Palindrome - Profit vs. WoMankind
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Las Vegas Records (Ö 2009)
Sie kommen um sich zu beschweren, zeigen Mißstände auf und raten zum Protest. Das österreichische Quintett Palindrome legt mit seinem Debüt ein inhaltlich systemkritisches und musikalisch vielfältiges Werk vor. 08.04.2010
Für alle, die's noch nicht wissen: Ein Palindrom ist ein Wort oder auch ein ganzer Satz, der von hinten wie von vorne gelesen dasselbe ergibt. Das beginnt bei einfachen Übungen wie "Otto", setzt sich über das längste deutsche Ein-Wort-Palindrom "Reliefpfeiler" fort und führt zu so schönen Ergüssen wie "Erika feuert nur untreue Fakire".
Was das mit der Band zu tun hat? Nun, Palindrome beschäftigen sich mit der Kritik an gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Mißständen - und der Suche nach Alternativen. "Eine andere Welt ist möglich"; so wie ein Palindrom von zwei Seiten gelesen werden kann, so soll es auch Wege geben, die Welt für all ihre Bewohner lebenswerter zu gestalten.
Seit dem Jahr 2000 arbeiten verschiedene Musiker unter dem Namen Palindrome zusammen; jetzt hat die Band – nach einer längeren Schaffenspause – mit einem fixen Line-up ihre Debüt-CD veröffentlicht.
Das Zusammenspiel von Rosa Nentwich-Bouchal (Gesang), Jürgen Bauer (Baß), Mario Nentwich (Orgel, Klavier; spielt auch bei der Trash-Metal-Kombo Freund Hein), David Leißer (Schlagzeug; spielt auch bei den Indie-Rockern The Curbs) und Alex Beham (Gitarre) beweist: hier sind Könner am Werk. Nicht umsonst haben die meisten ihr musikalisches Handwerk an Universitäten oder Konservatorien gelernt.
Schon der Titel "Profit vs. WoMankind" stellt klar, daß es dabei gnadenlos politically correct zugeht. Hier wird nicht einfach nur musiziert, sondern ein Beitrag im zentralen Kampf unserer Zivilisation geleistet - und wer "Profit gegen Menschheit" als sanfte Ironie auffassen möchte, wird vom feministischen Binnen-"M" rasch eines besseren belehrt. So singt man denn an gegen Schönheitswahn, Pharmafirmen oder die Ellbogengesellschaft; es gibt Globalisierungskritik, Konsumkritik, Systemkritik und alles, was das einschlägige Vokabular sonst noch so hergibt: wehe dem, der sich von solch gewichtigem moralischen Zeigefinger nicht zum Nachdenken und Umdenken anregen läßt.
Der Musikstil ist schwerer einzuordnen; die Damen und Herren selbst nennen ihn "Hypro-Progressive-Noize-Phunk". Man bedient sich überall, und die meisten Stücke werden - wie fast schon zu erwarten - mindestens einmal in Stil, Tempo oder Rhythmik gebrochen. Was als stampfender Rocksong beginnt, verwandelt sich in einen Spoken-Word-Vortrag ("Screen Lies"); funkiger Pop-Rock kippt in eine
n sehr langsamen Mittelteil, um dann wieder durchzustarten ("Coca Colonization"); was anfangs Richtung Elektronik denken läßt, verdichtet sich zu einer pathetischen Wall of Sound ("Time Has Come"); garniert wird das Ganze mit fernöstlichen Melodien ("Interest Weapons"), lateinamerikanischen Rhythmen ("The Storm"), Punk, Noise oder einer Prise Walzertakt. Dazu beschwört, schreit, singt und säuselt die Sängerin, wenn sie nicht gerade einen Vortrag hält (oder den Ökonomen Friedrich August von Hayek sprechen läßt).
Müßte man es in eine Schublade stecken, stünde vermutlich so etwas wie "progressiver Alternativ-Rock" drauf. Dem Rezensenten hat's gefallen: ein spannendes und außergewöhnliches Werk, das scheinbare musikalische Gegensätze zu einem harmonischen Ganzen verbindet und auch bei oftmaligem Hören immer wieder neue Facetten entdecken läßt.

Palindrome - Profit vs. WoMankind
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