Kino_Kill Bill, Vol. 2

The Hinhauen continues

Die Ereignisse der ersten Schlachtplatte werden durch einen neuen Aufguß mühevollen Zitierkinos ins erklärende Licht gerückt. Quentin, was machen wir denn nun mit dir?!    21.04.2004

Also, Devise Nummer eins: tarnen und täuschen. Darin sind sich Herr Tarantino und der zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen bereits reichlich übermüdete Autor dieser Zeilen einig. Deswegen steht da oben auch diese Überschrift - die so gesehen ihre Berechtigung zumindest im Vergleich zu "Kill Bill, Vol. 1" aber eingebüßt hat, denn hingehaut wird im zweiten Akt (der ja eigentlich der dritte ist, rein theaterwissenschaftlich betrachtet) wenig bis noch weniger. Aber sie, also besagte Überschrift, ist eben so ein richtig launig eingesetztes Zitat. Und das macht ja auch Tintin Quarantino unheimlich gern: Zitate launig einsetzen, so lang, bis keiner mehr merkt, daß der feuchte Traum jedes Videogeeks selbst eigentlich wenig bis noch weniger eigene Ideen vorzuweisen hat.

Sie sehen: Diese Rezension dreht sich im Kreis, immer um die ewig gleichen Floskeln. Ja, das tut sie. Und erzählt wenig bis noch weniger. Und dreht sich um sich selbst, tarnt und täuscht, wo es nur geht. Und sieht dabei aber doch unverschämt gut aus, mit all ihren launig eingesetzten Zitaten. Quentin würde das gefallen, mit Sicherheit, ebenso wie seinen Verehrern in den Feuilleton-Redaktionen. Wie, das reicht Ihnen nicht? Es soll hier bitte etwas mehr weitergehen? Tja, dann sind Sie aber definitiv beim falschen Film (und nicht etwa bei der falschen Rezension) gelandet. Denn "Kill Bill, Vol. 2" dreht sich tatsächlich nur um sich selbst, respektive um die Selbstverliebtheit seines Regisseurs. Aber gut, wenn Sie meinen: Filmkritik-Modus ein, Text ab.

An die Ereignisse von "Vol. 1" anschließend, verbringt die Braut mit Namen Beatrix Kiddo (Uma Thurman) zwei weitere Leinwandstunden mit ihrer Mission, die letzten drei verbliebenen Mitglieder der ihren Verlobten samt Hochzeitsgesellschaft ausradiert habenden Todesschwadron niederzustrecken: White-Trash-Ratte Michael Madsen, die einäugige Daryl Hannah und natürlich "Bill" David Carradine (eigentlich der bei weitem größte Bonus dieses Films). Wie´s ausgeht, kann sich eh jeder denken. Der Weg dorthin ist - wie erwähnt - weit weniger Blutverguß denn Dialogüberdruß. Dem ersten Teil konnte man immerhin noch zugutehalten, daß dort die ach-so-originellen Tarantino-Dialogtiraden auf ein gerade noch erträgliches Mindestmaß gestutzt worden waren. Damit darf man hier nicht mehr rechnen. Zwar wird hier weit weniger Langeweiliges gefaselt als im lähmenden "Jackie Brown", aber immer noch viel zu viel. Und obwohl es Tarantino gelingt, wenigstens die wichtigsten Handlungsstränge, mit dem einen oder anderen überraschenden Zwischenton versehen, zu einem sinnergebenden Ganzen zusammenzuführen, kann unter keinen Umständen von einer fesselnden oder gar zwingenden Inszenierung gesprochen werden. Vielmehr gefällt sich der größte Schwätzer Hollywoods erneut in wildwucherndem Collagen-Kintopp, vergreift sich diesmal an Italo-Western (samt Morricone-Score, wie originell!!!), Shaw-Brothers-Eastern (mit einem der wenigen Highlights: Gordon Liu als fiesem, weißbärtigem Ausbildner), Zombie-Flicks, Film noir (Prolog, Abspann) und vielem mehr. Schön anzusehen ist das oft - denn schließlich ist gut geklaut immer noch besser als schlecht erfunden. Dennoch: Die an dieser Stelle in der Rezension zum ersten Film geäußerte Hoffnung (siehe Link unten), in der kruden Anordnung diverser Versatzstücke irgendwann Tarantinos eigene Filmvision erkennen zu können, muß hiermit ad acta gelegt werden. Und zu den erschreckenden Abgründen Peckinpahscher Revenge-Movies verhält sich der "Kill Bill"-Doppelpack wie HIMs Version von "Solitary Man" zu der von Johnny Cash. Nämlich besser gar nicht.

Christoph Prenner

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Kill Bill, Vol. 2

ØØ 1/2


USA 2004

130 Min.

dt. Fassung und engl. OF

Regie: Quentin Tarantino

Darsteller: Uma Thurman, David Carradine, Michael Madsen u. a.

 

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