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Wenn der Doc an einem der veganen Eissalons in den inneren Bezirken vorbeigeht und die grauslichen Hipster sieht, die dort ihr Gefrorenes lutschen, würde er am liebsten auf rohem Fleisch herumkauen, bis ihm das Blut übers Kinn rinnt. Aber im Endeffekt bringen ihn natürlich auch derart irregeleitete Kreaturen nicht dazu, gegen seine Prinzipien zu verstoßen; also frißt er weiterhin kein totes Tier, wie schon seit 13 Jahren. Und wie immer will er keinen Menschen zu seiner Lebensweise bekehren und sich genausowenig Predigten anhören müssen, wie gesund das Steak vom Biorind ist. Das sogenannte gesunde Leben wurde sowieso schon immer überschätzt.

Was mich auf eine Autorin bringt, die zum einen noch viel länger als der zähe alte Trash dem Massenmord an Tieren abgeschworen hat und zum anderen nur schreiben kann, wenn sie alles andere als gesund ist: Doris Hofner-Foltin muß sich zum Beispiel einen Haxen brechen oder an sonstigen Leiden laborieren, damit sie sich ein paar Tage ins Krankenhaus legen und dort an ihren Büchern schreiben kann.

Könnte sein, daß Sie sich jetzt nicht auskennen, lieber Leser, und ratlos an Ihrem Krakauer-Kornspitz kiefeln. Aber in Wahrheit ist alles ganz einfach: Besagte Doris - oder "Dorli", wie ich sie seit Kindheitstagen nennen würde, wenn ich sie damals schon gekannt hätte - leitet mit ihrem Mann ein Tierheim mit angeschlossener Frühstückspension im oberösterreichischen Alpenvorland. Das Anwesen nennt sich "Tierparadies Schabenreith" und tut viel Gutes für Tiere. Auch Menschen fühlen sich dort wohl, wenn sie bereit sind, während ihres Aufenthalts vegan zu essen und viel Prosecco zu saufen (und keine lästigen kleinen Kinder mithaben). Und weil Schabenreith vom Land wenig Geld für die Betreuung seiner mehr als 400 tierischen Schützlinge kriegt und die goscherte Dorli ungern Leute um Spenden anwinselt, schreibt sie halt ihre Bücher: Gemüse beißt nicht, Bunte Hunde & schräge Vögel, SaTierische Geschichten und Mit Krücken, Charme und Gummistiefel (alle: www.tierparadies.at). Deren Erlös steckt sie dann wieder ins Tierheim und in unglaubliche Frühstücke für die Pensionsgäste.

Wäre das alles nur für den guten Zweck, dann wäre es dem Doc wurscht, weil er niemanden zu Ideologiekäufen verleiten will. Aber die Werke der Frau Hofner-Foltin sind so schräg und witzig erzählt, von den Tier-Anekdoten bis zu den Stories über exzentrische Gäste, stupide Jäger und Prominente aus der bunten Vergangenheit der Autorin, daß man sie auch lesen kann, wenn man am Sonntag das nächste Schnitzel zu essen gedenkt.

Und jetzt gehe ich der Dorli ein paar Zehen brechen, damit sie endlich ihr fünftes Buch schreiben kann ...

Dr. Trash

Dr. Trash verordnet

(Illustration © Jörg Vogeltanz)


... erschien in gedruckter Form in der höchst empfehlenswerten österreichischen Literaturzeitschrift "Buchkultur" - für Menschen, die beim Lesen noch nicht die Lippen bewegen müssen - und wird zeitversetzt Web-exklusiv im EVOLVER veröffentlicht.

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