Stories_Waltari/Interview

"Alles nur geklaut"

Im Frühjahr 2004 erscheint das erste Waltari-Album seit 1999 auch bei uns. Anläßlich dieser Freudentage für treue Fans interviewte Benny Denes Kärtsy Hatakka, den Sänger der Band.    09.01.2004

EVOLVER: "One Day", der eigentliche Radiotrack der neuen Single "Life Without Love", lief auf einigen deutschen Sendern schon in der ersten Woche nach dem Erscheinen ein halbes Dutzend Mal, leider fast immer nur abends...

Kärtsy Hatakka: Das ist doch großartig. Wir machen Musik für Nachtmenschen.

 

EVOLVER: Aber ihr wollt doch auch ein bißchen Geld verdienen?

Hatakka: Geld ist Geld - Musik ist Musik.

 

EVOLVER: Warum wurde die Single nicht auch in eurem Heimatland veröffentlicht?

Hatakka: In Finnland läuft "One Day" als eigene Single schon seit dem Sommer. Der Song ist immer noch in den Airplay-Charts.

 

EVOLVER: "Life Without Love" ist auch ein etwas eigenartiger Song für eine Single-Auskopplung. Wie kam es dazu?

Hatakka: Es war der Wunsch von Vielklang (Waltaris Plattenfirma außerhalb Finnlands; Anm. der Redaktion). Aus meiner Sicht ist "One Day" auch eher der "Burner", aber das Label wird sich schon was dabei gedacht haben.

 

EVOLVER: Und wer produzierte die Songs auf der Single?

Hatakka: "Life Without Love" wurde von einem Musiker der Band Thunderstorm produziert, die haben hier in Helsinki ihr eigenes Studio. Gemixt hat den Song der Gitarrist der 69 Eyes. "One Day" wurde von T. T. Oksala - der auch bei HIM mitmischt - produziert.

 

EVOLVER: Warum arbeitet ihr nicht mehr mit eurem Stammproduzenten Mikko Karmila zusammen?

Hatakka: Die Songs auf der Single schrieben wir schon 2001. Damals wollten wir nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten, sondern unseren Sound verändern. In der Zwischenzeit hatten wir aber wieder an ihn gedacht - nur war er leider schon ausgebucht. Aber die Songs klingen doch auch so ganz gut.

 

EVOLVER: Wie seid ihr zum Remix von Billy Gould gekommen?

Hatakka: Ich kenne ihn von Festivals, wo wir zusammen mit Faith No More auftraten. Das erste Mal traf ich ihn vor mehr als zehn Jahren, auf der Popkomm 2001 in Köln, auf der ich ein neues Label für uns suchte. Dort versprach er mir den Remix. "Life Without Love" suchten wir dafür aus, weil die Plattenfirma den Song als Single veröffentlichen wollte. Er hat aber eh was Eigenes daraus gemacht.

 

EVOLVER: Gibt es eigentlich ein Video zur Single?

Hatakka: Nein, bis jetzt noch nicht. In Finnland sprachen wir mit der Plattenfirma darüber. Aber für Deutschland oder Österreich lohnt sich der Aufwand nicht, das spielt am Ende doch kein Sender. Ich kann es nicht bezahlen, und die Plattenfirma wird es auch nicht tun, schätze ich.

 

EVOLVER: Wovon habt ihr seit dem letzten Album gelebt?

Hatakka: Von harter Arbeit! Man kann in Finnland nicht die ganze Zeit herumsitzen und Däumchen drehen. Deswegen komponierte ich beispielsweise den Soundtrack zu "Max Payne", dem Computerspiel-Megaseller.

 

EVOLVER: Auf eurer Website steht, daß "One Day" auch dein aktueller Lieblings-Song von Waltari ist. Stimmt diese Information noch?

Hatakka: Hmm, ich glaube, momentan ist es "Megacity Rain", ein Song vom neuen Album. Ich mag eine Menge von diesem Industrial-Zeugs, und der Song hört sich richtig gut danach an.

 

EVOLVER: Und wann wird dieses Album kommen?

Hatakka: Es wird am 1. März veröffentlicht und "Rare Species" heißen. Zu dieser Zeit wollen wir dann auch endlich wieder live spielen. Wir waren ja schon lange nicht mehr in Deutschland und Österreich. Genaue Daten zur Tour kann ich im Moment aber leider noch nicht nennen.

 

EVOLVER: Was dürfen eure Fans von "Rare Species" erwarten?

Hatakka: Wir haben uns auf unsere Einflüsse aus den achtziger Jahren besonnen: Gothic, Wave, frühe Rap-Acts, aber natürlich auch Rockbands. Immerzu wurden wir gefragt, wieso wir so viele unterschiedliche Musikstile in unseren Sound integrieren. "Rare Species" wird die Antwort darauf liefern.

 

EVOLVER: Seit eurem letzten Album, das außerhalb von Finnland veröffentlicht wurde, sind mehr als vier Jahre vergangen. In dieser Zeit erzielten NuMetal-Bands wie Linkin Park mit einem Sound Riesenerfolge, den ihr mitgeprägt habt. Wie fühlst du dich dabei?

Hatakka: Ich mag Linkin Park oder Limp Bizkit. Durch deren Songs bin ich selbst dem Metal wieder nähergekommen. Wenn es auch NuMetal genannt wird, ist die Musik doch genau das, was wir Anfang der Neunziger Crossover nannten. Ich steh´ auf diesen Sound und bin logischerweise glücklich über den Erfolg der entsprechenden Bands!

 

EVOLVER: Kein bißchen Neid?

Hatakka: Ach was. Niemand besitzt Musik. Ich kümmere mich nicht darum, woher die anderen Bands ihre Ideen nehmen. Ich hab´ meine auch nur anderswo geklaut, also dürfen sich andere auch bei mir bedienen.

 

EVOLVER: Glaubst du, daß Waltari nach dem Erfolg von NuMetal-Acts bessere Aussichten auf Bekanntheit haben?

Hatakka: Ehrlich gesagt, beschäftige ich mich nicht mit solchen Gedanken - wieviele Alben wir verkaufen, wer die Käufer sind und so weiter. Wir machen einfach Musik und fühlen uns geschmeichelt, wenn sich Menschen dafür interessieren.

Benny Denes

Waltari - Rare Species


Photos © waltari.de

erhältlich ab 1. März 2004

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