Texte_Compart-Fortsetzungskrimi
Die Lucifer-Connection #9
Vor acht Jahren veröffentlichte Martin Compart seinen ersten Roman "Der Sodom-Kontrakt" rund um den Privatdetektiv und Ex-Söldner Gill. Das Sequel zum "politisch inkorrekten Anti-EU-Thriller" gibt´s jetzt exklusiv im EVOLVER. "Die Lucifer-Connection" handelt von verschwundenen Katzen und okkulten Menschenopferungen - von Dortmund über Sierra Leone und London bis Wien. Schnallen Sie sich an!
11.12.2009
Im August 2009 begann der EVOLVER seine Leser mit einem wahren Noir-Schatz zu beglücken. Seit damals erscheint Martin Comparts neuer Roman "Die Lucifer-Connection" in kurzen, konsumentenfreundlichen Abständen als Fortsetzungskrimi auf unseren Web-Seiten.
Was bisher geschah: Der neue Aufrag des Privatermittlers Gill scheint auf den ersten Blick einfach; doch auf bei der Suche nach einer verschwundenen Katze sticht der Hardboiled-Held ins Wespennest des organisierten Verbrechens. Die Wittener Kriminalpolizei - unter anderem der trinkfeste Kommissar Domogalla und seine Chefin Alexa Bloch - hat es unterdessen mit den Folter-Massenmorden an afrikanischen Kindern und Unfähigkeit in den eigenen Reihen (siehe Kapitel 8) zu tun. Diesmal jedoch wendet sich die Handlung den mächtigen, korrupten Verschwörern zu, die in Zeiten der EU hinter noch mehr Übeln stecken, als man ohnehin schon weiß.
Die zwei Männer saßen am äußersten Rand der Terrasse des Hotel-Restaurants "Dieckmann" und warteten auf ihren Hauptgang. Sie tranken bereits die zweite Flasche des 2007er-Jermann von der Loire.
"Die Küche ist ausgezeichnet - und so preiswert. Ich komme immer gern hierher", sagte der dickere. Er trug einen dezenten Maßanzug und hatte die drei Westenknöpfe über seinem Wanst geöffnet. Alles an ihm war weich, außer den Augen und einer spitzen Nase. Schweiß stand auf den feisten Hängebäckchen. Es war warm in der untergehenden Sonne. Man sah ihm an, wie er unter der drückenden Schwüle litt. Seine Leibwächter standen in gebührendem Abstand außerhalb der Hörweite und schwitzten kein bißchen, in ihren schwarzen Anzügen mit den Kevlar-Westen darunter und dem beruflich bedingten festen Schuhwerk.
"Das Restaurant wurde 1774 als Fuhrmannsschenke und Pferdestation gegründet", sagte sein Gegenüber und deutete mit der Hand Richtung Hauptverkehrsstraße. "Die hieß damals noch Kornweg. Ach ja, ich habe gehört, Sie sind zum zweiten Mal Großvater geworden."
"Richtig. Meine jüngste Tochter ist endlich unter der Haube. Sie hat uns eine ganze Weile Sorgen gemacht. Erst diese Drogenphase, dann wollte sie Künstlerin werden ... Das Kind hatte keine Richtung. Aber nun geht sie ganz im Mutterglück auf. Der Kleine ist aber auch ein süßer Fratz. Die Geburt war nicht unkompliziert. Wir hatten große Angst, daß er genetisch geschädigt sein könnte. Wegen der Drogen. Aber die Untersuchungen haben ergeben, daß er kerngesund ist."
"Das freut mich. Schon getauft?"
"Amelie wollte es. Es war eine schöne Feier. Ich konnte sogar dem katholischen Brimborium etwas abgewinnen."
"Die Katholiken wissen zu feiern. Darin waren sie immer meisterhaft: heidnische Riten aufzusaugen und für sich umzumodeln. Ihre Karnevalssitzungen sind doch viel angenehmer als dieser vertrocknete puritanische Protestantismus."
Der Dicke nahm einen guten Schluck. Er war etwas nervös. "Ich bin seit Jahren durch unseren gemeinsamen Bekannten Abnehmer Ihrer Videos. Ihrer recht teuren Videos, wenn ich das sagen darf ..."
"Natürlich dürfen Sie das sagen. Die sind ja auch nicht zum Vergnügen der Plebs bestimmt. Die könnte ohnehin nicht viel damit anfangen. Diese besonderen Vergnügungen sind nur für Menschen, die nicht der Krämermoral unserer Zeit unterliegen. Für Leute wie Sie und mich, die außerhalb von Moral und kleinbürgerlichen Gesetzen stehen."
Das Essen kam. Für den Dicken ein Tiroler Schmorbraten mit Polenta und Lauchgemüse, für seinen Gast der Lammrücken mit Pinienkruste, Navettengemüse und Thymiansauce. Sie ließen es sich schmecken und schwiegen. Der Dicke war zuerst fertig. "Sie werden es nicht glauben, aber ich leide manchmal an kleinbürgerlichen Moralvorstellungen. Ich zweifle dann, ob ich wirklich das Recht dazu habe, anderen Menschen zu schaden. Aber was heißt schon schaden? Nur eine motivierte Elite nützt schließlich auch der Allgemeinheit. Ich weiß natürlich, daß ich harte Entscheidungen fällen muß. Im Rahmen der Globalisierung ist das unausweichlich und eher positiv."
"Besonders für Ihre Aktionäre."
