dr. Robert Laing (Tom "Loki" Hiddleston) kühl und gelassen, als würde er endlich das Leben führen können, das ihm in dieser Zeit bestimmt ist. Genau das ist typisch für einen Ballard-Helden: Die Protagonisten der Romane des mittlerweile leider verstorbenen, genialen britischen SF-Autors James Graham Ballard hadern nicht mit dem Schicksal, sondern werden zu einem Teil der neuen Welt, selbst wenn sie apokalyptisch ist. "High-Rise" (dt. Romantitel: "Der Block") war Teil der "Beton-Trilogie" Ballards und wurde nun - endlich! - verfilmt. Ben Wheatley, der bisher mit Low-Budget-Filmperlen wie "Sightseers", "Kill List" und "A Field in England" äußerst positiv aufgefallen ist, läßt seine Kinoversion des Stoffs ebenfalls in den Siebzigern spielen - und das gottlob ohne die Koteletten-und-Schlaghosen-haha!-Ironie, die den postmodernen Idioten-Hipstern zueigen ist. Und auch wenn sein Film nicht ganz so gelungen ist wie die bisher beste Ballard-Verfilmung (David Cronenbergs "Crash"), gelingt es ihm, die eiskalte Ästhetik der Romanvorlage, ihre vielen (pop)kulturellen Verweise und die typisch Ballardsche Symbolik hervorragend auf die Leinwand zu bringen. Der sehenswerte Anti-Blockbuster dieses Sommers.  (ph)

 


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Verräter wie wir

(Our Kind of Traitor)

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Filmstart: 8.Juli

 

Noch eine Verfilmung eines berühmten britischen Romans erwartet uns diesen Sommer; diesmal handelt es sich um ein Werk des Meisters der Spionageliteratur: John le Carré. Ein britisches Paar (Ewan McGregor und Naomie Harris) will sich in dieser Kinofassung des 2010 erschienenen Thrillers von einer Ehekrise erholen, indem es sich in Marrakesch von den Verlockungen des Orients ablenken läßt. Blöd nur, daß der Mann eines Nachts in schlechte Gesellschaft gerät: Er säuft mit einem sympathischen Geldwäscher der Russenmafia (Stellan Skarsgård), der aus Angst um sein Leben aus der Organisation aussteigen will - und den Engländer darum ersucht, für ihn Kontakt mit seinem alten Freund aus dem britischen Geheimdienst aufzunehmen. Damit ist es natürlich nicht getan, weil ja im Krimi nie was einfach ist; und so kommt es zu einer aufregenden Odyssee aus Nordafrika Richtung London, über Berg und Tal, gejagt von mehreren interessierten Parteien. Regisseuse Susanna White (bisher nur durch "Eine zauberhafte Nanny - Knall auf Fall in ein neues Abenteuer" irgendwie aufgefallen) gelingt mit "Verräter wie wir" zwar nicht so ein filmisches Juwel wie "Dame König As Spion" - aber da war ja auch ein echter Klassiker von le Carré die Vorlage. Trotzdem gute Ferienunterhaltung.  (ph)

 

 

 

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Toni Erdmann

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Filmstart: 15. Juli

 

Zugegeben, auch ich war skeptisch: Peter Simonischek söhnt sich mit falschem Grotesk-Gebiß mit seiner karrieregeilen Tochter aus? Geht´s noch? Das soll ein Film sein, noch dazu ein guter? Und das über eine Zweidreiviertel- Stunden-Distanz? Ja, meine Freunde, das geht, nein, das fährt, und wie! Der Witz an der Sache ist die unfaßbare Präzision, mit der Regisseurin Maren Ade ("Alle anderen") die Rituale der upper class (und all jener, die dorthin wollen) beobachtet und nachinszeniert hat: all die Power-Point-Präsentationen und Stehempfänge, die Dresscodes und Sprachformeln, mit denen uns die schicken und slicken Optimierungs- (also Rausschmeiß-)Beratergesellschaften schon lange schwerst auf den Wecker fallen. Das ist das Milieu, in das die von Simonischek gespielte Kunstfigur "Toni Erdmann" hineinplatzt wie ein Freak von einem anderen Stern. Der culture clash, der sich daraus ergibt, ist in all seiner grellen Peinlichkeit so erhellend wie unwiderstehlich komisch; das alles ist so auf den Punkt geschrieben, inszeniert und gespielt, daß man aus dem Staunen und Lachen nicht herauskommt. Wer sagt, daß die Deutschen Komödie nicht können? Hier ist der Gegenbeweis.  (HL)

 

 


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Legend of Tarzan

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Filmstart: 28. Juli

 

Was würden wir nur ohne den guten alten Tarzan tun!? Ach so - dasselbe wie bisher? Er fehlt keinem Menschen wirklich? Die Jugend weiß gar nicht mehr, wer der Typ ist?

Also bitte, lassen wir das. Hollywood läßt bekanntlich kein Franchise verkommen, und der Dschungelmann von Edgar Rice Burroughs hat es ja wirklich verdient, endlich einmal würdig für die Leinwand umgesetzt zu werden. Ob dieses Kunststück ausgerechnet dem "Harry Potter"-Regisseur David Yates gelingen wird, ist fraglich; aber immerhin ist ein attraktiver Jungschauspieler (Alexander Skarsgård, son of Stellan, siehe oben) mit antrainiertem Sixpack auf der Leinwand zu sehen, also lockt man schon einmal den einschlägig interessierten Teil der weiblichen Bevölkerung ins Kino. Dort geht es dann um Lord Greystoke, der nach seinen Kindheits- und Jugendjahren im afrikanischen Dschungel - wo er bekanntlich von Tieren aufgezogen wurde und beim Lianenschwingen diesen Schrei erlernt hat) mit seiner geliebten Jane längst wieder nach England zurückgekehrt ist und dort als Lord Greystoke ein angemessenes Leben in der besseren Gesellschaft führt. Doch die Wildnis ruft immer wieder, also läßt sich der große Lord als Handelsattaché für den Kongo verpflichten. Dort erwarten ihn Blutdiamanten, ein blut- und geldgieriger Warlord sowie Schon-wieder-ein-Klischeeböser-wie-langweilig Christoph Waltz. Da zieht man sich doch gern wieder in den Busch zurück ...  (ph)

 

 


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