"Cinema History´s in the backseat of my Cadillac." M. Guignol trauert schon wieder - diesmal nicht um die Vergeblichkeit allen Strebens, sondern um einen kürzlich verstorbenen Pionier des Z-Movies. Thomas Ballhausen hat ihn auch diesmal wieder ins Gedankenkino begleitet.

Gedanken an den Tod mochte er immer schon - besonders, wenn es um das eigene Ableben ging. Welchen Anzug er wohl angezogen bekäme, wer aller hinter dem Sarg hertrotten würde, um sich danach zu betrinken; sei es, um sein Dahinscheiden zu feiern, oder gar, es zu bedauern. Umso mehr bedauert er das Ableben anderer, wenn auch nicht aller, das wäre ja dann doch zuviel verlangt. Doch der Tod Samuel Z. Arkoffs (1918-2001) hat dem kleinen, gemeinen Mann mit den feinen Händen die Tränen ins Gesicht getrieben, für eine kurze Sekunde menschlicher Schwäche.

Mit dem Aufkommen des Fernsehens in den 50ern setzte in den USA die erste Welle des Kinosterbens ein. Viele Säle mußten schließen, weil die Besucher lieber vor dem TV-Gerät versumpften. Und das Programm war genauso schlecht wie das Angebot im Kino - warum also noch außer Haus gehen? Das Sofa begann die Autorückbank abzulösen; welch eine Schande. Im bewußten Gegensatz dazu entwickelte Arkoff, der sich schon in jungen Jahren stark mit dem Kino sowohl auseinandergesetzt als auch identifiziert hatte, einen eigenen Ansatz: schlechter zu sein als das Fernsehprogramm und die Teenager mit Titeln wie "I Was a Teenage Werwolf" oder "How to Stuff A Wild Bikini" wieder in die Kinos bzw. auf die Rücksitze ihrer Autos zu locken. Jüngere Generationen der Amerikaner schulden Arkoff also vielleicht sogar mehr, als sie selbst - oder auch ihre Eltern - sich eingestehen möchten.

Auch Stars des Kinos stehen bei Arkoff und seiner Produktionsfirma Z in der Kreide: Illustre Namen wie Nicholson, De Niro, Bronson oder auch Scorcese bekamen ihre erste Chancen bei einer Filmfirma, die mit ihren Produkten den Grundstein für die heutigen Teenager-Slasher-Movies legte. Womit sich, so denkt M. Guignol kichernd, die Liste der Personen, die Arkoff etwas schulden, um einiges vervielfacht.

Er streckt sich auf seinem Sofa aus, starrt auf die Fernbedienung, schwingt sich dann aber doch auf, um sich anzukleiden, einen Gehrock überzuwerfen. Es gilt, eine menschliche Schwäche mit der anderen auszustechen. Welch ein Genuß.



M. Guignol empfiehlt:
Lesern, die auch über diese Zeilen hinaus dem Thema Film die Treue halten wollen, sei die Publikation "Ernst Schmidt jr. Drehen Sie Filme, aber keine Filme! Filme und Filmtheorie 1964-1987. Herausgegeben von Linda Bilda" (Triton-Verlag) empfohlen; soviel Avantgarde, Weitsichtigkeit und sprachliche Meisterschaft kombiniert zu sehen, ist die eine oder andere Freudenträne wert. Wer es aber eher ruhiger schätzt, dem seien die folgenden Publikationen ans Herz gelegt: die Poetikessays "Wie Dichtung entsteht" (Insel) vom 1998 verstorbenen Poet laureate Ted Hughes; und die neue Biographie "Lord Alfred Douglas. Ein Leben im Schatten von Oscar Wilde" von Caspar Wintermans (Blessing), die endlich auch das eigenständige Schaffen des Wilde-Geliebten würdigt und zugänglich macht. Damit es aber nicht ganz so lieblich bleibt, seien als musikalische Untermalung dazu die CDs "Break the Cycle" (Warner) der wilden Herren von Staind und der neue Tonträger der ebenso ungestümen Slipknot-Burschen empfohlen, die den schönen Titel "Iowa" (Roadrunner/Musica) trägt.



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