"Das geht überhaupt nicht anders. Ich bin schließlich dem Kapital verpflichtet, nicht den Belegschaften. Ich kann schließlich nicht die Welt für sie ändern und nur ihre Arbeitsplätze sicher machen. Es gibt einfach zu viele Menschen und zu viele Produkte. Und zu wenig Rohstoffe ... Nein, ich meine das anders, eher im privaten Bereich."
"Quält sie etwa die kleinbürgerlich-christliche Ideologie? Sie wissen doch genau, daß die Bibel nur zusammengeschmiert wurde, um Tunten in Weiberkleidung ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Aber wenn Sie es lieber moraltheoretisch geklärt haben wollen, gerne. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie begehren die Frau Ihres Nachbarn und können Sie nicht kaufen. Also lassen Sie sie entführen, vergewaltigen sie und bringen sie aus Sicherheitsgründen um. Das sind mindestens drei Verbrechen gegen andere, Ungerechtigkeiten gegenüber meinen Nächsten. Wenn Sie die Taten aber unterlassen, begehen Sie ein Verbrechen gegen sich selbst, denn Sie vergewaltigen Ihre substantiellen Bedürfnisse. Und das ist unverzeihlich. Es ist gegen die Natur. Wie Crowley richtig formulierte: Du bist das ganze Gesetz. Er hat vieles richtig gesehen, obwohl er letztlich nur ein drogensüchtiger Syphilitiker war. Mein Vergnügen muß jeden Vorrang vor den Leiden meiner Nächsten haben, die mich nichts angehen. Sonst hieße es ja, den Fremden mehr zu lieben als mich selbst. Das können die Christen gerne heucheln. Gehandelt haben sie stets gegenteilig - und doppelzüngig mehr Leid über ihre Nächsten gebracht als jede andere Ideologie."
"Sie haben ja völlig recht. Es ist immer wieder gut, mit Ihnen zu sprechen. Das Tagesgeschehen reibt mich so auf, daß ich gar nicht mehr zum Nachdenken komme. Und immer wieder diese dummen Vorwürfe durch selbsternannte Idealisten. Die wollen doch nur das Volk aufhetzen."
Der andere lachte. "Das Volk! Die Masse! Glücklicherweise lassen sich Menschen nicht so leicht vom Beispiel guter Führer beeinflussen, wie sie sich von den lasterhaften Praktiken der schlechten anstecken lassen."
"Ihre Videos und DVDs bereiten mir wirklich viel Freude. Sie sind aufregend und treffen meinen Geschmack. Ich kann sie mir immer wieder ansehen ... Allerdings habe ich in letzter Zeit das Gefühl, das die reine Betrachtung in meinem Heimkino nicht mehr so ganz befriedigend ist."
"Ich ahne, worauf Sie abzielen, mein Lieber."
"Dann machen Sie es mir doch nicht so schwer. Es kommt mir nicht leicht über die Lippen, Sie zu bitten."
"Aber, aber. Verehrter Herr Minister."
"Ex-Minister. Heute bin ich nur noch der Industrie verpflichtet und nicht mehr der Allgemeinheit."
"Wie elegant Sie das immer zusammengebracht haben ... Sie möchten einmal dabeisein und zusehen, nehme ich an."
"Nun - ich würde liebend gerne einen aktiveren Part einnehmen. Falls das möglich ist."
"Hmmm. Sie wissen, daß es um einen Kreis von Eingeweihten geht. Sie müßten diesem exklusiven Kreis beitreten. Das bedeutet großes finanzielles Engagement und Prüfungen."
"Das ist kein Problem. Sie kennen meine Mittel."
"Ja. Das ist für Sie sicherlich kein Problem. Aber hinzu kommt, daß man unsere exklusive Gemeinschaft nicht verlassen kann. Die Rückgabe des Parteibuchs ist nicht möglich, und eventuelle Ausschlußverfahren sind final."
"Aber dann wäre ich auch dazu berechtigt, an allen Treffen teilzunehmen, die diese delikaten Vorgänge vollziehen."
"Natürlich."
"Und wie oft ist das?"
"Einmal im Monat. Auf Wunsch sind auch zusätzliche Events möglich."
"Das ist ja ganz wunderbar."
Der Gast schob dem Dicken ein Kärtchen mit Zahlen zu. "Eine Million. Sobald die Überweisung eingegangen ist, erhalten Sie die Einladung zur nächsten Veranstaltung. Sie werden einen unvergeßlichen Initiationsritus erleben."
"Das veranlasse ich noch auf der Rückfahrt."
"Sie möchten also gleich beim ersten Mal mit ins Geschehen einbezogen werden. Haben Sie bestimmte Vorstellungen, was Ihnen Freude bereitet?"
"Aber sicher. Ich hätte gerne einen dreijährigen Jungen. Richtig dunkel. So ein junges Herz gibt bestimmt Kraft. Ich habe es in letzter Zeit mit dem Kreislauf."
"Ich gratuliere. Eine exzellente Wahl."
Es ist ebenso klar wie deprimierend: Die Mächtigen gehen nicht nur buchstäblich über Leichen. Sowohl die Polizei als auch Gill stoßen in "Die Lucifer-Connection" auf die Spuren weltweit organisierter Satanisten, die sich wie immer hinter den Visagen angesehener EU-Bürger verbergen. Der EVOLVER beendet jedoch hiermit seinen "Vorabdruck" von Teil 1 des Romans - und springt direkt zum Prolog des zweiten Teils, in dem sich Privatermittler Gill auf den Weg nach Afrika macht, um seine beste Freundin aus den perversen Klauen der Teufelsanbeter zu befreien.
Martin Compart
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