Kino_Film-Tips Dezember 2014

Der Unsinn des Lebens

Rache ist süßsauer. Der alte Moses wirkt Wunder und wundert sich. Der Western ist nicht umzubringen. Und Terry Gilliam ist ein ebenso verschrobenes Genie wie Tommy Lee Jones. Freut euch, Kinder, die Kino-Weihnacht naht!    05.12.2014

EVOLVER-Redaktion

The Drop - Bargeld

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Kinostart: 5. 12.

 

Gottlob naht die Weihnachtszeit! Da sind nämlich A. die Temperaturen und B. die Kino-Neustarts intelligenter ... nicht alle, nein. Naturgemäß gibt´s im Advent und zu den Feiertagen einen Haufen Kinder/Familien-Filme und anderes unnötiges Zeug wie schon-wieder-einen-Hobbit, aber im Vergleich zu den überhitzten Blockbuster-Monaten verirren sich im Winter doch mehr gelungene mittelgroße Produktionen auf die Leinwand. Thriller, zum Beispiel, nach auch schon bemerkenswerten literarischen Vorlagen. Vergangenen Monat war das "Ruhet in Frieden - A Walk Among the Tombstones" nach einem Krimi von Lawrence Block; im Dezember ist es "The Drop - Bargeld" nach einer Kurzgeschichte des Hollywood-Lieblings Dennis Lehane ("Mystic River", "Shutter Island", "Gone Baby Gone"). Verfilmt wurde die Story vom belgischen Regisseur Michaël R. Roskam, der schon mit seinem Debüt "Bullhead" bewies, daß er das Amerikanische recht gut draufhat.

In "The Drop" geht es um einen Barkeeper und kleinen Gauner namens Bob (Tom Hardy, der heutzutage praktisch in jedem Film mitspielt und demnächst auch im "Mad Max"-Remake zu sehen sein wird - weil er ja wahrlich sehr sehenswert ist) und seinen Cousin, den mit vielen Wassern gewaschenen Barbesitzer - gegeben vom großartigen James "Tony Soprano" Gandolfini, der leider viel zu früh von uns gegangen ist. Die beiden sind keine kriminellen Giganten, aber ihr Lokal wird von der Tschetschenen-Mafia zur Geldwäscherei benützt, und da müssen sie halt mitspielen. Dann kümmert sich Bob noch um einen verprügelten Hund, verliebt sich in eine hübsche Russin (Noomi Rapace), deren Gangster-Ex sich darüber gar nicht richtig freut - und nebenbei wird noch die Bar ausgeraubt, und die Ostblockmafia will trotzdem ihr schmutziges Geld. Na bravo. Die Story wird anfangs langsam und leise erzählt, gegen Ende aber spannend und heftig. Gut so. Fast hätte man schon vergessen, wie ein richtiger Film geht ...  (ph)

 

 

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The Zero Theorem

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Kinostart: 5. 12.

 

Man muß den Christoph-Waltz-Hype gar nicht mitmachen, um "The Zero Theorem" zu mögen. Es genügt zu wissen, daß es sich dabei um den neuen Film von Terry Gilliam handelt - und den Mann sollte man schon deswegen bewundern, weil er mit jeder Monty-Python-Reunion schneller und mehr Geld verdienen könnte als mit seinen oft vom Unglück verfolgten Filmen (von denen er sich aber trotzdem nicht abbringen läßt). Das neue Werk ist wieder einer seiner Ausflüge in die Science Fiction, mit relativ geringem Budget (also keinen hunderten Dollarmillionen) gedreht, klug und philosophisch, tragikomisch und hervorragend-verspielt inszeniert. Und damit erinnert der Streifen nicht umsonst an "Brazil" ... An dieser Stelle näher auf den Inhalt einzugehen, würde beim Anschauen den Spaß verderben; also sei der Pflicht damit Genüge getan: Verschrobener Programmierer (Waltz) sucht im Auftrag seines Oberchefs The Management (Matt Damon) in einer totalüberwachten Welt (unserer, beinahe) nach dem Sinn oder auch der Sinnlosigkeit des Lebens. Skurrile Dinge passieren, Tilda Swinton und David Thewlis spielen mit, und der Zuseher darf sein Gehirn anstrengen. Früher hätte man zu sowas "absurdes Theater" gesagt. Heute ist die Realität bereits so absurd, daß man einen Film wie "Zero Theorem" im Lichtspieltheater aushält. Und Christoph Waltz ist wirklich nicht schlecht; da verzeiht man ihm sogar den debilen Tarantino.  (ph)

 

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Blue Ruin

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Kinostart: 11. 12.

 

Charlie Bronson sah seinerzeit rot, Jeanne Moreau trug als Braut lieber schwarz, und Macon Blair liefert in Jeremy Saulniers "Blue Ruin" Farbenspiele mit Körperflüssigkeiten. Lesen Sie mehr dazu  in unseren EVOLVER-DVD-Tips.

 

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Mommy

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Kinostart: 12. 12.

 

Nach "I Killed My Mother", "Laurence Anyways" und "Sag nicht, wer du bist" kommt jetzt Xavier Dolans "Mommy" in die österreichischen Kinos. Lesen Sie mehr dazu in unserem Cannes-Special.

 

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The Homesman

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Kinostart: 19. 12.

