Stories_Simon Kernick

Ohne Tempolimit

Er ist einer der Männer der Stunde. Nachdem der Goldmann-Verlag die deutsche Ausgabe seiner Werke aufgegeben hat, zeigt Heyne, wie man einen potentiellen Bestsellerautor durchsetzt: In kurzen Abständen werden Kernicks Thriller in den Markt gepeitscht - und finden ihre dankbaren Abnehmer, jenseits der Fans dröger deutscher Provinzkrimis oder skandinavischer Sozialdemokratie.    28.11.2011

Simon Kernick gehört zu den britischen Autoren, die sich seit der Jahrtausendwende im Windschatten des Erfolges von Schriftstellern wie Lee Child oder Andy McNab als eine Art "new breed" des britischen Thrillers etablieren. Sie sind genauso von multimedialen Pop-Kulturtraditionen geprägt wie von den literarischen Traditionen des Genres. Sie gehören einer Generation an, die einen Bond-Film gesehen hat, bevor sie Romane von Ian Fleming oder Eric Ambler entdeckte. Und sie schreiben in einer Zeit, in der sie mit Fernsehserien wie "24", "Luther" oder "Spooks" um das Publikum konkurrieren. Denn diese und andere Serien, deren primäres Medium die DVD ist und denen die Erstausstrahlung im TV nur als Schaufenster dient, haben Einfluß auf Literatur und Rezeption.

Kernick ist das voll bewußt - und er hat es drauf. Ihm gelingt es, das Tempo der TV-Serien auf den Roman zu übertragen. Gleich auf der ersten Seite fängt er den Leser ein, schaltet den Motor seines Romans in Blitzgeschwindigkeit in den fünften Gang hoch und rast durch die Story, bis das Getriebe kracht. Den Leser beim Schlafittchen packen, und auf geht’s in die Turboachterbahn. Wie etwa bei "24" kann er durch das hohe Tempo eventuelle Plot-Unstimmigkeiten oder Unwahrscheinlichkeiten überfahren, Widersprüche von der Fahrbahn kicken. Und wie "24" kommt er damit durch, weil er genügend Überraschungsmomente im Köcher hat. Wer das nicht mag, sollte die Finger von ihm lassen. Ich dagegen bin froh über Autoren, die nicht mit völlig psychopathischen Forensikstudien wie Patricia Cornwell oder Charakterquark wie die total durchgeknallte Mo Hayder daherkommen. Ich langweile mich zu Tode bei diesen Waltons-meet-Dr.-Lecter-Geschichten von Karin Slaughter oder Kathy Reich, und mir wird übel bei den Reißbrett-Slashern von Cody McFadyen oder der langweiligen Sozialdemokratie eines Henning Mankell (der Traum aller verlebten Thalia-Kundinnen).

 

Der 1966 in Slough geborene Kernick wuchs in Henley-on-Thames auf, einer Kleinstadt, fünfzig Kilometer von London entfernt. "Ich schreibe, seitdem ich einen Stift halten kann. Es hat Jahre gedauert und einige hundert Ablehnungen, bis ich mit 35 Jahren meinen ersten Vertrag bekam. Ich glaube, ich mußte einfach so lange üben und lernen, bis ich etwas Druckbares hinbekam."

Mit 19 ging er vom College ab und schlug sich mit einem Job als Transportmanager durch. Nach einem Jahr übersiedelte er nach Toronto, wo er wieder das College besuchte und sich verlobte. "Es hielt kein Jahr. Danach ging ich über Australien zurück nach England. Ich hatte Heimweh. Ich war in Brighton am Polytechnikum und machte anschließend die unterschiedlichsten Jobs: im Straßenbau, als Barkeeper oder als Holzfäller für Weihnachtsbäume. Schließlich etablierte ich mich als Handelsvertreter in der Computerbranche und blieb zehn Jahre dabei." Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Oxfordshire.

