Kojak - Einsatz in Manhattan/1. Staffel
ØØØØØ
(Kojak)
DVD Region 2
Universal (USA 1973)
ca. 1200 Minuten, 7 Discs, dt. Fassung
Features: Pilotfilm
Darsteller: Telly Savalas, Dan Frazer, Kevin Dobson u. a.
"Entzückend, Baby!" Telly Savalas alias Theo Kojak ist wieder da. Mit reichlicher Verspätung ist die erste Staffel der legendären Serie nun auch hierzulande erhältlich. 08.11.2005
Mit "Kojak" wurde das Fernsehen nachhaltig verändert.
Wie leicht sagt man solche Sätze dahin ... Gerade Journalisten sollten vorsichtig mit Äußerungen dieser Art sein, aber manchmal stimmen Formulierungen, die einen Generalanspruch verkünden, eben doch: Als der Pilotfilm von "Einsatz in Manhattan" 1973 erstmals gesendet wurde, schlug er ein wie eine Bombe.
Was war geschehen? In Spielfilmlänge und - auch qualitativ - an damals aktuelle Hollywood-Krimis wie Peter Yates´ "Bullitt" oder Don Siegels "Dirty Harry" angelehnt, wurde ein düsteres Kapitel der Polizeiarbeit aufgeschlagen. Es gab zwar schon vorher TV-Serien wie "Dragnet", die vorgaben, den Alltag der Cops zu schildern, aber "The Marcus-Nelson Murders" ("Der Mordfall Marcus Nelson" ist anders, ist zynisch und brutal, wirft ein bitteres Licht auf Staatsanwaltschaft und Polizei: Zwei junge Frauen werden bestialisch abgeschlachtet, ein weiterer Mord und eine versuchte Vergewaltigung rücken ebenfalls ins Blickfeld. Der Zuschauer merkt schnell, daß die Verbrechen nichts miteinander zu tun haben - und daß trotzdem eine unheilvolle Verbindung besteht. Die versuchte Vergewaltigung wird von einem jungen schwarzen Ausreißer beobachtet, der sich bereiterklärt, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Aber es kommt anders: Cops und Staatsanwalt finden in ihm den Schuldigen. Unter physischer und psychischer Folter unterschreibt er schließlich ein Geständnis, ahnt aber immer noch nicht, daß es um Mord geht. Kojak klärt den Fall auf, die Mordanklage wird fallengelassen, und alles ist bereit für das übliche TV-Happy-End. Denkste, die Geschichte endet tragisch. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen ihre Niederlage nicht eingestehen und ihr übles Vorgehen rechtfertigen. Also beharren sie auf der Anklage wegen versuchter Vergewaltigung. Der Pilotfilm endet mit einer Verurteilung des Jungen zu zehn Jahren Gefängnis und mit Kojaks entmutigender Frage: "Warum mache ich immer noch weiter?"

"The Marcus-Nelson Murders" basiert - wie viele andere Folgen der Serie, etwa "Schwarzer Sonntag" oder "Das Mädchen im Fluß" - auf einer wahren Geschichte, dem Fall Wylie-Hoffert. Der Film ist die Grundlage, auf der Kojak später agieren wird. Er zeigt, warum die Stimmung des Lieutenants zwischen Menschenverachtung und Hilfsbereitschaft wechselt, warum er im Dauerclinch mit der Struktur des Polizeiapparats und mit der Obrigkeit liegt (weshalb er auch nie befördert wird) und warum er sich in Zynismus flüchten muß. Der Apparat, der die Bürger eigentlich vor Verbrechen schützen soll, ist von Verbrechern und gewissenlosen, korrupten Schurken durchsetzt. Dazu kommt noch der rauhe Alltag in der Kloake Manhattan. Kojak kommt immer zu spät, kann die Fälle oft auch nicht wirklich lösen. Es ist fast so wie im richtigen Leben. Nebenbei erfahren wir, daß der Job schuld daran war, daß Kojaks Frau abgehauen ist.
Das alles ist im Pilotfilm angelegt, er ist der ideale Zugang zur Serie. Leider wurde der Streifen bislang in Deutschland kaum gezeigt, obwohl Savalas darin den Kojak so gibt, wie wir ihn lieben. Von den philosophischen Betrachtungen zu den Themen Polizei und Verbrechen bis zur Vorliebe für teure maßgeschneiderte Anzüge ist alles da. Ein paar winzige, aber wichtige Kleinigkeiten fehlen aber noch: Kevin Dobson als Crocker und Tellys Bruder George Savalas als wuschelhaariger Tolpatsch Stavros. Ach ja, und der Lollipop ist auch noch nicht da. Theo Kojak hat sich erst zwischen Pilotfilm und Serienstart das Rauchen abgewöhnt.
Die 22 Folgen der ersten Staffel beinhalten einige der besten Episoden der Serie: "18 Stunden Angst" ("Eighteen Hours of Fear") oder die geniale Folge "Todeskarussell" ("Die Before They Wake"), in der ein berühmter Fernsehreporter umgebracht wird. Rasch stellt sich heraus, daß der TV-Mann eine Beziehung zu einer drogenabhängigen Prostituierten hatte. Die Witwe des Mordopfers will den Täter selbst finden und begibt sich ins Drogenmillieu. Und Kojak bleibt keine andere Wahl: er spielt den Dealer. In der Folge werden verschiedene Abhängigkeiten und die Gesetzmäßigkeiten, die sich daraus ergeben, detailgenau durchleuchtet. Und natürlich ist auch Kojaks Lieblingskommentar "Entzückend, Baby!", der im Original übrigens "Who loves ya, Baby?" heißt, regelmäßig zu hören.

