Kino_Film-Tips März 2017

Charlie und die Exploitation-Fabrik

Der Tod der Sechziger (noch in den Sechzigern), der Riesenaffe als Prophet einer monströsen Kinozeit, der Gourmettempel als Werkstatt der Nutzlosigkeit und eine österreichisch-englische KGB-Spionin: Kino im März.    07.03.2017

EVOLVER-Redaktion

Wolves at the Door

Filmstart: 3. März

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Viele ("die Jugend", wie man sagt) kennen Charles Manson heute gar nicht mehr - und manche verwechseln ihn mit dem mittlerweile ebenfalls schon ins Vergessen rückenden Marilyn M., der sich ja nur den Nachnamen von ihm ausgeborgt hat. Daher zur Einleitung: Charles Manson, der seinen Achtziger mittlerweile auch schon vor einiger Zeit im Gefängnis gefeiert hat, war die dunkle Seite der 68er- und Hippie-Ära (oder wenigstens ein Werkzeug des Systems, um diese Bewegung kaputtzumachen). Er kam aus dem Gefängnis, entdeckte die willenlos-naiven Blumenkinder, benützte sie für Drogengeschäfte und seine sexuellen Bedürfnisse, ging schädliche Verbindungen zu Hollywood- und Musikindustrie-Charakteren ein, beging mehr als nur eine Straftat, sitzt aber heute als "schlimmster Serienkiller der USA" nach wie vor hinter Gittern, obwohl er bei den Morden (Polanski-Gattin Sharon Tate und Freunde sowie ein Ehepaar in der darauffolgenden Nacht) gar nicht dabei war. Wurscht - ein karrieregeiler Staatsanwalt schaffte es, aus dem zeitweiligen Helden der radikalen Gegenkultur einen Gottseibeiuns zu machen, der die armen langhaarigen Ami-Kinder mittels LSD- und Beatles-Gehirnwäsche zu ihren Greueltaten angestiftet haben soll. Und deswegen schmort er bis an sein Lebensende in irgendwelchen Hochsicherheitstrakten ...

Kurz und gut: Manson mag ein Mörder sein, aber er ist vor allem ein Mythos. Und als solcher haben er und seine "Family" seit 1969 Stoff für zahlreiche Exploitation-Filme geliefert, mit deren Beschreibung man sicher eine nette Broschüre füllen könnte. Jetzt ist mit "Wolves at the Door" wieder einer erschienen, in dem der Name Manson allerdings gar nicht vorkommt, weil den - wie erwähnt - keiner mehr kennt. Stattdessen mieten sich vier Freunde (u. a. Elizabeth Henstridge) 1969 in einem Haus in den Hollywood Hills ein und werden in einem Standard-"Home Invasion"-Plot von crazy-creepy-crawly-Hippies überfallen und terrorisiert. Wäre es nicht 1969, und würden sich Ex-Kameramann und Regisseur John R. Leonetti ("Annabelle") nicht in der PR-Arbeit explizit auf Charlie Manson beziehen, wäre das keinem aufgefallen, schon gar nicht der ahnungslosen Qualitätspresse. Jetzt allerdings kann man dortselbst verwundert die Augenbraue heben - aber keine Angst und kein Grund zur Aufregung: "Wolves at the Door" ist nicht mehr und nicht weniger als ein gelungener, routinierter Exploitation-Schocker.  (ph)

 

