Stories_Mashup-Porträt: RIAA

Womanizing Bastard

Das Beglücken einsamer Frauen ist nur eine Facette des umtriebigen Lebens von Mr. Fab alias RIAA. Wenn er sich nicht gerade der Damenwelt widmet, produziert er schräge Mashup-Beats. Eine Hommage von Clive Barks, auch bekannt als DJ Clivester, an den garantiert ungewöhnlichsten aller Bootleg-Künstler.    08.11.2007

"Robotic Intergalactic Astro-Artists". "Recording Industries Are Archaic". "Really Interesting Audio Adventures". "Rendevous Internationale Action Album". "Rockin´ Internet Art Alternatives". Dies sind nur einige der Antworten, die man auf die Frage nach der Bedeutung des Pseudonyms "RIAA" erhält.

Der Mann, der hinter diesem Wust an Namen steckt, nennt sich bescheidenerweise einfach Mr. Fab (kurz für "Mr. Fabulous") - und das zu Recht: Der aus North Hollywood stammende Musiker und Produzent schuf mit seinem außergewöhnlichen Stil eine völlig neue Mashup-Kunstform. Mr. Fab selbst beschreibt die Methode als "Graffiti Music": So wie ein Graffiti-Künstler fremdes Eigentum besprüht, legt er Eigenkompositionen oder andere Tracks über bekannte Instrumentalversionen.

 

Angefangen hat alles mit HipHop, Ende der 80er. Durch das Hören von De La Soul, Public Enemy und dem (eindeutig besten) Beastie-Boys-Album "Paul´s Boutique" kam Mr. Fab auf die Idee, sich ebenfalls einen Sampler anzuschaffen und auf den Zug des damals neuen Zitierstils aufzuspringen. Damit hielt er sich allerdings nicht lange auf. Die 90er Jahre brachten nämlich nicht nur viel Neues, sondern leider auch die ersten Copyright-Prozesse mit sich. Also ging es ab in den Underground.

Einige der älteren Produktionen, die Mr. Fab noch mit Floppy-Disk-Sampler und 8-Track produzierte, findet man auf seiner "Jet-Set Discotheque"-Kollektion, immer noch einer seiner besten Produktionen - allen voran der Track "Bagpipes & Breakdancing": Riverdance meets Old-School-Rap.

Der ungewöhnliche Stil ist ihm bis heute erhalten geblieben. RIAAs Spezialität ist es, scheinbar absolut unvereinbare Musikgenres und Songs, gepaart mit eigenen Instrumentierungen, erfolgreich zu einer hypnotisierenden Kakophonie zusammenzufügen: "Dirt Bacharach" brachte Mr. Fab immerhin einen Platz in den Top ten der Jahres-Charts eines US-Radiosenders ein. Würde man die Downloads mit CD-Verkäufen gleichsetzen, so hätte "Dirt Bacharach" Mehrfach-Platin-Status. Mr. Fabs Tribut an einen der legendärsten Entertainer wurde mehr 100.000 Mal heruntergeladen. Und wer Tracks wie "Birds" oder "Alway Something Rollin´" bis jetzt wirklich noch nicht gehört hat, der verpaßt ein Stück feinster Bootleg-Kultur.

Betrachtet man die RIAA-Produktionen als Gesamtwerk, so kristallisiert sich unüberhörbar Mr. Fabs Liebe zu Easy Listening und Polyester-Lounge-Musik heraus. Das beste Beispiel dafür ist wohl "The Lonely Woman", das kürzeste Epos der Mashup-Geschichte: ein beim erstmaligen Anhören eher unscheinbarer Track, der sich aber spätestens beim zweiten Durchlauf als die uneingeschränkte Hymne der Lounge-Kultur erweist. Schwere D´n´B-Beats, bis zum Anschlag heruntergepitcht, dazu die zarte Stimme der 60er-Country-Legende Judy Lynn und ein abgetakelter Fernsehsprecher aus den 70ern sind die Zutaten dieser akustischen Köstlichkeit. Alte Filmausschnitte und Sprecher dürften es Mr. Fab überhaupt angetan haben ...

