Grafenegg 2010
Musik-Sommer und Musik-Festival
Intendanz: Rudolf Buchbinder
2010 zelebriert das Festival am Wagram sein viertes Jahr - und hat sich vom gemütlich-ländlichen Treff für Musikliebhaber zu einer ernsthaften Konkurrenz der diversen Elite-Festivals des Landes gemausert. Vor kurzem wurde mit dem Kartenverkauf begonnen, und bei einigen Konzerten wird die Nachfrage mehr als groß sein. Also lieber beeilen ... 11.12.2009
Grafenegg-Intendant Rudolf Buchbinder hat sich für 2010 viel vorgenommen - und das Konzertprogramm sogar um zwei Konzerte ausgeweitet. Das Programm seiner Sommerveranstaltungen ist eine wahre Prominentenparade der Klassik, sodaß viele Konzerte wahrscheinlich rasch ausverkauft sein werden. Da darf man es schon schade finden, daß solche Prachtbauten wie der "Wolkenturm" und das Auditorium in der restlichen Zeit so wenig genützt werden.
Traditionsgemäß ist das Programm von Grafenegg in zwei Teile unterteilt, nämlich den "Musik-Sommer", der vom 17. Juni bis zum 14. August dauern wird, und in das "Musik-Festival" von 19. August bis 12. September. Das European Community Youth Orchestra (EUYO) fungiert wie im Vorjahr als "Orchestra in Residence", und zwar unter der Leitung des mehr als achtzigjährigen Sir Colin Davis. Mit ihm und dem Orchester sind die Konzerte am 7. und am 14. August zu hören, die sicher ein Leckerbissen sein werden. Das klassische Sommerfest startet am 18. Juni mit der traditionellen Sommernachtsgala, dann folgen einige Konzerte mit den Tonkünstlern, eines mit dem Mahler Chamber Orchestra und eines mit dem Venice Baroque Orchestra.
So richtig prominent geht es aber erst im "Musik-Festival 2010" zu. Selbiges startet am 19. August 2010 mit einer konzertanten Aufführung der Beethoven-Oper "Fidelio", für die "Presse"-Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz die verbindenden Texte schreiben darf und noch dazu selbst eine Einführung zur Oper macht. Wenigstens seine Texte werden vom Schauspiel-Profi Heribert Sasse rezitiert ...
Sein Debüt in Grafenegg gibt einen Tag später Franz Welser-Möst mit einem Schubert/Richard Strauss-Programm. Man wird ja sehen, wie gut er das "Heldenleben" mit den Clevelander Musikern rüberbringen wird ... Am 26. August erwartet den geneigten Konzertbesucher als besonderes Zuckerl das Mariinsky-Orchester unter seinem Chef Valery Gergiev; geboten wird ein rein russisches Programm.
Neu auf der Künstlerliste sind die Staatskapelle Dresden, das Orchestre National de France, das Concertgebouw, das Bayerische Staatsorchester und das NDR-Symphonieorchester. Zum zweiten Mal dabei sind die Wiener Philharmoniker am 12. September mit dem Grafenegg-Debütanten Nikolaus Harnoncourt und dem Meisterpianisten Lang Lang, die zusammen ein reines Beethoven-Programm servieren.
Bei manchen der Konzerte des Sommers 2010 werden sich Fans und Klassikexperten wohl beeilen müssen, Karten zu organisieren. Die sind nämlich oft oft schneller weg - und der Sommer schneller da -, als einem lieb ist.
Grafenegg 2010
Musik-Sommer und Musik-Festival
Intendanz: Rudolf Buchbinder
Im Theater an der Wien vermittelte das Team Sinaisky/Lawless mit den Einaktern "Iolanta" von Tschaikowski und "Francesca da Rimini" von Rachmaninow beste russische Romantik - trotz Regieschwächen. Zwei Tage später verbrachte man dafür 70 sinnlose Minuten bei einer fragwürdigen Aufführung von Georges Aperghis "Les Boulingrin".
Sony Classical brachte nach dem Jahreswechsel 2012 nicht nur das exquisite Neujahrskonzert mit Mariss Jansons heraus, sondern auch eine CD/DVD-Box mit den "Best ofs" aller bisherigen Neujahrskonzerte. Zugleich haben die Wiener Philharmoniker hier eine Plattenfirma gefunden, die ihren schwachen Thielemann-Beethoven-Zyklus nun auf CD brannte.
Claus Guth schuf den szenischen Rahmen für Claudio Monteverdis "L’Orfeo" im Theater an der Wien. Obwohl der Regisseur manchmal auch schon wenig überzeugende Produktionen vorgelegt hat, gelang ihm diesmal eine erstklassige Leistung. Andererseits: Mit der konzertanten Aufführung eines belanglosen Vivaldi-Werks wurde abermals demonstriert, daß Opern nicht die stärkste Seite des venezianischen Komponisten waren.
Im heurigen Händel-Schwerpunkt brachte das Theater an der Wien konzertante Aufführungen des Oratoriums "Jephta" und der Oper "Giulio Cesare in Egitto". Während die Vertonung von Cäsars Geschichte eine Sternstunde war, wirkte "Jephta" bis auf den Hauptdarsteller seltsam lahm - trotz prominenter Besetzung. Doch das alles war noch um einiges besser als Lera Auerbachs musikalischer Einbruch in Gogols Gehirn.
Alle Jahre wieder, zur "stillen Zeit" des Shopping-Irrsinns, stellt der EVOLVER-Klassikexperte musikalische und literarische Kostbarkeiten vor, die wohl niemand als Verlegenheitsgeschenk ansehen wird. Die vorgeschlagenen Präsente sind in jeder Hinsicht Kostbarkeiten - und das trotz der mittlerweile spärlichen Anzahl wirklich charismatischer Künstler.
Mit zwei grandiosen Barockproduktionen behauptete das Theater an der Wien seine Position als erstes Opernhaus für Werke abseits des Mainstreams. Nach der konzertanten Aufführung eines eher schwachen Werkes von Antonio Vivaldi zauberte man dort mit Händels Oper "Serse" eine seltene Sternstunde - in künstlerischer, musikalischer und szenischer Hinsicht.
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