Texte_Compart-Fortsetzungskrimi
Die Lucifer-Connection #59 und 60
Vor zehn Jahren veröffentlichte Martin Compart seinen ersten Roman "Der Sodom-Kontrakt" rund um den Privatdetektiv und Ex-Söldner Gill. Das Sequel zum "politisch inkorrekten Anti-EU-Thriller" gibt’s jetzt exklusiv im EVOLVER. "Die Lucifer-Connection" handelt von verschwundenen Katzen und okkulten Menschenopfern - von Dortmund über Sierra Leone und London bis Wien. Schnallen Sie sich an!
17.04.2011
Im August 2009 begann der EVOLVER seine Leser mit einem wahren Noir-Schatz zu beglücken. Seit damals erscheint Martin Comparts neuer Roman "Die Lucifer-Connection" in kurzen, konsumentenfreundlichen Abständen weltexklusiv als Fortsetzungskrimi auf unseren Web-Seiten.
Auch Zaran, der Kinderhändler und -schänder, befindet sich gerade zu Geschäftsbesprechungen mit seinen pervers-geldgierigen Handelspartnern in London. Dort merkt er jedoch, daß Privatermittler Gill sich an seine Fersen geheftet hat und ebenfalls (wie wir im dreigeteilten Kapitel 58 erfahren haben) bereits in der britischen Hauptstadt weilt. Und daß seine neuen Feinde nicht davon ablassen werden, seine Interessen in aller Welt zu zerstören ...
59.
Der Erzeuger der Ware Opferkind hatte sich mit seinem Großhändler für den britischen Markt getroffen. Der Mann führte neben Menschenopfern auch noch Arbeitssklaven im Sortiment; die bezog er traditionell aus Haiti. Zaran hatte gerade ein Telefonat beendet. Er und sein Geschäftspartner befanden sich in einem Penthouse über der Oxford Street. Zaran benutzte es in London für Besprechungen.
"Diese verfluchten Schweine haben meinen Guido umgebracht! Wo finde ich wieder einen so treuen und fähigen Heloten? Es hat mich Jahre gekostet, bis ich ihn zu dem gemacht habe, was er ist ... was er war."
"Alles, was du mir erzählst, klingt nach einer Menge Ärger für dich." Der Großhändler war besorgt. Mußte er sich nach einem neuen Lieferanten umsehen?
"Unsinn. Die Dortmunder Staatsanwaltschaft wird nicht gegen mich ermitteln. Meine politischen Freunde in Düsseldorf und Berlin drücken die richtigen Knöpfe. Die wissen genau, was aus dem Gulli spritzt, wenn man versucht, mir was anzuhängen. Ich war ebenfalls ein potentielles Opfer. Nur durch Abwesenheit dem Gemetzel entkommen, in dem zwei tapfere Polizisten und mein Guido ihr Leben ließen. Sie werden es diesem Gill anhängen. Mehr Sorgen macht mir im Moment Afrika. Ich habe mehrfach versucht, diesen durchgeknallten Idioten Hiroshima Bomb zu erreichen. Aber ich bekomme keine Verbindung - trotz Satellitentelefon."
"So etwas kann schon mal vorkommen."
Bolt trat ein und hielt Zaran ein Handy entgegen. Er riß es ihm aus der Hand. "Zaran."
"Hier Viktor."
"Viktor, mein Freund! Wie gehen die Geschäfte? Von mir bekommst du auch einen kleinen Auftrag. Ich habe den Boys einen Helikopter plus Piloten versprochen. Und ein paar gepanzerte Fahrzeuge. Spähwagen oder irgendsowas. Ich ..."
"Das Konto der Boys ist gelöscht. Ausradiert."
"Das nicht auch noch! O nein."
"O ja."
"Was weißt du darüber?"
"Finanziert wurde das Unternehmen von einem Deutschen. Klaus Danner."
"Verflucht."
"Mach's gut. Mehr weiß ich nicht. Ich bin unterwegs nach Thailand."
"Nicht nach Kolumbien?"
"Kolumbien ist abgeschlossen. Ich muß etwas vorsichtig sein."
"Thailand ist nicht sicher. Die Amerikaner wollen dich plötzlich. Und ich kann nichts machen."
"Man wird sich einigen."
Das Gespräch war beendet. Zaran starrte vor sich hin. "Dann haben sie auch die Bloch befreit. Das könnte ein paar Schwierigkeiten bedeuten. Sie wird alle Register ziehen, um sich zu rächen. Besser, ich tauche eine Weile ab. Bolt! Laß den Flieger startklar machen."
Das Handy meldete sich wieder und Zaran griff sofort danach. Er hörte einen Moment zu und sagte: "Natürlich will ich den Turner noch, Carl. Aber ich bin gerade im Aufbruch und verlasse London. Kannst du ihn bei dir behalten, bis ich dir sage, wohin er soll? Die Rechnung schickst du mir nach Wien."
60.
Sie saßen in dem dunklen Pub vor Halfpints Bitter. Höhnisch sah Gill durch das Fenster zu einer Videokamera, die auf der anderen Straßenseite angebracht war und mit ihrem gierigen Auge alles aufsaugte. Keine andere Stadt hatte mehr Kameraüberwachung als London. In keiner anderen europäischen Stadt waren seit dem Zweiten Weltkrieg mehr Bomben hochgegangen. John tat das, was alle Schriftsteller am liebsten tun: sich über ihre Verleger beschweren und mit glasklarer Logik erklären, wie die durch fehlendes Engagement und Dummheit die eigenen Bestseller verhinderten. Gill ließ es gelangweilt über sich ergehen, als Carl eintrat und zu ihnen kam. "Zaran verläßt London in diesem Moment. Er geht wohl nach Wien. Was für ein Bursche!" Er warf einen Zettel mit Zarans Wiener Anschrift auf den Tisch. "Manchmal wohnt er auch bei Freunden auf ihren finsteren Ritterburgen. Mehr kann ich für dich nicht tun, Schätzchen. Es ist schon sehr, sehr böse von mir, daß ich dir seine Wiener Adresse verrate. Dafür bist du mir aber etwas schuldig, du deutsches Ungetüm."
"Ist doch klar, du schlimmer Junge."
Carl strahlte. "Ja, das war ganz schön ungezogen von mir, nicht wahr?"
"Wenn das rauskommt, wird’s wohl was setzen."
"Um Himmels Willen! Da tut dem bösen Carl jetzt schon sein Popöchen weh."
Gill stand auf, griff den Zettel und umarmte John.
"Ich bring’ dich. Kein Problem."
"Kümmere dich lieber um Carls Ratte. Du hast was gut bei mir." Unbemerkt steckte er John die Beretta zu. Dann verließ er den Pub. Auf der Straße zog er sein Handy und buchte sich auf die nächste Maschine nach Wien. Er hatte noch genügend Zeit, um gemächlich nach Heathrow zu gelangen. Während des Fluges würde er sich Girls Aloud auf die Ohren knallen.
Es geht also weiter nach Wien. Dort werden viele EVOLVER-Leser im nächsten Kapitel nicht nur Bekanntes entdecken, sondern bald auch alten Bekannten begegnen. So wie Gill. Lassen Sie sich überraschen.
Martin Compart
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