Christmas with the Divas
Weihnachtslieder mit Kiri te Kanawa, Leontyne Price, Joan Sutherland und Renata Tebaldi
div. Chöre und Orchester
Dirigenten: Richard Bonynge, Herbert von Karajan etc.
Decca/Universal (D 2009)
Der Heilige Abend, der angeblich schönste Tag in der angeblich stillsten Zeit des Jahres, naht mit Riesenschritten. Wer geschenksmäßig der Einfallslosigkeit anheimgefallen ist, kann sich hier ein paar Ideen vom EVOLVER-Klassikexperten holen. 17.12.2009
Die klassischen Verlegenheitsgeschenke sind ja bekanntlich Rasierapparate, Socken, Krawatten und Parfums, gefolgt vom Superlativ der Einfallslosigkeit: den Geschenkgutscheinen. Eine andere Art klassischer Geschenke - wenn auch in künstlerischer Hinsicht - sind die hier vorgestellten auditiven und visuellen Zuckerln. Musikfreunden, die es in jeder Hinsicht weihnachtlich haben wollen, kann man mit diesen Werken viel Freude machen.
Beginnen wir gleich mit der 4-CD-Kollektion "Christmas with the Divas", auf der Kiri te Kanawa, Leontyne Price, Joan Sutherland und Renata Tebaldi zu hören sind. Diese Box ist das Gegenteil von einer "alten Schachtel"; besser kann man die bekannten Lieder auch heute noch nicht singen. Die weihnachtliche Jahreszeit wird auch vom Pop-Veteranen Sting besungen. Sein mittlerweile drittes bei der Deutschen Grammophon erschienenes Album trägt den Titel "If On A Winter´s Night" und ist ein Mitschnitt aus der Kathedrale von Durham. Sting führt hier musikalisch durch fünf Jahrhunderte englischer Musik. Wer seine Winternacht nicht nur auditiv erleben will, kann den Mitschnitt auch als DVD erwerben.
Die in der Vorweihnachtszeit regelmäßig gespielte Oper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck liegt jetzt bei Decca in einem Remake vor. Obwohl das Stück mit Weihnachten absolut nichts zu tun hat, muß es für viele Theater und Veranstalter als adventliche Verlegenheitslösung herhalten. Alles andere als solch eine Lösung ist diese Aufnahme mit der Staatskapelle Dresden unter dem großartigen Sir Colin Davis. Edita Gruberova und Ann Murray brillieren als das titelgebende Geschwisterpaar; die Produktion kann man als durchaus gleichwertig zu jenen mit Sir Georg Solti und Herbert von Karajan betrachten.
Eine der besten heutigen Aufnahmen von Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" liefert Dirigent Antonio Pappano ab. Mit dem großartigen Chor und Orchester der Accademia Nazionale di Santa Cecilia und dem illustren Solistenquartett Anja Harteros, Sonia Ganassi, Rolando Villazón und René Pape ist die aktuelle Doppel-CD eine wahrhafte musikalische Spitzenleistung. Obwohl die Damen hervorragend singen, begeistern die Herren Villazón und Pape bei dem Mitschnitt vom Jänner 2009 besonders (vor allem merkt man bei dem mexikanischen Tenor absolut nicht, daß er in einer Stimmkrise steckt - und Bassist Pape füllt seine Partie besser aus als viele seiner italienischen Stimmfach-Genossen). Einfach wunderbar!
Abschließend noch die Empfehlung für Harnoncourt-Fans: Zum 80. Geburtstag des Maestro am 6. Dezember (und rechtzeitig zu Weihnachten) erschien im Eigenverlag der DVD-Mitschnitt der 2008 in Graz gespielten Mozart-Oper "Idomeneo". Die in der Grazer List-Halle eingespielte Oper wurde vom Maestro selbst und seinem Sohn Philipp inszeniert; die Aufführungsserie war Harnoncourts dritte Begegnung mit der Oper. Nach Zürich mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponelle und Wien mit Johannes Schaaf versuchte Harnoncourt nun in eigener Regie alle "Fehler" auszumerzen. Doch auch wenn es vordem Fehler gegeben haben sollte - bei den Harnoncourts fehlt einfach die "Theaterpranke" eines Profis. Auch bei der Titelpartie kann Saimir Pirgu niemals mit seinen Vorgängern Werner Hollweg und Peter Schreier mithalten. Trotzdem ist die erste Eigenproduktion der Styriarte bestens gelungen und allemal mehr als eine bloß nette weihnachtliche Gabe.