"In meiner Jugend war ich ein großer Science-Fiction- und Fantasy-Fan. Wahrscheinlich hat mich Tolkien am stärksten beeindruckt. Gefolgt von Michael Moorcock - insbesondere den Corum- und Runestaff-Zyklen. Großartig und völlig unterbewertet, wie vieles in dem Genre. Auf dem College entdeckte ich Raymond Chandler. Ich las 'The Big Sleep' in einem Rutsch. Es hat mich umgehauen und mir einiges beigebracht. Zum Beispiel, daß man nicht zuviel beschreiben muß. Weniger ist oft mehr, wenn es um Thriller geht. 95 Prozent von allem, was ich gelesen habe, war Kriminalliteratur inklusive einer ordentlichen Portion true crime."

Kernick sieht sich vor allem von amerikanischen Autoren beeinflußt und bewundert Leute wie Dennis Lehane oder Harlan Coben, den er - wen wundert’s - für seine überraschenden Wendungen schätzt. "Mein größter Einfluß war Lawrence Block. Ich habe alles von ihm gelesen - und er hat eine Menge geschrieben. Ich bewundere seine Vielseitigkeit. Er kann alles." 2004 hielt Kernick bei der Verleihung der Diamond Dagger Awards für Blocks Lebenswerk eine bewegende Laudatio auf sein Idol. Wie Block schreibt er in einem scheinbar kunstlosen Stil, der sich ganz der Geschichte unterordnet.

 

Begonnen hat er mit Noir-Romanen in der britischen Tradition. Sein Debut, "Tage des Zorns"/"Vergebt mir!" ("The Business of Dying", 2002), war ein rabenschwarzer Cop-Roman über einen Bullen, der nebenher Leute umbringt, die es nach seinem Wertesystem verdient haben und ihm zusätzlich ein bißchen Geld einbringen. Er wird von seinem Auftraggeber reingelegt und tötet bei einem Hit unschuldige Zollbeamte. Von da an geht es bergab, und schließlich muß er aus England fliehen. Im zweiten Roman über den Killer-Cop Dennis Milne, "Fürchtet mich" ("A Good Day To Die", 2005), lebt er als Gelegenheitskiller auf den Phiippinen. Als er vom Mord an seinem besten Freund und Expartner erfährt, kehrt er nach London zurück, um die Angelegenheit auf seine Weise zu regeln. Laut Aussage des Autors ist dies sein Lieblingsbuch.

Bei der Recherche zu "Tage des Zorns" lernte Kernick Beamte von der Metropolitan Police kennen. "Ich war überrascht, wie angefressen die waren. Sie fühlten sich von Politikern und ihren Chefs unter Druck gesetzt und empfanden sich als dämonisiert, nur weil sie ihre Arbeit taten. Sie hatten nicht genügend Instrumente, um die Kriminalität einzudämmen, und wurden von der Öffentlichkeit und denjenigen kritisiert, die ihnen diese Instrumente verweigerten. Sie blieben nur wegen der Pension dabei. Ich schickte das Manuskript an einen Agenten, der es ablehnte, nachdem er zuerst Interesse gezeigt hatte. Das traf mich ziemlich hart. Ich dachte daran, was Neues zu schreiben. Aber meine Frau Sally glaubte an den Roman. Ich schrieb ein paar Szenen um und fand eine Agentin, die das Buch anbot. Als mir Transworld einen Vertrag dafür und ein weiteres Buch anbot, nahm ich sofort an, ohne noch Reaktionen anderer Verlage abzuwarten. Das war eine gute Entscheidung. Die Copper waren ebenfalls zufrieden mit dem Buch, da ich keine Verfahrensfehler gemacht hatte."

Auch die drei anderen frühen Romane behandeln die düstere Welt des organisierten Verbrechens in Nord-London. "Mich hat die organisierte Kriminalität immer interessiert - in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Ich finde es bemerkenswert, daß man Kriminalität genauso wie ein normales Geschäft führen kann, direkt unter den Augen der Autoritäten, die kaum Interesse haben, etwas dagegen zu unternehmen."

