Kino_WALL-E

Mensch-Maschine

Der letzte auf dem Planeten Erde zurückgelassene Müllsortier-Roboter sehnt sich nach ein wenig Zweisamkeit. Da kommt ihm die futuristische Roboterdame EVE gerade zupaß - und er folgt ihr verliebt in ihr Mutterschiff. So wird er in ein Abenteuer im Universum verwickelt, in dem er die Rückkehr der Menschheit auf den Planeten Erde sicherstellen muß.    24.09.2008

Im Mittelpunkt der Animationskomödie aus dem Hause Pixar steht der liebenswürdige WALL-E ("Waste Allocation Load Lifter Earth-Class"). Er ist der letzte funktionstüchtige Roboter auf Erden und verrichtet seit mittlerweile 700 Jahren pflichtbewußt dieselbe eintönige Arbeit: Die rostige und wenig ansehnliche Maschine mit Feldstecher-Augen sammelt Müll, preßt ihn zu Würfeln zusammen und stapelt die Mistpäckchen. Daher lebt WALL-E inzwischen inmitten einer Skyline, die aus der Ferne wie die einer Großstadt aussieht, in Wirklichkeit aber eine Wolkenkratzerlandschaft aus Müllbergen ist.

Nach getaner Arbeit kehrt WALL-E täglich in seinen Lastwagen zurück - ein mit Lichterketten verziertes Sammelsurium aus kuriosen Raritäten, die er auf der Müllhalde findet und die ihm zum Verschrotten zu schade erscheinen. Glühbirnen und Zauberwürfel werden in einem ausgetüftelten Ablagesystem ebenso verstaut wie Messer, Löffel und Glöffel (alles dazwischen). Danach sieht sich der ordnungsliebende WALL-E immerzu sein Lieblingsvideo, das Kitsch-Musical "Hello Dolly", an und träumt vom Händchenhalten - er hat eine kleine Funktionsstörung namens Seele und verfällt allabendlich in Depri-Stimmung. Außer seiner Haus-Kakerlake Hal hat er ja auch niemanden; er ist ganz alleine und ziemlich vereinsamt. Die Menschheit hat sich während der Aufräumarbeiten der Robots praktischerweise auf das Raumschiff Axiom verzogen und harrt auf dem Luxus-Cruiser aus, bis sich die Erde regeneriert hat.

Eines Tages tut sich was im tristen Leben des WALL-E: Ein Untersuchungsdroide namens EVE (Extraterrestrische Vegetations-Erkunderin) landet auf der Erde. Die schwebende, strahlendweiß glänzende, eiförmige Gestalt erobert sofort WALL-Es nichtvorhandenes Herz. Die beiden Roboter könnten nicht gegensätzlicher sein. Die hypermoderne Roboterdame hat ohnehin nur ihre Mission im Kopf und beginnt die Erde zu scannen. Den rostigen WALL-E nimmt sie kaum wahr, bis er ihr eines seiner Fundstücke - eine kleine Pflanze - zeigt. Da schaltet sich der Droide automatisch ab und wird zu einem leblosen Ei. Bald darauf holt ein Raumschiff den Roboter wieder ab, um ihn wieder zurück zum Mutterschiff zu bringen. Doch WALL-E will seine neue Flamme nicht einfach so gehen lassen. Also springt er mit an Bord und begibt sich auf eine abenteuerliche Reise ins Weltall.

Die beiden landen auf dem luxeriösen Raumschiff Axiom, auf dem die Menschheit ihre 700jährige Weltraumkreuzfahrt macht. Die Humanoiden verbringen ihren Alltag so, wie Medien- und Kulturkritiker sich wohl das Horrorszenario unserer Zukunft ausmalen: Allesamt adipös, sitzen sie zurückgelehnt in ihren schwebenden Sesseln, unter permanenter Medien- und Werbebeschallung, während sie Flüssignahrung aus Softdrink-Bechern schlürfen und miteinander ausschließlich via Bildschirm kommunizieren. Auch der Kapitän der Axiom ist ein fetter, fauler und unbeweglicher Klops, der den lieben langen Tag nichts zu tun hat, da ohnehin der Autopilot Otto alles erledigt. Als der Kapitän von EVEs Fund erfährt, ist er überfordert und aufgeregt zugleich, da ihm der Bordcomputer sagt, daß das zarte Pflänzchen das Zeichen dafür ist, daß sich die Erde regeneriert hat und sie zurückkehren können. Die Crew der Axiom weiß allerdings nicht, daß Autopilot Otto die Rückkehr um jeden Preis sabotieren möchte, da er von der Buy´n´Large Cooperation dazu programmiert wurde, einen geheimen Auftrag zu erfüllen. Nun liegt es an WALL-E und EVE, mit Hilfe ihrer neugewonnenen Freunde - einer Bande ausrangierter, weil defekter Roboter - die Pflanze zu retten und so die Rückkehr der Menschen auf die Erde zu ermöglichen.

 

"WALL-E" wirkt wie eine Mischung aus "E.T.", "Star Wars" und "Toy Story". Kein Wunder: Der Sound stammt von Ben Burtt ("Indiana Jones", "E.T." und die Stimme des legendären R2-D2 in "Krieg der Sterne"). Ralph Eggleston ("Die Unglaublichen", "Findet Nemo", "Toy Story") designte die Robots. Der SF-Klassiker "Alien" (1979) inspirierte die Macher ebenso offensichtlich wie NASA-Zeichnungen aus den 60er und 70er Jahren. Folgerichtig leiht dem Bordcomputer im Original auch Sigourney "Ripley" Weaver ihre Stimme.

Regisseur Andrew Stanton ("Findet Nemo") schrieb die Story gemeinsam mit Jim Reardon, Regisseur und Supervisor der "Simpsons". Reardon wollte explizit keine sprechenden Roboter mit Händen und Füßen, sondern den Figuren durch Design und Animation Leben einhauchen - und das ist ihm gelungen. Wenn WALL-E vor Angst zittert und EVE ihn mit ihrem Augenaufschlag bezirzt, wirkt das überaus menschlich. Es funktioniert, was in Animationsfilmen als Königsdisziplin betrachtet wird: ohne viel Dialog Empathie beim Zuseher zu erzeugen.

Die Liebesgeschichte von WALL-E und EVE ist einfach herzerweichend, wie von Pixar gewohnt gut designt (es sei verziehen, daß EVEs Blanko-Look verdächtig stark an Apple-Produkte erinnert) und entführt in eine spacig-futuristische Welt, in der den Menschen fernab vom Planeten Erde der Sinn fürs Wesentliche abhandengekommen ist. Aber dazu haben wir ja die Roboter ...

Bettina Figl

WALL-E

ØØØØ

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USA 2008

104 Min.

Regie: Andrew Stanton

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