Christmas with the Divas
Weihnachtslieder mit Kiri te Kanawa, Leontyne Price, Joan Sutherland und Renata Tebaldi
div. Chöre und Orchester
Dirigenten: Richard Bonynge, Herbert von Karajan etc.
Decca/Universal (D 2009)

Sting - If On A Winter´s Night
Deutsche Grammophon/Universal (D 2009)

Engelbert Humperdinck - Hänsel und Gretel
Edita Gruberova, Ann Murray, Christa Ludwig, Gwyneth Jones
Staatskapelle Dresden/Sir Colin Davis
Decca/Universal (D 2009)

Giuseppe Verdi - Messa da Requiem
Solisten: Anja Harteros, Sonia Ganassi, Rolando Villazón und René Pape
Orchestra e Coro dell´Accademia Nazionale di Santa Cecilia/Antonio Pappano
EMI (D 2009)

Wolfgang Amadeus Mozart - Ideomeneo
Live-Mitschnitt von der Styriarte 2008 aus der List-Halle in Graz
Solisten: Saimir Pirgu, Mare-Cluade Chappuis, Julia Kleiter u. a.
Arnold Schoenberg Chor, Solisten des Züricher Ballets
Concentus Musicus Wien/Nikolaus Harnoncourt
Regie: Philipp & Nikolaus Harnoncourt
2-DVD-Box mit Begleitheft
PAL 16:9, Stereo
Gesamtlänge 201 min.
Im Theater an der Wien vermittelte das Team Sinaisky/Lawless mit den Einaktern "Iolanta" von Tschaikowski und "Francesca da Rimini" von Rachmaninow beste russische Romantik - trotz Regieschwächen. Zwei Tage später verbrachte man dafür 70 sinnlose Minuten bei einer fragwürdigen Aufführung von Georges Aperghis "Les Boulingrin".
Sony Classical brachte nach dem Jahreswechsel 2012 nicht nur das exquisite Neujahrskonzert mit Mariss Jansons heraus, sondern auch eine CD/DVD-Box mit den "Best ofs" aller bisherigen Neujahrskonzerte. Zugleich haben die Wiener Philharmoniker hier eine Plattenfirma gefunden, die ihren schwachen Thielemann-Beethoven-Zyklus nun auf CD brannte.
Claus Guth schuf den szenischen Rahmen für Claudio Monteverdis "L’Orfeo" im Theater an der Wien. Obwohl der Regisseur manchmal auch schon wenig überzeugende Produktionen vorgelegt hat, gelang ihm diesmal eine erstklassige Leistung. Andererseits: Mit der konzertanten Aufführung eines belanglosen Vivaldi-Werks wurde abermals demonstriert, daß Opern nicht die stärkste Seite des venezianischen Komponisten waren.
Im heurigen Händel-Schwerpunkt brachte das Theater an der Wien konzertante Aufführungen des Oratoriums "Jephta" und der Oper "Giulio Cesare in Egitto". Während die Vertonung von Cäsars Geschichte eine Sternstunde war, wirkte "Jephta" bis auf den Hauptdarsteller seltsam lahm - trotz prominenter Besetzung. Doch das alles war noch um einiges besser als Lera Auerbachs musikalischer Einbruch in Gogols Gehirn.
Alle Jahre wieder, zur "stillen Zeit" des Shopping-Irrsinns, stellt der EVOLVER-Klassikexperte musikalische und literarische Kostbarkeiten vor, die wohl niemand als Verlegenheitsgeschenk ansehen wird. Die vorgeschlagenen Präsente sind in jeder Hinsicht Kostbarkeiten - und das trotz der mittlerweile spärlichen Anzahl wirklich charismatischer Künstler.
Mit zwei grandiosen Barockproduktionen behauptete das Theater an der Wien seine Position als erstes Opernhaus für Werke abseits des Mainstreams. Nach der konzertanten Aufführung eines eher schwachen Werkes von Antonio Vivaldi zauberte man dort mit Händels Oper "Serse" eine seltene Sternstunde - in künstlerischer, musikalischer und szenischer Hinsicht.
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