John Hart: Das letzte Kind
ØØØØØ
(The Last Child)
C. Bertelsmann (D 2010)
Es gibt sie zuhauf in der Krimiliteratur: Ermittler, die sich so lange in einen Fall verbeißen, bis selbst die Kollegen abwinken. Nur wenige dieser Figuren sind wirklich interessant. Detective Hunt ist eine der rühmlichen Ausnahmen. 31.05.2010
Das wohl auch, weil er den Fall nicht alleine löst. Hilfe bekommt er ausgerechnet vom 13jährigen Johnny, der nicht glauben will, daß seine Zwillingsschwester Alyssa - die vor einem Jahr verschwand - wirklich tot ist. Tag und Nacht durchstreift der Bub die Straßen der Stadt, spürt einschlägig vorbestraften Triebtätern nach, beobachtet sie, notiert sich Auffälligkeiten - angetrieben von der Hoffnung, eine Spur seiner Schwester zu finden. Tatsächlich findet er einen Hinweis; doch wem soll er sich anvertrauen? Etwa diesem Detective Hunt, der bislang nicht einen Schritt weitergekommen ist?
Der wiederum hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, das junge Mädchen zu finden - und je mehr Zeit verstreicht, desto mehr leidet er unter dem Mißerfolg. Seine Frau hat sich längst verabschiedet, sein Sohn spricht kaum ein Wort mehr mit ihm, und auf dem Polizeirevier erntet er nur noch Kopfschütteln - bis erneut ein junges Mädchen verschwindet.
Hunt ahnt, daß der kleine Johnny mehr weiß, als er erzählen will; es fällt ihm aber schwer, dessen Vertrauen zu erringen. Dabei drängt die Zeit: je länger der Junge auf eigene Faust unterwegs ist, desto näher rückt die tödliche Gefahr.
"Das letzte Kind" ist einer dieser Thriller, wie man sie sich öfter zu lesen wünscht: vielschichtig inszeniert, atmosphärisch dicht, höllisch spannend und mit fesselnden Charakteren. Über Cops, die selbst ihr Privatleben einer Obsession opfern, hat man schon oft gelesen. Aber die eigentliche Arbeit erledigt in diesem Fall ja auch ein kleiner Bub.
Dabei begeht Autor John Hart zum Glück nicht den Fehler, seinen 13-jährigen Protagonisten als "Superhelden" aufzubauen. Johnny will - im Unterschied zum Detective - keinen Mörder zur Streck bringen; ihn treibt kindliche Naivität. Denn sein Vater hat die Familie kurz nach Alyssas Verschwinden verlassen, und die Mutter laboriert seither an einer Beziehung zu einem ebenso einflußreichen wie gewalttätigen Tycoon; Johnny klammert sich an die Hoffnung, daß alles wieder so wird wie früher, wenn nur seine Schwester zurückkommt.
Der Schluß sei natürlich nicht verraten. Nur soviel: er ist konsequent umgesetzt. Und damit ist "Das letzte Kind" definitiv ein Thriller-Highlight 2010.

John Hart: Das letzte Kind
ØØØØØ
(The Last Child)
C. Bertelsmann (D 2010)
Ein brünstiger Kommissar, eine an Asperger leidende Kollegin und ein psychopathischer Täter: Die neue Krimiserie aus dem hohen Norden ist packend inszeniert - und verrät einiges über ihren Erfinder.
... sind zwar nicht unbedingt als Sympathieträger prädestiniert, können einem Thriller jedoch die gewisse Würze verleihen.
Und noch ein Schwede, der glaubt, den Büchermarkt mit einem Thriller beglücken zu müssen. Doch sein Debüt ist nur ein hastig hingeschludertes Machwerk mit effektheischenden Ekelszenen.
Der Schauplatz der Ermittlungen und der deutsche Titel suggerieren eine Handlung, die das dreckige Spiel der Geheimdienste entlarvt. Doch stattdessen präsentiert der britische Autor eher konventionelle Thrillerkost.
Mag sein, daß die Autorin literarisches Talent hat. Leider heißt das noch lange nicht, daß sie auch in der Lage wäre, spannende Thriller zu schreiben.
Krimifans wissen natürlich: Mit "Luther" ist nicht der Kirchenmann gemeint, sondern ein Ermittler. Dessen Temperament macht seinem Namenspatron alle Ehre; mit diversen Geboten nimmt er es allerdings weniger genau.
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