Eurovision Song Contest Baku 2012
Platz 1 und 2 der österreichischen Kandidaten:
Die Kandidaten des Songcontests POlarisieren: heuer werden die Trackshittaz Österreich vertreten. Ein Aufschrei ging durch die Menge - Sexismus! schrien die einen, Gspaß! die anderen. Sie ahnen es schon: Es geht um die Wurst. 05.03.2012
Sie haben sich alle verzweifelt bemüht, es noch zu verhindern. Conchita Wurst wurde in den Medien gedopt und gefördert, wo es nur ging. Berühmte Fans stimmten eifrig für sie. Alle Interviews sprachen am Abend der Entscheidung nur noch von der Wurst.
"Stimmen Sie für den Kandidaten ab, von dem Sie glauben, daß er Österreich beim Songcontest würdig vertritt", schallte es aus den Lautsprechern. Subtext: "Wehe, Sie stimmen für Apres-Ski". Denn wenn schon ein Freak beim Songcontest, dann wenigstens eine(r) mit Bart. Auch wenn die Frau Wurst so echt wirkt wie Disneyland, immer noch besser ein Transvestit als zwei Proleten. Was sollen denn die Leute denken?
Doch trotz der medialen Gehirnwäsche hat sich das Publikum anders entschieden. Die Experten waren enttäuscht: Sind die Trackshittaz wirklich geeignete Visitenkarten für Österreich? Oder sind sie gar verantwortlich für den kulturellen Niedergang unserer stolzen Nation? Warum lassen wir eigentlich das Publikum solch wichtige Entscheidungen treffen? Rotiert Mozart deswegen im Grab? Wahrscheinlich nicht, denn der war auch so eine Rampensau wie Plöchl.
Im Club 2 wird später eifrig diskutiert, der eine oder andere erhobene Zeigefinger hat sich schon im Vorfeld angekündigt. Neben der halben Nudelsuppengang mit im Boot: eine Feministin, ein Grüner, ein Musikproduzent, ein Haider.
Lukas Plöchl von den Trackshittaz ist ebenfalls anwesend und zeigt der versammelten Mannschaft gleich einmal, was er von dem Verein hält: Er wackelt mit dem Allerwertesten. Zu Recht, denn wenn eine halbe Stunde über zwei Textzeilen geredet wird, schüttelt sich jeder und alle den Kopf.
Die Feministin POsitioniert sich ganz klar gegen jeden Angriff auf das weibliche Hinterteil und verweigert die Aufforderung, mit ihrem eigenen zu wackeln, ganz nach dem Motto: Ich laß mir von keinem Mann was sagen. Und: "Auße mit die Töpf" muß nicht sein im Songtext. Plöchl kontert mit dem Argument der Jugendkultur, die nun einmal so sei, denn: In der gemeinen Disco wird eben so geredet, that’s life, da kann auch die Sprachpolizei nichts machen. (Subtext: Auch wenn die G’studierte anscheinend keine Ahnung vom erdigen Landleben hat.)
Außerdem: Man sollte das alles nicht so ernst nehmen, Augenzwinkern und so. Sieht die Feministin naturgemäß anders, denn auch mit beiden zusammengekniffenen Augen hört sie immer noch was von schamlos ausgebeuteten Frauen.
Der Musikproduzent stellt sich auf die Seite von Lukas: "Tut’s ihn nicht unterschätzen", warnt er, während ihm die Eurozeichen aus den Augen springen. Da hat er recht. So blöd, wie wir glauben, daß er glaubt, daß er nicht ist, ist er nicht.
Aber die Botschaft, die Botschaft!! Alles Interpretationssache: Die Aufforderung könnte ja auch als eine zu mehr Bewegung verstanden werden. Quasi den Hintern endlich hochkriegen, gegen Stillstand in der Gesellschaft, für einen aktiven Tanz gegen ein starres, unbewegliches System, das nur eines im Sinn hat: den Kids einen geilen Arsch vorzuenthalten.
