Musik_Waltari - Life Without Love

Die Mutter aller Finnen

Das musikalische Gütesiegel "aus Finnland" verhalf H.I.M., den Bomfunk MCs und zuletzt The Rasmus zu Aufmerksamkeit. Jetzt wagen deren große Vorbilder einen neuen Anlauf.    15.12.2003

Waltari (zu betonen wie der Name Walter) machen seit über zehn Jahren alles richtig: unschlagbare Melodien, ein unwiderstehlicher Mix aus Metalriffs, Elektrosound, Rap und Gesang, glücklich machende Liveauftritte. Leider wurde ihre Musik nach einer kurzen Erfolgsperiode Mitte der Neunziger nur mehr von einer geringen Anzahl treuer Fans wahrgenommen. In den letzten beiden Jahren sah es sogar nach einer Auflösung der Band aus Helsinki aus - als nämlich Schlagzeuger Janne (als Gründungsmitglied) die Band verließ und Sänger Kärtsy Hatakka sich höchst erfolgreich als Spiele-Soundtrack-Komponist ("Max Payne") verdingte. Zum Glück haben sie wieder ein Label (Vinndauga) und in Deutschland und Österreich einen engagierten Vertrieb (Vielklang). Waltari trugen ebenfalls ihren Teil zum Neustart bei und nahmen ein neues Album auf, zu dem am 15. Dezember eine Vorabsingle erscheint.

"Life Without Love" heißt die Scheibe, aber der Titelsong ist nicht der eigentliche Burner. "One Day", gewissermaßen die B-Seite, ist ein modern klingender Ohrwurm mit großem Hit-Potential. In Finnland befindet sich der Song seit Wochen in den Airplay-Charts, und das zu Recht. Das perfekte Crossover aus poppig-melodiösem Rock und Rap-Metal-Passagen zaubert schon beim erstem Zuhören ein Lächeln aufs Gesicht. Das Riffing ist für Waltari-Verhältnisse erstaunlich simpel und funktioniert wahrscheinlich gerade deswegen so gut. Neu für die Band ist der relaxte Umgang mit Breaks und der eher spielerische Einsatz von Samples. "One Day", ist ein Radiohit, wenn auch ein mehr als vier Minuten langer.

Die beiden anderen Tracks auf der Single sind Versionen von "Life Without Love"; einerseits eine nach Devin Townsend klingende Club-Version, die auch an ihr bisher härtestes Album "Space Avenue" (1997) erinnert, andererseits ein Remix von Billy Gould, dem Bassisten der aufgelösten Faith No More, der sich wie ein eigener Song anhört.

Für Fans ein Muß, für Liebhaber rockender Kostbarkeiten die letzte Chance, auf den Zug aufzuspringen, bevor es die Massen tun. "Life Without Love" bietet drei Tracks mit viel Abwechslung, hohem Unterhaltungswert und der "Beim-Anhören-werden-Sie-fröhlich-grinsen-Garantie". Ein Interview mit Sänger Kärtsy Hatakka wird übrigens demnächst im EVOLVER zu lesen sein.

Benny Denes

Waltari - Life Without Love

ØØØØØ


Stars in the Dark/Soulfood (Finnland 2003)

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