Kino_Film-Tips Juli 2018

Prequels, Sequels, Sommerzeit

Sergio-Sollima-Sprößling Stefano beschert uns die Fortsetzung des Kartellkrachers "Sicario". Gerard McMurray zeigt uns, wie der ganze "The Purge"-Blödsinn begonnen hat. Und: Jessica Chastain ist die, die nicht mit dem Wolf tanzt.    10.07.2018

EVOLVER-Redaktion

The First Purge

Filmstart: 5. Juli

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Die Grundidee ist (zumindest in der geschriebenen, dystopischen Science Fiction) nicht wahnsinnig neu: Eine Nacht im Jahr ist der Irrsinn freigegeben, jeder darf straflos alle Verbrechen verüben, von denen er immer schon geträumt hat - und da sich die meisten in dieser Nacht austoben, sinkt die Kriminalitätsrate im Rest des Jahres. Was 2013 mit einem klaustrophobischen kleinen Horrorfilm ("The Purge - Die Säuberung") des Wunderkind-Studios Blumhouse Productions begann, hat sich mittlerweile zur Kinoerfolgsserie entwickelt, die wahrscheinlich ebenso viele Fortsetzungen erfahren wird wie "Saw". Der vierte Teil "The First Purge" ist ein Prequel und zeigt, wie die ach-so-böse-konservative Regierung der USA Mitte des 21. Jahrhunderts die Idee zu den Purge-Nächten entwickelt und einen ersten blutigen Live-Test auf Staten Island durchführt.

Der Film ist ebenso erfolgreich wie die fiktive "Purge"-Idee, man kann ihn sich also durchaus anschauen, vor allem, wenn man die ersten Teile mochte. Allerdings sollte man vorher lieber weghören und -schauen, wenn die seit 50 Jahren super-"fortschrittliche" Kritikermafia mit ihren langweiligen Trump-Vergleichen daherkommt. In Hollywood und den angeschlossenen Medienkanälen hat man in der Hinsicht nämlich momentan soviel Schaum vor dem Mund, daß der schön langsam auch die Sicht trübt. Da wäre eine kleine "Purge" gar nicht unangenehm ...  (ph)

 

Woman Walks Ahead

Filmstart: 6. Juli

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Erinnert sich noch jemand an Kevin Kostners (im zerdehnten Director´s Cut gar nicht mehr so guten) Edelwestern "Der mit dem Wolf tanzt"? Nun, dies ist gewissermaßen das feministische Gegenstück dazu. War es dort ein Offizier, der allmählich Verständnis für die Kultur der amerikanischen Ureinwohner entwickelt, so ist es hier eine (historisch verbürgte) Malerin, die in North Dakota den legendären Indianerhäuptling Sitting Bull porträtieren will. Den Weißen gefällt das gar nicht: Sie beschimpfen und bespucken die verwitwete Künstlerin schon auf der Anreise, können die "Frau, die vorausgeht" aber nicht von ihrem Vorhaben abbringen. So nacherzählt klingt das vielleicht nach arg papierenem Gutmenschenkino, doch der Film ist - wenn auch kein Meisterwerk - so doch differenzierender, als es zunächst den Anschein hat. Weder sind die weißen Männer ausschließlich böse, noch erscheinen die Indianer ausschließlich als "rote Gentlemen" (© Karl May): Sitting Bull verlangt als Honorar fürs Modellstehen gleich einmal ordentlich viel Geld ... Dafür wird die zarte erotische Spannung, die sich zwischen der unerschrockenen Frau und dem stattlichen Häuptling entwickelt, schön subtil  angedeutet. Als sich der Mann unbefangen im gemeinsamen Übernachtungszelt zu entkleiden beginnt, geschieht das nur im unscharfen Hintergrund, während die Kamera den verstörten Blick der Malerin ins Visier nimmt. Fazit: Das Ganze ist mit etwas zu viel Musiksauce und ein paar entbehrlichen Zeitlupensequenzen leicht überwürzt abgeschmeckt, bleibt aber, zumal in Zeiten, da der Western im Kino ums Überleben kämpft, durchaus sehenswert.  (HL)

 

Sicario 2

Filmstart: 20. Juli 2018

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Wer den Drogenkrieg der 80er Jahre in Kolumbien für brutal hielt, sollte sich heutzutage keine einschlägigen Nachrichten aus Mexiko ansehen. Dort wird das Milliardengeschäft mit der westlichen Gier nach Rauschmitteln nämlich derart grausam betrieben, daß die Fakten jede Fikion in den Schatten stellen: Ein Kartell bekämpft das andere, die Drogengangs meucheln Polizei und Politiker, Gesetzeshüter operieren verdeckt und/oder wechseln des Geldes wegen auf die andere Seite, amerikanische Geheimdienstler mischen mit - und im Zuge dessen sterben unzählige Menschen auf sehr böse Art.

Regisseur und Kritikerliebling Dennis Villeneuve (der mit "Arrival" und "Blade Runner 2049" bewies, daß sogenannte "intelligente SF" sehr sehr langweilig sein kann) legte 2015 mit dem Thriller "Sicario" einen - ebenfalls nur halbwegs spannenden - Drogenkriegs-Thriller vor, in dem eine idealistische FBI-Agentin (Emily Blunt) auf die mexikanische (Kino-)Realität sowie einen Haufen harter und vor nichts zurückschreckender Männer (Benicio del Toro, Josh Brolin, Jon "The Punisher" Bernthal) trifft. Und im Endeffekt an beiden scheitert ...

Bis zur Fortsetzung "Sicario 2" (im Original: "Sicario: Day of the Soldado") sollten drei Jahre vergehen. Villeneuve ist diesmal nicht dabei, ebensowenig wie Emily Blunt - überlebt haben jedoch die harten Burschen (plus Matthew Modine). Regie führt Stefano Sollima, den man nicht nur wegen seiner bisherigen Werke ("A.C.A.B. - All Cops Are Bastards", "Suburra" und der TV-Serie "Gomorrha") lieben und schätzen muß, sondern auch, weil er der Sohn des großartigen Sergio Sollima ist. Diesmal geht es um die üblichen CIA-Leute, Auftragsmörder und andere Helden des Alltags, die mittels Kidnapping einen Krieg zwischen den Kartellen auslösen wollen. Das heißt: Action, Gewalt - und weniger Festival-Moralisieren als im Vorgänger.  (ph)

 

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