Oder die Botschaft lautet ganz einfach: Woki mit deim Popo. Was brauchma denn noch? Lieber keine Message als eine fade. Denn zu sein, wie man ist, zu dem zu stehen, wer man ist, das singt zwar die Conchita Wurst, leben tun’s aber die Trackshittaz.
Und überhaupt: Die Performance war 1a, die hormongesteuerte Energie vom Plöchl hat schon viel Schönes, und wer bei dem Lied nicht automatisch mit irgendwas wackelt, ist selber schuld.
Ist der Song kompletter Schwachsinn? Ja eh - er ist so intelligent wie Forrest Gump auf Acid. Gäbe es eine Krisensitzung à la Club 2, wenn Conchita Wurst gewonnen hätte? Sicher nicht. Macht uns das zu intoleranten Spaßverderbern? Sie kennen die Antwort. Zur Beruhigung: Keine Sau versteht diesen Songtext, Ausländer schon gar nicht. Die Sprachbarriere kommt der gequälten Intellektuellenseele diesmal zu Hilfe und schützt die Aserbaidschaner und die ganze Welt vor Töpfen und anderem Geschirr.
Was bleibt, ist der Auftritt. Und der fetzt. Also: Lasset weißen Rauch aufsteigen, rockt die Bude, wokiz mi’n Oasch, bringt Baku den Weltfrieden - habemus, was wir wollten! Oder, mit Plöchls Worten: So gfoit ma des.

Eurovision Song Contest Baku 2012
Platz 1 und 2 der österreichischen Kandidaten:
Erwachsensein ist blöd. Wir sind von Regeln umzingelt, vor allem in den Öffis. Rechts stehen, links gehen. Zuerst aussteigen, dann einsteigen. Rauchverbote überall. Musizierverbot. Nichts hinausstrecken. Papierln nicht auf den Boden schmeißen. Hinter die gelbe Sicherheitslinie zurücktreten. Bei Verspätungen nicht auf den Boden werfen, mit den Gliedmaßen strampeln und laut schreien. Ein Kind müßte man wieder sein - die haben andere Probleme. Gutes Benehmen gehört nicht dazu.
Der vergangene Winter ist uns mehr als genug auf die Nerven gegangen. Es wurde höchste Zeit für eine Veränderung - für eine Christa Kummer, die endlich den Frühling einläutet. Doch die Probleme hören nicht beim ersten Vogelzwitschern auf. In den Öffis beginnen sie jetzt.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich in den "Öffis" Platz zu verschaffen: längere Zeit nicht duschen zum Beispiel - oder sich von oben bis unten mit einem dieser scheußlich riechenden Hühnerkebabs anzupatzen. So hat man selbst zu Stoßzeiten immer ein Abteil für sich. Oder man bringt ein Schwert mit ...
Der Kampf der Kulturen wird dort besonders deutlich, wo die Menschen nicht mehr fliehen können. Normalerweise kann man sich ja ins eigene Grätzel zurückziehen, in getrennte Restaurants oder Supermärkte, in teure Privatkliniken und Privatschulen. In den öffentlichen Verkehrmitteln prallt man aber zwangsläufig aufeinander - kleine bis mittelschwere Scharmützel inklusive. Nina Munk erlebte Integrationspolitik live.
Telekommunikation im öffentlichen Raum. Darüber wurde bereits alles geschrieben, weil rundherum alles auch schon ins Handy gebrüllt wurde. Wirklich alles? Nein - um das Bild abzurunden, fehlt noch ein Puzzlestück: die schamlose Lüge. Nina Munk hat den Mobilsündern zugehört.
Plötzlich fehlte etwas: ein Schnarren, ein Krächzen, ein breiter Dialekt. Wo ist er hin, der Mann, der uns allen sagt, wie wir in Wien wohinkommen? Der Mann, der uns jahrelang von Linie zu Linie umsteigen ließ? In Pension ist er, wie die Nachrichten uns verkünden. Seither ist die Ansage weiblich: ein Schnurren, ein Summen, ein wohliges Schnattern. Und leider ganz ohne Linie - findet Nina Munk.
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