Kino_Film-Tips Oktober 2018

Sequels, Spin-offs, Rohrkrepierer

Todesmutig und ganz ohne Cape haben sich Peter Hiess und Hans Langsteiner in einen weiteren Kinomonat gestürzt. Mit dabei: Tom Hardy als Quasi-Spider-Man, ein deutscher Langweiler, Jamie Lee Curtis und ihr legendärer Leinwandbruder sowie ein österreichisches Gustostückerl.    11.10.2018

EVOLVER-Redaktion

Werk ohne Autor

Filmstart: 4. Oktober

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Es hätte so schön sein können: Der deutsche Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") kehrt nach seinem wenig erfolgreichen Hollywood-Ausflug ("The Tourist") in die Heimat zurück und feiert mit einem dreistündigen Geschichtsfresko ein glanzvolles Comeback. Hätte - ist aber nicht. Dabei ist dem "Werk ohne Autor" der Ehrgeiz bis ins letzte Fuzerl anzusehen. Großes Familiendrama und ausgreifendes Historienepos, Nazi-Spuk und Kunstreflexion, Entwicklungsroman und Schlüsselfilm ... alles will diese uneingestandene Biographie des deutschen Malerstars Gerhard Richter zugleich sein und ist doch nur bleischweres, ungelenkes Renommierkino, wie es die selige UFA noch in ihren schlechteren Tagen besser zustandegebracht hätte. Es geht um einen sensiblen jungen Mann (Tom Schilling), der im Faschismus aufwächst, dann in die DDR verschlagen wird und erst im Westen seinen künstlerischen Weg als Maler photorealistischer Porträts findet. Das ist sehr aufwendig gemacht (noch der Luftangriff auf Dresden wird CGI-technisch illustriert), prominent besetzt (Sebastian Koch ist als Supernazi auch hier wieder ganz toll) und überzeugt doch in keiner Hinsicht. Ein Beispiel: Der Film beginnt mit der berüchtigten NS-Ausstellung über "Entartete Kunst". Zwei Filmstunden später besucht der angehende Maler die Kunstakademie Düsseldorf, wo ein anonymisierter Joseph Beuys (Oliver Masucci in absurder Karikatur) auf ihn aufmerksam wird. Im Film sieht das dann so aus, daß in jeder Ecke der Akademie hippieske Studenten an Kunstobjekten arbeiten, die - von bemalten Körpern bis zu zerschnittenen Leinwänden - genauso denunziatorisch der Lächerlichkeit preisgegeben werden wie zuvor die Werke der "Entarteten". Kurz: Der Film ist so mißglückt, daß man im nachhinein ganz unsicher wird: War vielleicht schon "Das Leben der Anderen" nicht so gut, wie man´s in Erinnerung hat?  (HL)

 

 

Venom

Filmstart: 5. Oktober

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Wie leben schon in seltsamen Zeiten, wenn sogar eine Superhelden-Gewandung ihren eigenen Kinofilm kriegt. Aber da Disney/Marvel anscheinend vorhat, so ziemlich alles, was je als Comic (mehr oder minder) erfolgreich war, auf die Leinwand bzw. den TV-Bildschirm zu bringen, bekam auch Venom seine Chance. Der begann seine Bildergeschichten-Existenz als Ersatzkostüm für Spider-Man (für den der Unterhaltungs-Megakonzern ja mittlerweile auch die Rechte hat) und entpuppte sich als Alien-Symbiont, der seinen Träger wie ein schwarzer Schlatz umschließt und ihm allerlei übermenschliche Kräfte verleiht. Anfangs war Venom ein Superbösewicht, aufgrund seiner großen Beliebtheit entwickelte er sich dann allerdings zum Antihelden - zwar äußerst gewalttätig und unmoralisch, aber irgendwie doch immer auf der Seite der Guten.

