Kino_Star Trek - Into Darkness

Phaserschmeichler

Zum zweiten Mal hat Regisseur J. J. Abrams den Motor der "Enterprise" angeworfen und sie auf eine für den Titel "Into Darkness" eigentlich recht gut ausgeleuchtete Reise geschickt. Chris Haderer ist eine Runde mitgeflogen.    13.05.2013

 

Es ist ein alter Gegner, mit dem es die Crew des Raumschiffs mit der Seriennummer NCC 1701 zu tun bekommt - einer, dem wir schon vor 31 Jahren begegnet sind. Im zweiten "Star Trek"-Kinofilm des "Fringe"- und "Lost"-Erfinders J. J. Abrams, dem insgesamt zwölften der erfolgreichen Merchandise-Serie, betritt er die Bühne stromliniengeschönt und politisch motiviert; nicht nach Schweiß und Machosex düftelnd wie dereinst Ricardo Montalban. "Star Trek: Into Darkness" greift Charaktere aus dem alten Kinofilm "Star Trek II: Der Zorn des Khan" ("Star Trek II: The Wrath of Khan", 1982) und der "Raumschiff Enterprise"-Episode "Der schlafende Tiger" ("Space Seed") auf und bringt sie an das "neue" Star-Trek-Universum adaptiert, digital und in nicht wirklich notwendigen drei Dimensionen auf die Leinwand. Diesen neuen Enterprise-Kosmos hat Abrams vor vier Jahren maßgeblich mitgestaltet, als er die Geschichte von James Tiberius Kirk in seinem 385-Millionen-Dollar-Hit "Star Trek" neu und von der Serienhistorie abweichend verfilmte, mit Chris Pine als eloquenter Neubesetzung der klassischen Rolle von William Shatner. Jetzt verbeugt sich Abrams aber doch ein bißchen vor der originalen Star-Trek-Chronologie und nützt zugleich die Gelegenheit, die Freundschaft zwischen Kirk und Spock (Zachary Quinto) zu charakterisieren.

 

Leicht haben es die beiden auf ihrem Weg zum dynamischen Starfleet-Duo dabei nicht, denn rund um sie herum steht die Föderation in Flammen. Khan ("Sherlock"-Darsteller Benedict Cumberbatch) - vom Gedanken getrieben, ein Verbrechen der Sternenflotten-Generäle zu rächen - tritt eine Welle des Terrors los, und der junge James T. Kirk wird erstmals mit der Verantwortung eines Kommandanten gegenüber seiner Besatzung konfrontiert, als die Enterprise verwundet und ohne Schilde im Raum dem Todesstoß entgegentreibt. Die Zeiten, in denen Gegner (wie von Captain Janeway in der Spin-off-Fernsehserie "Star Trek: Voyager") mit Wattetorpedos zu Tode gestreichelt wurden, sind vorbei: "Into Darkness" ist ein schnell geschnittener Action-Streifen mit hervorragenden Spezialeffekten - wobei das in Hollywood derzeit offenbar behördlich vorgeschriebene 3D nicht wirklich notwendig gewesen wäre, dem Interieur der Enterprise aber immerhin mehr Tiefe verleiht. Von der ursprünglichen Khan-Story haben J. J. Abrams und seine Drehbuchautoren Alex Kurtzman, Roberto Orci und Damon Lindelof nicht allzuviel übrig gelassen - was der einjährigen Geheimhaltung der Mitwirkung von Khan (die von Cumberbatch gespielte Figur wurde als John Harrison bezeichnet) einen recht spekulativen Charakter verleiht; nicht zuletzt auch deshalb, weil einige Trailer-Szenen auf ein zumindest ansatzweises Remake des noch immer zornigen Khan hindeuteten.

Wie schon in Abrams TV-Serie "Lost" gibt es eine Reihe von logischen Schwächen, die der Film mit anhaltender Action, launigen Dialogen und einer Fülle von Anspielungen auf das ursprüngliche Star-Trek-Universum der Roddenberry-Ära recht gekonnt überdeckt. Daß Khans eigentlich recht komplexe Motive nie verständlich ausgerollt werden, muß man Abrams im Licht des Neustarts des in jüngerer Zeit ins Stocken gekommenen Star-Trek-Franchise eben verzeihen, ob das den wahren Trekkie nun grämt oder nicht. "The Next Generation" hätte als Titel für Abrams Enterprise jedenfalls besser gepaßt als für die erste Spin-off-Serie um Captain Picard.

Die Abwesenheit des 1991 verstorbenen Star-Trek-Erfinders Gene Roddenberry bemerkt man deutlich. Die (gelegentlich auch ins penetrant religiöse abschweifende) Dialoglastigkeit der Serie hat sich in ein Feuerwerk aus Tempo und Licht verwandelt, das durchaus auch als Werbeclip für die "AfterEffects"-Software von Adobe durchgehen könnte. Das paßt gut ins Gesamtbild, denn schon im 82er-"Khan" war es die berühmte "Genesis"-Sequenz, eine der ersten komplett am Computer generierten Filmszenen, die der damals noch jungen Trickfirma Industrial Light and Magics Preise bei Festivals rund um den Globus einbrachte. Stärker als alle anderen Filme der Reihe lebt "Into Darkness" mehr von beeindruckenden Bildern als von Gene Roddenberrys übersteigert humanitärem Weltbild (ein Teil von Roddenberrys Asche umkreist übrigens gemeinsam mit der von Timothy Leary und einer Reihe weiterer Personen in einer Urne die Erde).

 

Bei der Neubesetzung des Kernteams um Kirk und Spock mit Zoë Saldaña als Lt. Nyota Uhura, Karl Urban als Leonard McCoy, Anton Yelchin als Pavel Chekov, John Cho als Lt. Sulu und Simon Pegg als Scotty hat J. J. Abrams schon in seinem ersten "Star Trek"-Film eine gute Hand bewiesen und damit den Grundstein für die Fortführung der Franchise gelegt, in der jetzt wieder alles möglich zu sein scheint. Die neue Enterprise steht erst am Beginn ihrer Fünf-Jahres-Mission, auch wenn der dahinterstehende Geist jetzt ein anderer ist. Aber immerhin ist "Into Darkness" neben "Star Trek", "Die Suche nach Spock" und dem Next Generation-Streifen "First Contact" das kurzweiligste Kinoabenteuer, das je eine Enterprise-Crew erleben durfte. Danke fürs Mitnehmen.

Chris Haderer

Star Trek - Into Darkness

Leserbewertung: (bewerten)

USA 2013

127 Minuten

 

Regie: J. J. Abrams

Mit: Chris Pine, Zachary Quinto, Zoë Saldaña u. a.

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