 

Seine Cops wie Milne oder John Gallan und Tina Boyd gehören nicht der Inspector-Rebus-Garde an. Es scheint eher so, als wäre der 1966 geborene Autor von der Konventionen sprengenden Fernsehserie "The Sweeney" (1975-78) beeindruckt worden. "Die meisten meiner Charaktere basieren irgendwie auf realen Menschen. Bei meinen Recherchen stoße ich auf merkwürdige Typen." Und natürlich ist er beeinflußt vom Großmeister des Brit-Noir, Ted Lewis. "Lewis bekam nie wirklich die ihm zustehende Anerkennung für 'Jack´s Return Home' - für mich der beste britische Noir-Roman aller Zeiten." Kernicks Noir-Cop-Romane brachten neuen Wind in die britische Kriminalliteratur, die an den langweiligen Ermittlern der Colin-Dexter-John-Harvey-Ian-Rankin-Schule zu erstarren drohte.

Ab 2006 wechselte er die Richtung: Mit "Gnadenlos" ("Relentless") begann er seine "Potboiler", für die er heute bekannt ist und die ihn erfolgreich machten. Seine düstere Weltsicht hat er beibehalten, aber diese schnellen, Action-orientierten Romane konzentrieren sich auf den Kampf gegen die Zeit. Niemand kann Zeitdruck besser in Szene setzen als Kernick. Seine Thriller lesen sich passagenweise wie Vorlagen für Jason-Statham-Streifen und haben natürlich das Interesse der Filmindustrie auf sich gezogen. Einige Fans seiner frühen Romane mochten diesen Tempowechsel gar nicht, aber Kernick gelang damit der Ausbruch aus der Noir-Nische in die Bestsellerlisten. Trotz des Erfolges ist er ein pflegeleichter Autor, der sich tatsächlich noch bei "Siege" vom Verlag vorschreiben ließ, das Ende umzuschreiben und den Titel zu ändern. Hoffen wir mal, daß er einen fähigen Lektor hat(te). Aber jemand, der so lange und verbissen darum gekämpft hat, veröffentlicht zu werden, verliert nicht so schnell die Bodenhaftung. Die ersten vier Romane brachten zwar tolle Kritiken, aber wenig Geld. "Gnadenlos" hingegen war 2007 der erfolgreichste Kriminalroman in Großbritannien.

 

Die Idee für "Gnadenlos" kam Kernick durch einen Alptraum, den er in Toronto nach einem exzessiven Besäufnis hatte. Protagonist Tom Meron hört am Telefon, wie ein alter Schulfreund umgebracht wird. Seine letzten Worte sind Merons Adresse. Und schon verläßt der Höllenzug den Bahnsteig ... Der Nachfolger "Todesangst" beginnt mit einem Satz, der das Schicksal von Noir-Protagonisten Im allgemeinen und von Kernicks "Helden" im besonderen auf den Punkt bringt: "Kaum öffne ich die Augen, weiß ich, es wird ein Scheißtag." Der Ex-SAS-Soldat Tyler erwacht blutüberströmt neben der kopflosen Leiche seiner Geliebten und erinnert sich an nichts. Und dann geht es ab, daß der Leser aus der Kurve fliegt. Eventuelle Plot-Schwächen werden einem egal, weil man nur noch mit zitternden Fingern die Seiten umdreht. Kernick fährt mit Bleifuß und schaltet bis zum Finish nicht einmal runter.

Um das Tempo noch zu erhöhen, hat er "Todesangst" als bisher einzigen Roman im Präsens geschrieben - eine schwierige literarische Technik, die leicht albern klingt und am besten bei komödiantischen Handlungen funktioniert (siehe Peter Cheyneys Lemmy-Caution-Romane, die ich sehr unterhaltsam, aber nie spannend fand). In "Deadline" erzählt Kernick zwar in der dritten Person, wählt aber die Perspektive der Protagonistin, deren Tochter entführt wurde. Tausendmal gelesen und gesehen? Aber nicht so! "Deadline" ist Kernicks einziger Roman, der bei uns auch als Hörbuch vorliegt (Audiobuch Verlag). Wie Johannes Steck die Story vorträgt, das ist unglaublich! Sehr intensiv und dem Tempo entsprechend. Das sollte man nicht auf Kurzstrecken hören, sonst fährt man bis zum Nordkap durch.

