Termine_Arienabend Edita Gruberova

Live vom Olymp

Die Diva feiert am 23. Dezember ihren 63. Geburtstag. Eigentlich sollte man das Alter einer Dame ja nicht öffentlich diskutieren - doch wenn es sich um eine so grandiose und junggebliebene Stimme handelt, darf man schon darüber sprechen. So wie über ihr triumphales Konzert im Theater an der Wien.    22.12.2009

Die slowakische Kammersängerin Edita Gruberova wurde 1946 in Bratislava geboren und debütierte dort 1968 als Rosina im "Barbier von Sevilla". Acht Jahre später wurde sie von Karl Böhm entdeckt, unter dem sie ihre Glanzrolle Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos" sang; dies war der Beginn ihrer bis heute ungebrochenen internationalen Karriere.

33 Jahre später konnte man beinahe fassungslos bestaunen, wie sie im Theater an der Wien mit nahezu unverbrauchter Stimme die so ziemlich schwierigsten Arien darbrachte - und damit bewies, daß sich der Netrebkoismus schnell ad absurdum führt. Es darf halt nicht um eine schöne Stimme und ein vielleicht noch schöneres Gesicht gehen, sondern nur um echtes Können und wahre Kunst. Gruberova ist für manche vielleicht nicht der Inbegriff der Schönheit und für viele ganz sicher nicht der Maßstab für eine besonders intensiv-gefühlvolle Interpretation. Doch wie sie andererseits mit ihrem glockenhellen Sopran jede Nuance und Phrase ausleuchtet, wie ihre Koloraturen geradezu funkeln, das hat es vor ihr, nach ihr und neben ihr kaum je gegeben.

Und davon konnte man sich auch beim aktuellen Konzert wieder überzeugen. Der Wiener Abend war eine Aneinanderreihung von Orchesterstücken und Arien, wobei der erste Teil ganz auf Mozart fokussiert war. Nach der Ouvertüre zu "Die Entführung aus dem Serail" kam gleich die große "Martern"-Arie. 1984 sang die Gruberova diese Partie zum bisher letzten Mal, für die CD-Aufnahmen unter Sir Georg Solti in den Wiener Sofiensälen, wo der Autor dieser Zeilen sie live erleben durfte. Unglaublich, daß sie die schwierige Arie 25 Jahre später fast unverändert virtuos brachte! Dann folgten die Arien der Donna Anna aus "Don Giovanni" und der Elektra aus "Idomeneo".

Der zweite Teil war ganz in Richtung italienischem Belcanto ausgelegt. Die Kammersängerin sang zuerst die Romanze aus Donizettis "Lucrezia Borgia" und anschließend die Arie der Imogene aus Bellinis "I Pirati". Dabei bewies sie, daß sie musikalisch überall zu Hause ist - ob bei Mozart, Strauß, Bellini oder Donizetti, sie bleibt den Hörern nichts schuldig.

Das Wiener Kammerorchester unter dem Dirigenten Andriy Yurkevych war ein verläßlicher Begleiter, was in der problematischen Konzertakustik des Hauses schon viel wert ist. Yurkevych versuchte auch etwas gestalterisch tätig zu sein (und das sogar mit Muti-esken Bewegungen); dabei kam aber leider nicht mehr heraus als eine lauwarme Interpretation von Amilcare Ponchiellis "Tanz der Stunden" aus der Oper "La Gioconda".

Edita Gruberova bedankte sich für den tosenden Applaus mit drei Zugaben; zuerst mit einer Arie aus "Linda di Chamounix" von Gaetano Donizetti, dann mit einer rasanten Interpretation eines Couplets aus Leonard Bernsteins "Candide" und zum Drüberstreuen mit Adeles Couplet von der "Unschuld vom Lande" aus der "Fledermaus". Und das alles war so gesungen, daß man nur mit offenem Mund staunen konnte. Als Klassikfreund in Wien hat man solche Erlebnisse nicht mehr allzuoft.

Herbert Hiess

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Arienabend Edita Gruberova

ØØØØØ

Konzert am 12. Dezember 2009

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Arien und Orchesterwerke von Wolfgang Amadeus Mozart, Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini und Amilcare Ponchielli

 

Edita Gruberova, Sopran

Wiener Kammerorchester/Andriy Yurkevych

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