Musik_Die Falschen Freunde - Alles ist Pop

Der Einschlag und die Kerbe

Wo die hinschlagen, wachsen die Tulpen nur zwischen den Beeten. Mit kurzweiligen Melodien soll man nicht nur berieselt, sondern auch zum Nachdenken angeregt werden.    31.03.2004

Der österreichischen Medienlandschaft kann man ein gewisses Maß an ungesunder Konzentration vorwerfen. Wenn die News-Gruppe (News, profil, tv-media etc.) die wichtigsten Magazine dieses Landes unter ihrem Dach produziert, mit der Kurier-Gruppe eng verbandelt ist, an der wiederum die gleiche deutsche Mediengruppe beteiligt ist wie an der Kronen-Zeitung, darf man das als erschreckend empfinden.

Fred Schreiber lebt Konzentration in Personalunion: Der Macher der revolutionär-schrägen und mehrfach ausgezeichneten "Sendung ohne Namen" sowie Mitarbeiter bei einem Radio - das übrigens nur FM4-Musik spielt - ist seit knapp vier Jahren Mastermind, Sänger und Texter der Falschen Freunde. Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner, dem Journalisten und Gitarristen Frank Januschke, sowie Franz Rebensteiner (Baß) und Mario Lackner (Schlagzeug) bildet man ein Quartett, das mit an sich sehr simplen, grundehrlichen und doch kritisch-angehauchten Texten daherkommt. Gepunktet wird auch mit ausgetüftelten Sound-Strukturen zwischen Bossa und sanft ausgeprägten Gitarrenwänden. Obwohl durch die umtriebigen Tätigkeiten des Sängers eine gewisse Nähe zum Staatsrundfunk suggeriert wird, kommt man beim Album "Alles ist Pop" nicht einmal auf die Idee, "österreichisch" zu denken und den Erfolg der Band mit Beziehungen zu erklären versuchen.

Das hindert Die Falschen Freunde, deren Name sich auf die üblichen Schulterklopfer und Arschkriecher bei Erfolg eines Projekts bezieht, natürlich nicht daran, popkulturelle Phänomene anzuprangern: Die zweite Single "Alles ist Pop" des gleichnamigen zweiten Albums beschreibt den Einzug des Pop in alle Lebensbereiche. Mit Textzeilen wie "Der Pop hat uns erschaffen und er wird uns nicht mehr los. Der Pop frißt seine Kinder auf, was ist bloß mit ihm los?" hat man nicht unbedingt eine Antwort parat, bietet aber mit den Songs "Gästeliste" und "Fernsehredakteur", die in eine ähnliche sozialkritische Kerbe schlagen, nette Tracks zum Nachdenken.

Von den beiden Münchnern Fred Schreiber und Frank Januschke ist vor allem der Gitarrist für den rockigeren Einschlag in "So einfach" oder "Wien", der wunderbaren Ode an die Hauptstadt, verantwortlich. Ruhige Momente wie in "Soviel Zeit" ergeben insgesamt ein ganz feines aufgelockertes Album, weil Die Falschen Freunde sich nicht auf eine Stilrichtung konzentrieren. Konzentration ist halt nicht ihre Sache, sondern eher die der Medien.

David Krutzler

Die Falschen Freunde - Alles ist Pop

ØØØØ


Freiraum Musik/Ixthuluh (Ö 2004)

 

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