Musik_Beth Anderson - Peachy Keen-O

Die Stimme als Instrument

Das New Yorker Pogus Productions Label ist darauf spezialisiert, Werke weniger beachteter Avantgarde-Komponisten zu veröffentlichen. Eines davon dürfen wir jetzt bestaunen.    18.12.2003

Neben Releases des Labelchefs Al Margolis selbst unter dem Namen If, Bwana finden sich im Line-up von Pogus Namen wie Roger Reynolds, Jorge Antunes, Rune Lindblad oder Robert Rutman. Die 53jährige Beth Anderson ist eine Pionierin in Sachen Text-Sound-Musik und hat bei Größen wie Robert Ashley, Terry Riley und John Cage studiert. Sie benutzt Worte und Phoneme, um aus ihnen vokal-perkussive Musik zu komponieren, wobei unterschiedlichste Sound-Quellen in ihre Stücke einfließen.

Auf "Peachy Keen-O", der vorliegenden Zusammenstellung von Werken aus den siebziger Jahren, findet man zum Beispiel das Stück "Torero Piece", das ausschließlich von den Stimmen Beth und Marjorie Andersons getragen wird. Drei kurze Titel aus dem Jahre 1979 beschrieb die Mutter der Musikerin einmal als "Haunted House Music." In ihnen verbindet sie Stimme und Perkussion zu schnellen, repetitiven Rhythmen und schafft somit 20 Jahre vor der Techno-Revolution Proto-Dancefloor, der auch heute noch durch seinen relaxten Groove überrascht. "Joan" ist eine Komposition für Klavier, während "Ode" afrikanische Gesänge mit Gesprächen vermischt. Das Stück "Tower of Power", zehn Jahre vor Organums "Tower of Silence" entstanden, ist ein Orgelwerk, das in seiner Gewaltigkeit frappant an Hermann Nitschs Aktionsmusik erinnert.

"Peachy Keen-O" könnte vielschichtiger nicht sein und gibt einen phantastischen Überblick über die Arbeit dieser bislang viel zu wenig beachteteten Komponistin. Ein weiteres Muß aus dem Hause Pogus für jeden, der sich mit der Geschichte der alternativen Musik auseinandersetzen möchte.

Walter Robotka

Beth Anderson - Peachy Keen-O

ØØØØØ


Pogus Productions (USA 2003)

 

erhältlich bei Mord + Musik

 

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