Mit seinen On-the-Edge-Thrillern steht Kernick in der Tradition von Cornell Woolrich: Ein (vermeintlich) Unschuldiger gerät in eine Verschwörung, die er nicht durchschaut, und wird gehetzt. Von einer Sekunde auf die andere brechen Ereignisse in das Leben des Protagonisten ein, sodaß es völlig aus den Fugen gerät. Chandler sagte über Woolrich: "Der Mann mit den besten Einfällen, aber man muß ihn schnell lesen und darf ihn nicht zu genau analysieren; er ist zu fiebrig." Es wäre ungerecht, dieses Urteil eins zu eins auf Kernick zu übertragen. Aber ähnlich wie Woolrich ordnet er den Twists und dem Tempo alles unter. Dieser klassische Thriller-Topos läßt sich mindestens bis zu John Buchan zurückverfolgen. Es geht letztlich um Kontrollverlust - ein Lebensgefühl, das heute aktueller ist denn je. Manipulation und Kontrollverlust gipfeln in Verschwörungen. Seine düstere Weltsicht unterlegt Kernick auch in den Thrillern, wenn auch nicht so exzessiv wie in den Noir-Romanen. Als intelligenter Zeitzeuge spiegelt er den immer offeneren Moralverfall der westlichen Zivilisation seit dem Aufstieg der Neo-Cons.

 

Im Gegensatz zu Lee Childs Reacher-Romanen lassen sich die Plots von Kernicks Krimis nicht vorhersehen. Sobald man meint, man wisse, wie der Hase läuft, schlägt er eine überraschende Volte. "Meiner Meinung nach ist eine der wichtigsten Regeln, die Handlung unberechenbar zu halten. Das läßt den Leser die Seiten umblättern."

Eines von Kernicks liebsten Stilmitteln ist der "Cliffhanger": Auf dem Höhepunkt des Suspense wird auf eine andere Handlungsebene überblendet. Auch das wurde von "24" für das Fernsehen perfektioniert (und verdankt den TV-Melodramen fast soviel wie den Pulps; der "Tarzan"-Schöpfer Edgar Rice Burroughs war ein Meister dieser Technik). Virtuos ist auch seine Darstellung von Action jeglicher Art - von Schießereien bis Autojagden. Kein zeitgenössischer Literat bringt physische Aktion filmischer zu Papier.

Zur wie auch immer gearteten Unterstützung seiner Gehetzten bringt Kernick gerne Profis ein: die Polizisten Mike Bolt oder Tina Boyd. Dabei führt er vor, daß die Logistik durch staatliche Institutionen nie ausreicht, um den Gefahren und Problemen zu begegnen. Entweder ist sie nicht effektiv oder korrupt. Bei aller Konzentration auf Action (die freie Entscheidungsmöglichkeiten suggeriert) wurzeln Kernicks Thriller - wie Woolrichs - in einer klassischen Noir-Welt. Also in der Realität. Sein London hat nichts Gemütliches oder Idyllisches. Es ist eine zertrümmerte Stadt im Niedergang, beherrscht von penetranten Überwachungskameras, Gangs, skrupellosen Neubauten, Terroristen und einsatzbereit lauernden Hubschraubern, die in geringer Höhe über die Stadt knattern, um die Einwohner an Orwells faschistoide Zukunftsvision zu erinnern. Eine Welt von nur scheinbarer Geborgenheit im familiären Mittelschichtmilieu. Die typische westliche Metropole des neuen Jahrtausends, in der die Straßen von einem Moment zum anderen zu Schlachtfeldern werden können. Kernick zeigt eine kranke Gesellschaft, die von Manipulationen und Verschwörungen beherrscht wird.

 

Disziplin ist auch für diesen Schriftsteller die wichtigste Autorentugend: "Ich schreibe jeden Wochentag, manchmal auch während des Wochenendes. Mittags eine große Pause. Mein Ziel sind 2000 Worte pro Arbeitstag. Die Planung und Vorbereitung für ein Buch dauert etwa zwei Monate. Das Schreiben weitere sechs. Heute recherchiere ich nicht mehr soviel wie früher. Ich glaube nämlich, daß man auch zuviel recherchieren kann."

