Kino_Spun

Definitiv überspannt

Kritiker haben Regisseur Jonas Åkerlund vorgeworfen, seine Protagonisten zu hassen. Recht hat er. Aber zusehen tut man diesen Speed-Junkies trotzdem gern - und staunend.    11.12.2003

Jason Schwartzman (der nette und exzentrische College-Student aus "Rushmore") ist Ross. In "Spun" ist er allerdings aus dem College geflogen, driftet ziemlich sinnlos in L. A. herum, trauert seiner Ex nach - und ist auf Speed. Wie übrigens der Rest der Besetzung auch. Sie alle jagen Tag und Nacht nur dem nächsten Hit "Crystal Meth" nach, um sich das weiße Pulver in die Nase zu jagen und noch länger aufzubleiben, selbst wenn sie sich eigentlich schon nach Schlaf sehnen. Und je länger sie wach sind, desto unberechenbarer werden ihre Aktionen, desto paranoider werden sie, und desto mehr neigen sie zu gefährlichen Halluzinationen.

In "Spun", dem Kinodebüt des erfolgreichen Musikvideoregisseurs Jonas Åkerlund, dreht sich alles um Drogen. Ross besucht seinen Dealer, Spider Mike, der nicht nur schlecht tätowiert ist, sondern auch seit Wochen nicht geschlafen haben dürfte und außerdem dauernd seinen Stoff irgendwo verliert. Spider Mike wohnt mit seiner Freundin Cookie (Mena "American Beauty" Suvari) zusammen, deren Zähne von den ungesunden Amphetaminen schon ganz verfault sind und die wir einmal dabei beobachten dürfen, wie sie nach Tagen endlich einmal wieder scheißen gehen möchte - was nach langem, anstrengendem Drücken nur zu ein paar lächerlichen Hasenpemmerln führt. Aber auch Nikki (Brittany Murphy) hängt dort herum - und die hat einen besseren Draht zum Speed, weil sie mit dem Hersteller zusammen ist, der das Zeug in schmierigen Motelzimmern kocht. Dieser Typ heißt nur The Cook, wird grandios dargestellt von Plastikgesicht Mickey Rourke (dessen Comeback hiermit offiziell sein dürfte), und schickt Ross und dessen Wagen von nun an auf Botenfahrten, weil er selbst kein Auto hat.

Es könnten drei Tage im Leben ein paar Drogensüchtiger in Los Angeles sein, die in "Spun" beschrieben werden, aber auch mehr oder weniger. Das Zeitgefühl verschwimmt nämlich und geht verloren, wenn das Zeug wieder einfährt (was Åkerlund so gekonnt und speedig geschnitten zeigt, daß man als Zuseher selbst ganz hektisch wird). An solchen Tagen kann es Ross schon passieren, daß er seine Geliebte zu Sexspielen ans Bett fesselt und dann einfach dort vergißt. Oder auch, daß ein mehr als grenzdebiler Jugendlicher, gegen den Beavis eine Intelligenzbestie ist, sich von der ebenso debilen Polizei (einer der Beamten ist übrigens Peter "Fargo" Stormare) als Spitzel einspannen läßt und zum Lohn dafür in die Hoden geschossen wird. "UUhhh - that´s gotta hurt..." Dann wäre da noch Debbie "Blondie" Harry als Kampflesben-Nachbarin, ein paar süchtige, kichernde Latino-Verkäuferinnen in einem Einkaufszentrum, Eric Roberts als stockschwuler finanzieller Hintermann usw. usf. Man kommt aus dem Schauen und Staunen nicht heraus - und oft kann man auch einfach nicht glauben, was diese Irren jetzt schon wieder anstellen.

"Spun" hat keine Message, kein Happy-End und keine Moral; das macht ihn zu einem der schätzenswertesten Filme des Jahres. Und "Spun" zeigt Hollywood definitiv so, wie es sich nicht sehen will. Schon deswegen sollte man ihn gesehen haben.

Peter Hiess

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Spun

ØØØØØ


USA 2002

100 Min.

dt. Fassung und engl. OF

Regie: Jonas Åkerlund

Darsteller: Jason Schwartzman, John Leguizamo, Mena Suvari u. a.

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Schwerwiegend

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Dr. Trash empfiehlt: Gehen Sie in den Wald. Lassen Sie sich dort von sinnlosen Wandertafeln erläutern, wie man atmet und ein Bein vor das andere setzt. Denken Sie immer daran, daß sowas Beamte erfinden, die von selber tatsächlich nicht einmal Luft holen können. Verzweifeln Sie erst, wenn Ihnen ein Wegweiser mit Hinkelstein-Esoterik droht. Bleiben Sie stehen und lassen Sie Ihrer Zerstörungswut freien Lauf.  

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Drei Blunzen geben eine Pressekonferenz ... Nein. Okay, so: Treffen sich ein paar Sommerlöcher ... Auch nix. Na gut: Eine Frau kommt ins Wirtshaus und bestellt eine Portion Hirn mit Ei ... Wieder daneben. Es nützt nichts - manche Witze sind so schlecht, daß man sie einfach nicht erzählen sollte. Außer in der Sauregurkenzeit und als feministische Parteisoldatin vielleicht.  

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Dr. Trash empfiehlt: Kaufen Sie sich ein iPad - am besten gleich die soeben erschienene Version 2, dann sind Sie Ihrem guten Doktor auch noch ein wenig voraus. Apples Tablette gegen Ödnis und graue Desktop-Rechner ist zwar für den heftig schreibenden Geistesarbeiter nur bedingt geeignet, aber unterwegs leistet das Brett beste Dienste. Auch im Urlaub, statt der berüchtigten Reisetasche voller Bücher.