 

Sein aktuelles Album "Sounds for the Space-Set" nimmt uns mit auf eine Reise ohne Wiederkehr. Einmal gefangen in diesen Sounds, gibt es für den Hörer kein Entrinnen mehr. Hier wird keine Rücksicht auf Konventionen genommen; David Bowie spielt mit den Four Tops, Céline Dion mit Devo und der Dazz Band, sogar vor dem bei Fans heiligen "Star Trek"-Theme wird nicht haltgemacht. Im Gegenteil - Ella Fitzgerald und Cosmos lassen Captain Kirk & Co. in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Es wäre kaum verwunderlich, wenn die Kompositionen von RIAA irgendwann als Filmmusik Gebrauch fänden; schließlich lebt er auch in Hollywood, und dort ist bekanntlich alles möglich. Erst kürzlich hat er "Mean Mr. Mommy Man" vertont - oder, genauer gesagt, die "Eraserhead Serenade" geschaffen: ein absolut surreales Stück und mit Sicherheit nichts für Freunde von Britney Spears und Konsorten.

Zur Zeit arbeitet Mr. Fab gemeinsam mit dem Schreiber dieser Zeilen an einem Albumprojekt für 2008, einer Würdigung eines der ganz großen - und natürlich bereits verstorbenen - Entertainers. In diesem Sinne: "Buona Sera, Signorina, Buona Sera ..."

Clive Barks

RIAA alias Mr. Fab im Web

(inkl. kompletter Diskographie)

Links:

Kommentare_

Kommentar verfassen

Stories
Falco re:loaded

Hoch wie nie

"Music Please!" - und das bitte abseits der x-ten "Best of" von Österreichs einzig wirklichem Popstar. Während die Kommerzmedien die Hinterlassenschaft des verstorbenen Paradiesvogels ohne Genierer ausschlachten, hat der Wiener Neustädter Sound-Bastler und Produzent DJ Schmolli den Zeitgeist erkannt. Clive Barks berichtet über einen Bastard-Pop-Tribute der Extraklasse.  

Stories
Mashup-Charts/Top ten 16. 1. 2008

Mash me Amadeus!

Auch im neuen Jahr präsentiert Clive Barks alias DJ Clivester wieder die besten Produktionen der internationalen Bootleg-Szene. Neben den üblichen Verdächtigen im Jänner mit an Bord: vielversprechender Bastard-Nachwuchs und der Falke reloaded.  

Stories
Mashup-Charts/Top Ten 10. 12. 2007

Winter Wondermash

Clive Barks alias DJ Clivester bietet mit Folge zwei seiner Mashup-Charts den heißbegehrten Ausweg aus dem Sound-Alptraum der Weihnachtszeit. Garantiert "Jingle Bells"-frei: die Bastard-Pop-Highlights im Dezember!  

Musik
Block Rockin´ Boots

Lauschgift

Mashup-Alben gibt es viele - aber nur wenige haben das Zeug dazu, Kultstatus in der Szene zu genießen. Das letzte dieser Art war "Bootwerk - A Bastard Pop Tribute To Kraftwerk". Jetzt hat es die Chemical Brothers erwischt ... weiß Clive Barks alias DJ Clivester zu berichten.  

Stories
Mashup-Porträt: RIAA

Womanizing Bastard

Das Beglücken einsamer Frauen ist nur eine Facette des umtriebigen Lebens von Mr. Fab alias RIAA. Wenn er sich nicht gerade der Damenwelt widmet, produziert er schräge Mashup-Beats. Eine Hommage von Clive Barks, auch bekannt als DJ Clivester, an den garantiert ungewöhnlichsten aller Bootleg-Künstler.  

Stories
Halloween-Hits

Matschige Kürbisse

Jedes Jahr um diese Zeit werden wir im Namen Amerikas von unheilvollen orangen Grimassen belästigt. Blöd grinsende Kürbisse gaffen uns aus Schaufenstern an, und die verhaßten Nachbarskinder hämmern mit der Drohung "Süßes oder Saures!" an unsere Türen. Falls Sie dennoch in Halloween-Stimmung kommen möchten, präsentiert Ihnen Clive Barks alias DJ Clivester die besten Bootlegs für das Fest, das eigentlich keines ist.