Kong: Skull Island

Filmstart: 10. März

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Wer "King Kong" sagt, muß sich heute an dem Meisterwerk von Peter Jackson aus dem Jahr 2005 messen lassen. Können aber die wenigsten. Deshalb läßt das Prequel (das keines sein will) "Kong: Skull Island" den King gleich weg, kommt mit einer Star-Besetzung - Tom Hiddleston, Samuel L. Jackson, John Goodman, Brie Larson etc. pp. - daher und eröffnet im Auftrag der Produktionsfirma Warner Bros. mit diesem Streifen gleich das "Monsterverse" als neuen Möchtegern-Franchise-Riesen. Der Rest ist schnell erzählt und ein garantiert unterhaltsames Spektakel: Eine Mannschaft aus Soldaten, Regierungsbeamten und Zivilisten macht sich 1972 im Rahmen des Projekts Monarch (kennen wir den Namen als Verschwörungstheoretiker nicht irgendwoher?) nach Skull Island auf, um das Gerücht zu untersuchen, daß sich dort Superspeziesistgleichmonster aufhalten. Action und Effekte sind nicht zu bremsen. In 3- bis 4D, bestens fürs Kino geeignet.  (ph)

 

Noma - My Perfect Storm

Filmstart: 24. März

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Die Doku über den gleichnamigen Kopenhagener Gourmettempel ist eine zwiespältige Angelegenheit. Sie ist formal gut gemacht und vermittelt Einblicke in eine kulinarische Hochleistungswelt, die man - Hand aufs Herz - sonst, wenn überhaupt, nur aus gewissen Hochglanz-Illustrierten kennt: die Welt der Mini-Portionen mit Schäumchen und Gemüse-Ornamenten auf dem riesengroßen Teller (zu ebensolchen Preisen). Andererseits macht der Film Appetit ... auf eine herzhafte Leberkässemmel. Nicht, daß die überdelikaten Speisen, die die "Noma"-Crew ausschließlich aus skandinavischen Roh-Zutaten herstellt (das ist quasi die Spezialität des Hauses) nicht interessant aussähen; auf einer Attraktion krabbeln halb lebendige Ameisen herum!! Doch wenn man den Streß mitbekommt, mit der der (aus Mazedonien eingewanderte) Chef des Hauses seine Crew herumscheucht, vergeht einem alles. Vor laufender Kamera wird da ein Koch zusammengeschissen, weil er es gewagt hat, ordinäres Thymiankraut statt Zitronenthymian zu verwenden ... Viermal zum besten Restaurant der Welt gekürt zu werden, hat eben seinen (auch zwischenmenschlichen) Preis, und sympathischer als dieses "Noma" ist der Wirt an der Ecke allemal.  (HL)

 

Auf Ediths Spuren - Tracking Edith

Filmstart: 31. März

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Peter Stephan Jungk, der Sohn Robert Jungks, hat seinem Buch über seine Großtante Edith Tudor-Hart (1908 bis 1973) jetzt eine Film-Doku folgen lassen, die eine in der Tat ungewöhnliche Biographie nachzeichnet. Einst Kinderpädagogin und später bedeutende Photographin, hat die aus Wien stammende (und als Edith Suschitzky geborene) Tudor-Hart - schenkt man dem Großneffen Glauben - als überzeugte Linke von England aus für den KGB spioniert. Das gäbe in der Tat Stoff für einen (authentischen) Polit-Thriller ab, doch Jungk buchstabiert dieses Frauenschicksal so bieder nach, daß das Interesse irgendwann zu erlahmen droht. Brav und chronologisch wird da ein Lebensweg nachgezeichnet und mit Photos, Zeitzeugen-Statements und vereinzelten Trickfilmsequenzen illustriert. Der von Jungk selbst mit müder Stimme eingesprochene Off-Kommentar tut ein übriges, die Brüche, Widersprüche und offenen Stellen in dieser Biographie tunlichst zuzukleistern.

Man muß gar nicht an die ungleich aufregendere "Sühnhaus"-Doku denken, um die konventionelle Machart dieses Films als verpaßte Chance zu beklagen. Wenn er einmal im Fernsehen kommt (wo er hingehört), kann man immer noch einschalten.  (HL)   

 

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Natürlich ist dies ein Promotion-Artikel - irgendwie müssen wir ja schließlich auch unsere Kosten decken. Und Glücksspiel ist bekanntlich eines der wenigen Dinge im Internet, die Gewinn machen. Schön langsam scheint sich diese Weisheit aber auch im wirklichen Leben zu bewähren.