Musik_Score Hunting Vol. 1

Kreuzigung und Leichenschmaus

Von apokalyptischem Revenanten-Industrial über die goldenen Siebziger bis hin zu gesprengten Ketten findet sich im Filmmusik-Regal allerlei Hörenswertes.    01.07.2004

 

Jürgen Fichtinger

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Elmer Bernstein - The Great Escape OST

ØØØØ 1/2

Varèse Sarabande/MM Media Trade (USA 1963)


Vor kurzem neu aufgelegt: Elmer Bernsteins "Great Escape" - in deutlich besserer Qualität als die vorigen Releases und ohne eingestreute Dialogfetzen. Wer Bernsteins Eskapisten-Marsch (das "Main Theme") einmal gehört hat, wird dies zu schätzen wissen, gehört "Gesprengte Ketten" (so der deutsche Verleihtitel) doch zu den erinnerungswürdigsten Leistungen des Maestros. Die Musik zum Sixties-Klassiker von John Sturges (mit dabei: Steve McQueen, James Garner, Richard Attenborough, Charles Bronson, Donald Pleasence und James Coburn) greift des öfteren auf Mickeymousing zurück und schwelgt zwischen humorigen und ernsten Zugängen zum Geschehen.

 

Links:

John Powell - Paycheck OST

ØØØ

Varèse Sarabande/MM Media Trade (USA 2003)


Nach John Woos "Face/Off" darf John "Italian Job" Powell zum zweiten Mal für den ehemaligen Action-Maestro in die Tasten hauen. Zur Philip-K.-Dick-Adaption "Paycheck" liefert der gebürtige Engländer einen soliden Action-Score ab - in gewohnter Manier eine Mixtur aus Orchester und Synthies, wie man sie teils schon im "Italian Job" gehört hat. Das eingängige Hauptthema (u. a. wiederzufinden in "Hog Chase Pt. 2" oder als Streicherversion in "Rachel´s Party") das sich als roter Faden durch die meisten Nummern zieht, eine kleine "Face/Off"-Reminiszenz hier und da ("Twenty Items") sowie das generell vorgelegte Tempo machen den Score zu einer risikofreien Anschaffung für Powell-Sympathisanten. Aber auch wer mit den Kreationen des Komponisten nicht vertraut ist, kann einen Kauf riskieren.

 

Links:

V/A - House of 1000 Corpses

ØØØØ

Geffen Records (USA 2003)


Rob Zombie läßt in seinem Regiedebüt nicht nur die Blutkorken knallen, sondern kümmert sich naturgemäß auch um die musikalische Untermalung. Neben Helen Kanes Version des Monroe-Klassikers "I Wanna Be Loved By You" oder den klebstoffschnüffelnden Ramones gibt´s unter anderem eine auffrisierte Version von Lionel Richies "Brick House 2003" und natürlich jede Menge Zombie. Wer die Klänge des Weirdo-Rockers zu schätzen weiß, wird am Soundtrack definitiv jede Menge Freude haben. Besonders empfehlenswert sind die Titelnummer, "Everybody Scream" sowie Rob Zombies "Pussy Liquor".

 

Links:

V/A - Starsky & Hutch

ØØØØ 1/2

TVT Records/edel (USA 2004)


Genauso stilsicher wie das Kino-Remake der TV-Serie gibt sich auch die hier enthaltene Zusammenstellung. Mit dabei: Johnny Cash, Chicago, Bill Withers, KC & The Sunshine Band und natürlich Herr Owen Wilson himself. In diesem Sinne: "That´s the way ... uhu ... aha ... I like it."

 

Links:

Danny Elfman - Big Fish OST

ØØØØ

Sony (USA 2003)


Kein anderer Regisseur bringt Elfman so auf Touren wie Tim Burton. Für den großen Kinofisch haben sich die zwei wiedergefunden. Wirft man einen Blick zurück, so konnte der Komponist weder beim Hulk noch bei den MiB groß punkten. Gerade einmal das Spinnenmann-Thema wußte zu überzeugen. Egal - in "Big Fish" wächst Elfman wieder über seine üblichen (wenn auch zugegebenermaßen netten) Markenzeichen-Tunes hinaus und liefert einen durchwegs originellen Score mit einem Schuß Country-Gefiedel ab. Außerdem mit dabei: zahlreiche Oldies, eine Pearl-Jam-Nummer und natürlich der "Siamese Twins Song".

 

Links:

John Debney - The Passion of the Christ OST

ØØ 1/2

Sony (USA 2004)


Während bei Jesus auf der Leinwand die Fleischfetzen fliegen und Pontius seine Hände wie immer in Unschuld wäscht, seiert Debneys Ethno-Singsang (passend zum Neuen Testament) bis auf die eine oder andere Passage vorwiegend im Hintergrund mystisch-belanglos vor sich hin. Je nach persönlicher Geschmacksrichtung entweder als wunderbar elegisch einzustufen - oder so öde wie eine Sonntagspredigt.

 

Links:

V/A - The Passion of the Christ/Songs inspired by

ØØ 1/2

Universal South (USA 2004)


Goldene Kühe soll man bekanntlich schlachten - und so gibt es zu Gibsons Kreuzigungsfilm nicht nur Merchandise en masse (Häferln, Nägel - eben alles, was das moderne Märtyrerherz begehrt) und den Score, sondern auch eine dieser berüchtigten "Inspired by"-Scheiben, die mit dem Film eigentlich nichts zu tun haben. Und natürlich sind die Herrschaften Cohen und Cave mit dabei ...

 

Links:

Paul Haslinger - Underworld OST

ØØØØØ

Lakeshore Records/edel (USA 2003)


Während in den Staaten gerade der Director´s Cut des Lykanthropen-vs.-Blutsauger-Spektakels auf DVD erschienen ist und das Sequel für 2005 angesetzt wurde, kann die Wartezeit durch Paul "Tangerine Dream" Haslingers Original-Score überbrückt werden. Auf der gemeinsam mit Herrn Lustmord produzierten CD eröffnen sich in 19 Tracks düstere, elektronische Industrial-Welten und natürlich die Trailer-Nummer "Red Tape" von Agent Provocateur. Dracula würde sich im Grabe umdrehen ... Wunderbar!

 

Links:

Trevor Jones - The League of Extraordinary Gentlemen OST

ØØ 1/2

Varèse Sarabande (USA 2003)


Die Verfilmung von Alan Moores Kult-Comic war zwar nicht das Gelbe vom Ei, dafür bietet Trevor Jones´ Score die passende musikalische Untermalung zur Lektüre.

 

Links:

Hans Zimmer - Tears of the Sun OST

ØØ 1/2

Varèse Sarabande (USA 2003)


Hans Zimmer sorgt für das nötige Buschgetrommel zu Antoine Fuquas "Tears of the Sun". Besonders hörenswert die "The Jablonsky Variations". Hakuna rattata!

 

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