 

Bei der Viennale ist dieser Film heuer ziemlich durchgefallen. Es regnete skeptische bis negative Kritiken, und doch: Die zweite Regiearbeit des Hollywood-Schauspielers Tommy Lee Jones (der auch eine Hauptrolle darin spielt) ist ein vielschichtiges, ungewöhnliches und vor allem schönes Western-Epos, wie es das kaum noch gibt. Es geht um einen Treck der etwas anderen Art: Drei Frauen, die über allerlei Kalamitäten des rauhen Frontier-Daseins den Verstand verloren haben, müssen von Nebraska ins hunderte Meilen ferne Iowa verfrachtet werden, und die einzige, die sich den Transport mit einem vergitterten Kastenwagen zutraut, ist eine tapfere Siedlerin, der bald ein unterwegs aufgelesener Galgenstrick beisteht. Die allmähliche Annäherung des ungleichen Paars klingt ein wenig nach "African Queen" auf Western, doch das ist nur ein Aspekt dieser wilden und nur sehr bedingt happy endenden Ballade. In den lyrischen Fluß der wunderbar auskomponierten Cinemascope-Bilder drängen sich immer wieder verstörend grobkörnige Rückblenden, die die Vorgeschichte der drei bedauernswerten Kranken illustrieren, und schon diese formalen Irritationen verhindern, daß man es sich hier allzu gemütlich machen kann. Der bis in kleinste Rollen (Meryl Streep mit einem Fünf-Minuten-Auftritt!) glänzend besetzte Film hat nur einen, allerdings gröberen Fehler: Eine der Figuren setzt an einem bestimmten Punkt der Handlung eine Tat, die nicht zu ihrem Charakter paßt. Man sollte das indes nicht überbewerten, denn derart klassische Western sind, so sie nicht aus Dänemark ("The Salvation") kommen, heutzutage mehr als rar. (HL)   

 

 

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Die Wolken von Sils Maria

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Kinostart: 19. 12.

 

Eine nicht mehr ganz junge Schauspielerin zieht sich mit ihrer quirligen Assistentin in einen Schweizer Kurort zurück, um dort ein Theaterstück einzustudieren - zugegeben, es gibt Plots, die sich aufregender anhören. Umso größer die Überraschung, wenn man einmal im Kino sitzt: "Clouds of Sils Maria" ist eine elegante, sinnliche und keine Sekunde langweilende Studie über, ja eigentlich, über eh alles. Abschied von der Jugend, Sex versus Liebe, Kunst und Leben, Natur und Zivilisation - kaum ein Gegensatzpaar, das hier nicht auf seine Relevanz abgeklopft würde (auch wenn auch das jetzt wieder etwas öde klingt). Olivier Assayas beweist hier (in wunderbar altmodisch durch Schwarzblenden voneinander getrennten Sequenzen) nicht nur, was für eine aufregende Schauspielerin Kirsten Stewart ("Twilight"-Serie) sein kann, sondern er zeigt auch Humor von einer boshaften Hintergründigkeit, die man dem Arthaus-Recken nicht zugetraut hätte. "Er ist umso besser, je weniger er die Rolle versteht" heißt es da etwa über einen Schauspieler, und wer dächte da nicht an so manchen heimischen Groß- und Kraft-Mimen? Juliette Binoche spielt sich hier mehr oder weniger selbst, und in kleinen Partien taucht deutsche Darstellerprominenz von Hanns Zischler bis Lars Eidinger (köstlich als schicker Mode-Regisseur!) auf. Sogar einen alten Arnold-Fanck-Stummfilm über die titelgebende Wolkenformation hat Assayas hier mit lässiger Hand eingebaut ... Das Ergebnis ist wirklich ein so unerwartetes wie unwiderstehliches Vergnügen! (HL)

 

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Exodus: Götter und Könige

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Kinostart: 25. 12.

 

Was haben die nur schon wieder alle mit der Bibel?! Erst kommt Darren Aronofksy mit "Noah" daher, und jetzt läßt Ridley Scott - nach seinem durchaus enttäuschenden "Prometheus"-Schmarrn - den wütenden Batman Christian Bale als Moses antreten, der die Juden bekanntlich jahrelang an der Nase in der Wüste herumführte ...

Mögliche Erklärungen:

1. Man will einem neuen Publikum, das "Die zehn Gebote" und andere Greatest Stories Ever Told eventuell nicht gesehen hat, das Buch der Bücher nahebringen. Kann nicht stimmen, da die jungen Menschen von heute die Bibel nicht erkennen würden, wenn man sie ihnen auf den Kopf haut - und solange sie nicht als App aus ihrem Smartphone kommt, wird sie ihnen auch weiterhin wurscht sein, weil sie sich in der Schule sowieso mehr mit dem Koran befassen müssen.

2. Irgendwer da oben (in den Produzenten- und Buchhalter-Büros Hollywoods) glaubt an die schräge Theorie, daß alttestamentarische Figuren sowas wie frühe Superhelden sind. Und weil gerade kein Marvel- oder DC-Stoff frei ist, hält man sich an Vader Abraham und Konsorten. Wie gesagt: schräge Theorie, höchst schräg. Außerdem haben die biblical heroes keine bunten Kostüme und können nicht fliegen ...

3. Der Monumentalfilm kehrt zurück! Noch ein paar Rufzeichen!!! Aber hat den wirklich wer vermißt? Gerade in einer Zeit, da eh schon jede Big-Budget-Produktion monumental ist und der irre Cameron seit Ewigkeiten x Fortsetzungen von "Avatar" plant ... Doch, doch, es stimmt schon, der Monumentalfilm kehrt zurück, samt Monumentalbesetzung, wie sich das gehört: nebst Bale John Turturro, Sigourney Weaver, Ben Kingsley und a cast of millions. Lassen wir ihm die Freude. Er wird auch wieder verschwinden.

Ach so, der Plot? Lesen Sie ihn doch in der Bibel nach - wenn Sie eine finden.  (ph)

 

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