Kino_The Meg

Statham vs. Urzeithai

Wie weit unser liebster britischer Faustwatschen-Austeiler kommt, wenn er es mit einem gigantischen Urzeithai zu tun hat? Die Antwort darauf liefert Jon Turteltaub in "The Meg". Andreas Stadler hat sich den Film angesehen.    03.09.2018

Vor rund 40 Jahren kam ein Film in die Lichtspieltheater, der die Welt des Kinos entscheidend verändern sollte. War der Sommer für Kinobesitzer vordem eine schwierige Sauregurkenzeit, so gab es nun eine neue Sparte: den Blockbuster.

"Der weiße Hai" von Steven Spielberg war ein Film über eine fiktive amerikanische Kleinstadt und deren Bewohner, die vom titelgebenden Meeresmonster heimgesucht werden. Ich erinnere mich noch genau, was mein Lehrer im Filmseminar an der Universität über diesen Film gesagt hat: Es geht gar nicht um den Hai. Spielbergs Kassenschlagers ist vielmehr deshalb so besonders, weil es in ihm um die Bewohner des Küstenorts Amity und die Provinz an der amerikanischen Ostküste geht, wo reiche Rentner und regelmäßig auch US-Präsidenten ihren Urlaub verbringen. Rhode Island, Cape Cod, Martha´s Vineyard und so weiter ...

Die Bewohner sehen nach der Haiattacke ihre Felle davonschwimmen. Vorher war ein Händler für Andenken und Krimskrams noch verzweifelt, weil er bis zum 4. Juli (amerikanischer Unabhängigkeitstag) keine Sonnenschirme mehr bekommen konnte - alles ausverkauft, weil es ein Supersommer werden sollte. Die Hotels der Insel waren schon Monate vorher ausgebucht. Doch was, wenn die Besucher plötzlich ausbleiben? Der Kriegsveteran und Haijäger Quint spricht die bittere Wahrheit aus: Dann heißt es Konkurs und Sozialhilfe.

Der zwielichtige Bürgermeister der Stadt klebt auf seinem Sessel im Stadtrat und will die Sommerdollars auf keinen Fall riskieren. Er spielt die Gefahr herunter und verhindert die Sperrung der Strände. Auch die örtliche Presse veranlaßt er dazu, ihre Berichterstattung zu ändern. Wer etwas über Gesellschaft und Politik lernen will, ist bei diesem Film genau richtig.

Merkwürdig, daß "Der weiße Hai" immer noch als Horrorfilm bezeichnet wird, wo er doch vielmehr eine Parabel ist. Und schade, daß weder seine direkten Fortsetzungen noch Rip-offs diese Prämisse übernommen haben.

 

 

 

Das gilt auch für den neuen Hai-Streifen "The Meg" - einen Film über einen riesigen Urzeithai, der mindestens fünfmal so groß ist wie das "Jaws"-Wassermonsters. Steve Altens Romanvorlage erschien übrigens bereits 1997 und bietet Neugierigen unzählige Sequels. Die Verfilmung wurde über Jahre hinweg angekündigt, doch dann verschoben sich Drehbeginn und Release-Datum immer wieder. Der Film ist dadurch nicht etwa besser geworden, im Gegenteil: als Riesenhai losgesprungen, als Ölsardine auf der Leinwand gelandet.

Das Kinopublikum teilt sich bekanntlich in zwei Gruppen: die Leute, denen die Story wichtig ist, und die anderen, die Effekte, Explosionen, Stunts und viel Blut sehen wollen. Denen ist die Story halt dann nicht so wichtig … Und "The Meg" ist zweifellos etwas für die zweite Gruppe. Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein Wissenschaftler-Team forscht im Marianengraben nach erneuerbaren Energien und Mikroben, die unter extremen Bedingungen leben können. Dabei stoßen sie durch eine unbekannte, die sogenannte hadale Zone, also die Schicht unterhalb des sichtbaren Meeresbodens. Dabei kann ein Exemplar der Gattung Megalodon entweichen - ein Riesenhai, der seit mehr als 10.000 Jahren als ausgestorben gilt. Nun ist das Ungeheuer frei. Die eine Gruppe will ihn erforschen, die andere sieht lediglich eine Bedrohung in ihm. Und der Meeresbiologe und Tiefseetaucher Jonas Taylor, gespielt vom großen Jason Statham, soll versuchen, das Biest unschädlich zu machen.

 

Wo immer Statham mitspielt, gibt es Action und oft nichts als Action. Gewiß, die Bilder vom Hai sind überwältigend. Natürlich ist er CGI, aber immerhin sehr realistisch. Doch das war es auch schon. Die Handlung gibt nicht viel mehr her als die sattsam bekannte Jagd nach dem Ungeheuer. Und das ist bei soviel Vorlaufzeit doch etwas enttäuschend.

Die Romanvorlage bot da handlungsmäßig schon um einiges mehr. Warum man sich dieser Inhalte nicht bediente, bleibt ein Rätsel. Wenigstens bringt Stathams Charakter ein bißchen Hintergrundgeschichte mit, damit er halbwegs plausibel rüberkommt. Trotzdem wäre der Film ohne den britischen Action-Helden wahrscheinlich besser geworden, da schon die Erwartungshaltung bei Schauspielern wie ihm eine ganz andere ist.

Das macht auch den Unterschied zum eingangs erwähnten "Weißen Hai" aus - der wurde mit Schauspielern besetzt, die eine breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten hatten und das Drehbuch glaubhaft und spannend auf die Leinwand brachten.

So ist "The Meg" ein schnelles Sommer-Filmvergnügen für Special-Effect-Fans; nichts für Cineasten, sondern ein Kinowerk, bei dem sich die neue Freundin eng an einen klammert. Aber nein, das ist ein Klischee - genau wie die Charaktere in diesem Film.

Andreas Stadler

The Meg

ØØØ

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USA 2018

113 Min.

 

Regie: Jon Turteltaub

Darsteller: Jason Statham, Ruby Rose, Bingbing Li u. a.

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Statham vs. Urzeithai

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