Im Kino stülpt sich "Venom" über den Photojournalisten Eddie Brock, den wir schon aus "Spider-Man 3" kennen, der aber mittlerweile von Tom "Mad Max" Hardy verkörpert wird. Der stößt bei seinen Recherchen auf den Symbionten, verbündet sich mit ihm gegen die handelsübliche bösartige Kapitalistenfirma und bekommt es im Lauf der Handlung mit einem noch übleren Gegner zu tun, der sich Carnage nennt. Besagter Carnage wiederum ist eine Kombination aus psychopathischem Alien-Symbionten und einem Serienmörder ... aber was erzähle ich Ihnen da? Wenn Sie Fan der Marvel-Filme sind, schauen Sie sich das Werk an; es zählt zwar nicht zu den besseren der Superheldenfabrik, bietet aber wenigstens die Balla-balla-Action, die man sich von dem Genre erwarten darf. Und wenn nicht, dann ist Ihnen das sowieso alles wurscht ...  (ph)

 

The Dark

Filmstart: 12. Oktober

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Karl Markovics spielt mit, die heimische Dor-Film hat produziert - doch Verächter des Austrofilms können erleichtert aufatmen. Dieser Horrorstreifen schaut echt aus wie die Arthaus-Version eines Hollywood-Edelslashers. Gedreht in Kanada und besetzt mit überwiegend englischsprachigen Jungstars, erinnert die in jeder Hinsicht dunkle Geschichte mehr an subtilen Zeitlupenspuk à la "A Ghost Story" denn an Brutalstoffe vom Schlage der "Walking Dead"-Serie. Viel spoilern sollte man nicht. Je weniger man von der Handlung weiß, desto effektiver fährt sie ein. Es geht, soviel darf man verraten, um ein junges Mädchen, das sich im Wald von Blut und Eingeweiden ernährt und dabei auf einen gleichaltrigen Blinden trifft. Gefilmt in ruhigen, präzise kadrierten Tableaus und unterlegt mit wirkungsvollem Gewummere hat "The Dark" (Regie: Justin P. Lange, den Namen sollte man sich merken) das Zeug zu einem kleinen Kultfilm. Die Vorstellung im Rahmen des "slash/"-Festivals, die ich besuchte, war gesteckt voll mit durchaus drastischen Bierdosentypen. Nach zehn Filmminuten herrschte beklommenes Schweigen ...  (HL) 

 

Halloween

Filmstart: 25. Oktober

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Der In-Österreich-gibt´s-diesen-blöden-Feiertag-nicht-Horrorklassiker "Halloween" aus dem Jahre 1978 erlebte so viele Fortsetzungen, Remakes und Prequels, daß es nach vier Jahrzehnten endlich Zeit wurde, reinen Tisch zu machen. Nach dem Prolo-Schwachsinn, den Schwachsinns-Prolo Rob Zombie mit seinen beiden "Halloween"-Verschnitten auf die wehrlosen Kinoleinwände der Welt gebracht hatte, schien das Todesurteil für das Slasher-Franchise ohnehin schon gesprochen. Umso überraschender und erfreulicher ist es, daß sich mit David Gordon Green ("Pineapple Express", "Bad Sitter") ein Regisseur fand, der sämtliche Sequels ignorieren und direkt am Original ansetzen wollte. Mit John Carpenter, dem legendären Regisseur des ersten Teils, in der Rolle als Produzent konnte eigentlich nichts mehr schiefgehen - und Michael Myers hatte wieder die Chance, zur "Naturgewalt" (so Carpenter) des Grauens zu werden. Der Plot der 2018er-Version von "Halloween" spielt präzise 40 Jahre nach dem ersten Teil, an dessen Ende der Messermörder Myers - im Gegensatz zur ursprünglichen Timeline - wieder in die geschlossene Psychiatrie kam. Aus dieser kann er nun aber dank der Einmischung sensationsgeilen Journalistenabschaums wieder entkommen und macht sich sofort auf die Suche nach dem Opfer, das ihm damals entkam: Laurie Strode (Jamie Lee Curtis). Doch die ist nach einem traumatisiert-verpatzten Leben auf ihn vorbereitet.

Auch wenn es dem Drehbuch- und Regieteam nicht ganz gelingt, die geniale Einfachheit des Carpenter-Originals nachzuempfinden (die entsprechenden Versuche wirken immer etwas gekünstelt), hat dieser "Halloween"-Eintrag das Zeug dazu, die Serie wiederzubeleben und funktioniert als Slasher-Horror bestens. Schließlich ist einem der psychopathische Messermörder im Kino lieber als der, der einem heutzutage täglich auf der Straße begegnen kann ...  (ph)

 

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