In der Regel bevorzugt er die erste Person als Erzählerperspektive. Die ist bei seiner Art von Thrillern sehr effektiv, da sie den Leser unmittelbar in die Geschichte saugt. Aber Kernick experimentiert auch gerne mal - und nicht weniger überzeugend: In "Instinkt" wechselt er vom Ich-Erzähler zum allwissenden Erzähler (der Tina Boyds Handlungen begleitet). In "The Murder Exchange" erzählen die beiden Hauptcharaktere, die Exsöldner Iversson und DS Gallan, in der ersten Person. "Das war schwierig. Ich mußte immer wieder feilen und feilen, damit jeder mit seiner eigenen Stimme sprach und nicht beide dieselben Phrasen droschen."

Kernicks Frauen sind genauso stark und überzeugend dargestellt wie die Männer. Auch Opfer wie Andrea in "Deadline" sind keine Weibchen, sondern selbstbewußte Frauen, die sich gesellschaftlich hochgeboxt haben und ebenso unbefangen mit ihrer Sexualität umgehen. Sie sind genauso wenig schwarz oder weiß gezeichnet wie seine männlichen Helden; alle haben dunkle und helle Seiten, ohne deshalb zu grauen Mäusen zu degenerieren. Es sind diese ökonomisch kalkulierten und knappen Charakterstudien, die von der oberflächlichen Kritik gerne übersehen werden. Aber ohne ihre Effektivität würden seine Pageturner nicht funktionieren. Er muß im Leser zumindest Empathie für seine Figuren wecken, wenn der ihnen auf seinen Höllentrips folgen soll.

Inzwischen kann er es sich leisten, auch einmal zu seinen Wurzeln zurückzukehren: In "Payback", (2011) bringt er DI Tina Boyd und Milne zusammen in einer mörderischen Rachejagd von London über Hongkong auf die Phlippinen. Tina Boyd, genannt "die schwarze Witwe" (weil ihr Nahestehende meist ein kurzes Leben haben), hat auch einen Cameo-Auftritt in "Siege" und wichtige Rollen in "Deadline" und "Target". Es scheint, daß Kernick in eine dritte Phase eintritt, die eine Synthese aus den frühen Noir-Romanen und seinen Speed-Thrillern formt.

"Meine frühen Bücher, die Cop-Noir-Romane, waren viel brutaler als meine Thriller. Ich glaube, die Menschen wollen nicht mehr so gewalttätiges Zeug lesen wie vielleicht noch vor zehn Jahren. Wir haben soviel extreme Gewalt in der Realität." Naja, der Bodycount in "Todesangst" kann auch einen McNab-Fan "befriedigen". Und den Psycho-Terror, den Kernick verbreitet, macht ein Verhör durch Jack Bauer zum adretten Folterspiel. Er hat die Fähigkeit, den Leser aufs Perfideste durch die Mangel zu drehen. Es gibt auch keine peinlichen Pornozenen in Kernicks Romanen - obwohl er Sex nicht negiert: "Als Kind war ich natürlich scharf auf Sexszenen in Krimis. Aber heute, als Autor, glaube ich nicht mehr daran. Sex ist überall verfügbar, und wer das will, braucht nur ins Internet zu gehen oder sich einen Pornofilm einzulegen. Ich mache das lieber ganz romantisch und blende ab einem bestimmten Moment aus. Alles sehr geschmackvoll."

Simon Kernick interessiert vor allem Gerechtigkeit. Wie es sich meistens gehört, bekommen die Bösen am Ende seiner Thriller ihre gerechte Strafe. "Jeder weiß doch, daß in der Realität die Bösen oft genug gewinnen. Das Schöne am Schreiben ist, daß ich in den Büchern Gerechtigkeit herstellen kann. Das macht Spaß. Andererseits wird man selbst immer paranoider, wenn man in diesem Genre arbeitet."

Martin Compart

Kommentare_

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Karsten Slaughter - 28.11.2011 : 14.24
Das ist mal ein Review!

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