Stories_Plakativ: G. I. Joe/Coco Chanel

Dunkles Leder und das "Kleine Schwarze"

Diese Woche dreht sich in unseren Plakatanalysen alles um martialische Ganzkörperanzüge und sexy Abendkleider - in zwei verschiedenen Filmen.    14.08.2009

G. I. Joe - Geheimauftrag Cobra

 

Was wir sehen: zwei Ladies in hautengen Lederanzügen; Männer, die entweder Kleidung tragen, die ihr Sixpack und das Sexpack betont, bzw. sehr futuristisch aussehende Samurai-Uniformen. Das Plakat ist farbig zweigeteilt, die obere Truppe steht in heißem Orange, das durch ein paar Feuerstreifen noch unterstützt wird; die untere Mannschaft in kühlem Blau, das von blauen Feuerstreifen durchkreuzt wird. Alle Abgebildeten tragen Waffen und schauen uns entweder provokativ an oder sind in eine Denkerpose versunken. Dazu den Schriftzug: "G. I. Joe - Geheimauftrag Cobra" mit Untertitel "Das Böse sah noch nie so gut aus." Und für die Guten: "Wenn sonst alles scheitert, sie nicht" (sic).

 

Worum es augenscheinlich geht: ein futuristischer Action-Film - gut gegen böse. Wobei hier offensichtlich eine Frau das Böse personifiziert.

Worum es tatsächlich geht: G.I. Joe war ursprünglich eine Soldaten-Spielzeugfigur von Hasbro, die in den 60er Jahren auf dem US-Markt erschien. Die Figur hatte so viel Erfolg, daß es sie bis heute gibt. Dabei wurde sie nicht nur laufend modernisiert, sondern das Imperium wuchs auch auf ein immer größer werdendes Soldaten- und Agenten-Team an. Tatsächlich soll die rund 20 Euro teure Puppe als Gegenentwurf (bzw. Männervariante) zu Barbie auf den Markt gekommen sein. Zum Film gibt es natürlich auch Limited Editions. Die Amis wissen eben, wie man den Kids das Geld aus der Tasche zieht.

Im Film werden also die Charaktere der Spielzeugserie gegeneinander ins Feld geschickt. Ich gehe mal davon aus, daß es hier eine zweistündige Material- und CG-Schlacht zu sehen geben wird.


Zum Plakat: Zuerst einmal fällt die bei Action-Filmen durchaus beliebte Zweiteilung auf, die - farbig codiert - die Guten von den Bösen separiert. Rot bzw. Orange steht hier also für das Böse, Blau für das Gute. Das ist farbpsychologisch gesehen auch plausibel. Rot steht unter anderem für Aggression, Wut, Hitze, Action und Gefahr. Blau hingegen assoziieren wir mit Harmonie, Ruhe, Zufriedenheit, Sportlichkeit und Mut. Natürlich sind das nicht alle Bedeutungen, aber sicher die geläufigsten. Blau ist laut einigen Untersuchungen übrigens auch die Farbe, die den meisten Menschen gefällt und oft als "Lieblingsfarbe" genannt wird.

Im Vorfeld hat man dieses Plakat online schon heftig diskutiert - nicht nur, weil G. I. Joe in den USA ein Riesen-Hype ist, sondern vor allem deshalb, weil Sienna Miller, die die böse Baroness spielt, auf dem Plakat seltsam mutiert aussieht und in späteren Versionen tatsächlich ihr Kopf gegen ein - sagen wir mal - "menschlicheres" Gesicht ausgetauscht wurde.



Seltsam mutet es hingegen an, daß in den einzelnen Charakter-Plakaten auf die obige Farbcodierung verzichtet wurde - dort sind alle Darsteller in Blau zu sehen.

Was ich dem Plakat zugute halte: Es ist auf den ersten Blick erkennbar, um welche Art Film es hier geht. Auch wenn man den Hintergrund der Spielzeugfigur nicht kennt, ist das in diesem Fall wirklich nur eine Marginalie.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





 

Coco Chanel - der Beginn einer Leidenschaft

 

Was wir sehen: Eine hübsche Frau sitzt mit einer Zigarette im Bett. Selbst in ihrem Pyjama sieht sie gut angezogen aus. Sie schaut uns offen, aber ernst an. Hinter ihr ist eine dunkle Holzwand zu sehen. Dazu den Filmtitel "Coco Chanel" mit dem Über-Klischee-Untertitel "Der Beginn einer Leidenschaft".

 

Worum es augenscheinlich geht: Hätte ich nur das Bild gesehen, wäre ich vermutlich nicht unbedingt auf Coco Chanel gekommen, vermutlich auch deshalb, weil mir bei Chanel erst mal Lagerfeld einfällt und erst dann Coco Chanel. Ich kann allerdings nicht abstreiten, daß Audrey Tatou der Dame durchaus ähnlich sieht, auch wenn Tatous Lippen auffälliger sind:



Mit dem Lesen des Filmtitels jedoch kann man man kaum falsch liegen - es handelt sich um das Biopic der Erfinderin des "Kleinen Schwarzen".

Worum es tatsächlich geht: Eigentlich geht es im Film vor allem um die frühen Jahre von Coco Chanel, die damals noch Gabrielle hieß. Dies wäre aus dem eleganten Originalfilmtitel "Coco Before Chanel" eindeutig erkennbar; warum man sich für die deutsche Fassung dazu hinreißen ließ, diesen unsäglichen Untertitel zu bemühen, anstatt den Filmtitel eins zu eins zu übersetzen, nämlich mit "Coco vor Chanel" bleibt mal wieder ein Rätsel - und wird auch der Dargestellten überhaupt nicht gerecht, die schließlich die Königin der schlichten Eleganz war.

Zum Plakat: Meines Erachtens haben sich die Designer hier etwas zu sehr auf die Ähnlichkeit der beiden Damen verlassen. Ich finde die Pose, die Zigarette, den Pyjama durchaus passend - aber ist das ein Bild, das allein für "Coco Chanel" stehen könnte? Die Schriftwahl finde ich geeignet, wobei es durchaus Schriftarten gibt, die eine ähnliche Anmutung haben und formschöner sind.
Geht es übrigens noch jemand anders so, daß er zuerst denkt: "Oh, Amélie!" oder bin ich da alleine? Vielleicht ist das auch die größte "Schwachstelle" des Plakates, da es durchaus Schauspieler gibt, die auf ewig mit einer Rolle assoziiert werden - gut, wenn das dann eine so symphatische ist wie bei Audrey Tatou.



Mein Alternativvorschlag für das Plakat zeigt eine Filmszene, die ich ziemlich entscheidend finde: Coco zieht nicht einfach nur Männerklamotten an, sie schneidet dazu dann die Krawatte ab, um einen völlig neuen Look zu kreieren. Ich finde dieses Bild noch etwas mutiger als das für das offizielle Plakat verwendete.

 

 

 

 

C. Franziska Richter

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