Telly Savalas ist seit fast elf Jahren tot. Er hinterließ einige nett hingebrummte Songs ("If", "Some Broken Hearts Never Mend") und spielte in Filmen wie "Kap der Angst", "Das dreckige Dutzend" oder "Mackennas Gold". Trotzdem wird er hauptsächlich mit einer Figur in Verbindung gebracht: In immerhin 118 Folgen und einer Handvoll Spielfilmen war er Theo Kojak.
Der Cop wäre natürlich schon längst in Rente. Aber das Verbrechen ist auch im Jahr 2005 nicht besiegt - im Gegenteil: Gewalt, Korruption und Drogensumpf sind schlimmer geworden. Darum braucht es einen wie Kojak. Gespielt wird der Glatzkopf neuerdings von Ving Rhames ("Con Air", "Mission Impossible"), der es erstaunlicherweise schon im Pilotfilm "All Bets Off" schafft, den langen Schatten von Telly Savalas abzuschütteln. Die neue Serie wirkt wie eine gelungene Mischung aus "NYPD Blue" und eben "Einsatz in Manhattan", ist schneller als das Original, aber sonst ist alles da: der Zynismus, das Zuspätkommen, Maßanzüge, selbst Crocker und Captain McNeil. Nur Stavros fehlt. Die Rechte für den deutschsprachigen Raum hat sich RTL gesichert, aber wann der Kölner Sender mit der Ausstrahlung beginnen wird, ist unklar. Das Warten darauf lohnt sich auf alle Fälle.

Kojak - Einsatz in Manhattan/1. Staffel
ØØØØØ
(Kojak)
DVD Region 2
Universal (USA 1973)
ca. 1200 Minuten, 7 Discs, dt. Fassung
Features: Pilotfilm
Darsteller: Telly Savalas, Dan Frazer, Kevin Dobson u. a.
Ein großer Schritt für den Schreiber, ein kleiner für den Leser: Das "Miststück" wird 200 Kolumnen alt und feiert mit euch einen hoffentlich unterhaltsamen Abschied von EVOLVER. Die "alten" Texte findet ihr auf ewig hier im Archiv – oder im Gesichtsbuch. Dort werden jede Woche fünf Klassiker für euch aufbereitet. Manfred Prescher bedankt sich damit beim geneigten Leser und bei Herrn Felix Austria für die Gastfreundschaft. Und für sechs tolle Jahre.
Es steht geschrieben, daß man keinen anderen GRÖFAZ neben ihm haben kann. Trotzdem holte der Mann mit der dicken Hornbrille den Diktator auf die Stufe mit uns Otto Normalunholden herunter oder - je nach Sichtweise - herauf. Was folgerichtig und sehr unterhaltsam ist, findet Manfred Prescher.
"Yes, you’re once, twice, three times a Miststück, but I lo-o-o-ve you ..." Gäbe es die letzte große Motown-Band heute noch, sänge sie dann das Hohelied auf die drei noch ausstehenden Kolumnen? Manfred Prescher würde sich auf jeden Fall sehr darüber freuen.
Kurz vor der magischen Nummer 200 ist es mal wieder nötig, ein bißchen auf den Putz zu hauen. Bekanntermaßen stinkt Eigenlob zwar, aber das macht nichts, denn Apple wird das iSmell erst im Jahr 2014 im Hype Park vorstellen. Also ist noch genug Zeit für ein Miststück in eigener Sache - meint Manfred Prescher.
Da sage einer, daß das Zeug aus den 40er Jahren nicht nach wie vor cool ist. Schließlich wird Jordans "Ain’t Just Like A Woman" gerade im Spiel "Mafia II" spektakulär verwendet. Und auch wenn - oder weil - es keiner der Konsolen-Paten registriert, der Song paßt zum Game wie das Gesäß auf die Brille. Grund genug, den Mann dahinter im "Miststück"-Countdown zu würdigen, findet Manfred Prescher.
Wie sagte schon meine Oma? "Die Uhr läßt sich zurückdrehen, man muß nur aufpassen, daß man die Zeiger nicht abbricht." Grinderman ist so ein Rückdreh-Projekt - damit will Nick Cave die wilden Zeiten wieder aufleben lassen. Manfred Prescher findet den Jugendwahn des Australiers durchaus gut, die Originale aber besser.
Kommentare_
Kommentar verfassen