Texte_Compart-Fortsetzungskrimi
Die Lucifer-Connection #8
Vor acht Jahren veröffentlichte Martin Compart seinen ersten Roman "Der Sodom-Kontrakt" rund um den Privatdetektiv und Ex-Söldner Gill. Das Sequel zum "politisch inkorrekten Anti-EU-Thriller" gibt´s jetzt exklusiv im EVOLVER. "Die Lucifer-Connection" handelt von verschwundenen Katzen und okkulten Menschenopferungen - von Dortmund über Sierra Leone und London bis Wien. Schnallen Sie sich an!
27.11.2009
Im August 2009 begann der EVOLVER seine Leser mit einem wahren Noir-Schatz zu beglücken. Seit damals erscheint Martin Comparts neuer Roman "Die Lucifer-Connection" in kurzen, konsumentenfreundlichen Abständen als Fortsetzungskrimi auf unseren Web-Seiten.
Private Eye Gill ist mit Hilfe eines Mietkaters auf der Suche nach skrupellosen Katzenentführern (siehe Kapitel 7), deren Opfer in Tierversuchslabors landen; die Wittener Mordkommission hingegen befaßt sich - bei aller Abgebrühtheit voll Entsetzen - mit einem Fall von Massenmord und Kinderfolter. Und Kommissar Domogalla? Der schlittert von einer Sinnkrise in die nächste und denkt über große und kleine Verbrecher nach ...
Die untergehende Sonne schien in Alexas Büro und spiegelte sich im Bildschirm des Notebooks. Sie veränderte den Winkel und betrachtete die Kinderköpfe auf dem Schirm. Kolleck hatte weitere Bilder anfertigen und digital bearbeiten lassen. Sie wirkten merkwürdig künstlich, waren aber nach ihren jeweiligen individuellen Merkmalen erstellt. Afrikanische Kinder. Weniger wert als eine Tankfüllung für ein Auto. Weniger wert als eine DVD. Das war ihr nichts Neues. Seit dem Ende des Kalten Krieges taumelte der afrikanische Kontinent am Abgrund. Ruanda, Liberia, Sierra Leone, Kongo, Uganda, Dafur ... die blutigsten Bürgerkriege, die je über den Bildschirm geflimmert waren. Wenn sie denn mal flimmern durften. Die meisten Berichte hatte sie auf BBC gesehen. Im deutschen Fernsehen kamen sie kaum vor. Der "Weltspiegel" verkam mehr und mehr zu Reiseberichten mit asiatischen Luxuszügen.
Außerdem hatte ja ein europäischer Bürgerkrieg in den Neunzigern alles überlagert. Der Balkan war näher als Afrika. Selbst serbisches Sterben war medial wertvoller. Damals hatte sie zum ersten Mal über den brutalen Einsatz von Kindersoldaten gehört. Kleine Jungs gesehen, die eine Kalaschnikow hinter sich herzerrten, die so groß war wie sie selbst. Zugedröhnt mit Drogen. Sie erinnerte sich daran, daß diese Drecksau Charles Taylor, die in Monrovia Hof hielt, von einigen Medien als Freiheitskämpfer dargestellt wurde. Heute stand er in Den Haag vor dem internationalen Gerichtshof, und fast an jedem Verhandlungstag wurden neue, unvorstellbare Verbrechen aufgedeckt. Na ja, dachte sie zynisch, er könnte immer noch in die USA abhauen. Die erkannten den Gerichtshof nur partiell an. Amerikaner durften nicht angeklagt und verurteilt werden. Schließlich hatte Taylor lang genug in den USA gelebt und im Knast gesessen. Mit etwas gutem Willen konnte man einen US-Bürger aus ihm machen. Aber der Mohr hatte wohl seine Schuldigkeit getan ...
Es klopfte. Die Tür ging auf, und Domogalla wuchtete seinen Körper herein. Er betrat Räume, wie ein Panzerwagen Barrieren durchbrach. "Nichts, Chefin. In ganz Deutschland werden fünf schwarze Jungs als vermißt gemeldet. Einer ist schon sechzehn. Ich habe ganz Europa abgegrast. Die meisten vermißten Schwarzen gibt es in England, Italien und Spanien. Ich glaube, im Osten werden die nicht mal registriert."
"Haben Sie Abgleiche mit den neuen Bildern gemacht?"
"Natürlich."
"Das verstehe ich einfach nicht. Wie können so viele Kinder verschwinden und als Leichen auftauchen?"
"Vielleicht haben Schwarze kein Vertrauen zur Polizei und geben keine Vermißtenmeldungen auf."
"Wäre denkbar. Wir müßten mal in schwarzen Gemeinschaften nachhaken."
"Daran habe ich schon gedacht. Aber wie kriegen wir raus, in welchen Städten es große Communities gibt? Außerdem ... bei den offenen Grenzen könnten die sonstwo sitzen. Das ist wie mit der Nadel im Heuhaufen."
"Trotzdem - über die Einwohnermeldeämter und die Polizeipräsidien. Dort muß man wissen, ob und wo in ihren Städten schwarze Ballungszentren existieren. Das soll Igel erledigen."
"Der ist schon weg."
"Wie bitte? Er holt uns aus unserem freien Tag und haut ab? Ist der völlig wahnsinnig? Der spielt mit seiner nichtvorhandenen Karriere!"
Domogalla grinste und sah in Alexas wütend funkelnde Augen. "Der würde sowieso nur Scheiße liefern. Ich mach ´ne Nachtschicht."
"Seit ewigen Zeiten versuche ich ihn loszuwerden. Er klebt wie Hundescheiße an meinem Bein."
"Ich könnte das regeln. Man könnte verschwundenen Koks aus der Asservatenkammer bei ihm finden. Die wundern sich sowieso ..."
"Nein, Domogalla. Auf keinen Fall eine Ihrer krummen Nummern. Sie sollten selber aufpassen. Es gibt Gerüchte über Sie."
Jetzt wurde Domogalla wütend. "Gerüchte über mich? Das kann doch wohl nicht wahr sein! Was für Gerüchte? Verdammte Arschlöcher."
"Sie sollen in Ihrer Freizeit ziemlich viel trinken. Und nicht zahlen."
"Ich? Was für ein Scheiß ist das jetzt wieder?! Sie können in jeder Wittener Kneipe fragen. Das bißchen Bier, das ich mir am Feierabend gönne, bezahle ich natürlich auch. Sie glauben doch wohl nicht so einen Mist?"
"Sie wurden zu mir strafversetzt, vergessen Sie das nicht. Ich kenne Ihre Akte. Da ist viel Unschönes drin. Aber das ist mir egal, weil Sie ein guter Kriminalist sind. Ich warne Sie nur: Überziehen Sie´s nicht. Ab einem gewissen Punkt hört meine Rückendeckung auf. Wir sind keine Politiker, die quasi durch Statusbestimmung klauen dürfen und Lobbyistenkohle abschöpfen. Wir dürfen nicht mal einen Kugelschreiber als Werbegeschenk annehmen."
"Weiß ich alles. Ich gehe jetzt an meine Arbeit. Mache es mit Telefon und Internet von zu Hause."
"Bis morgen."
"Bis morgen."
Er schlug die Tür hinter sich zu, die fast aus den Angeln flog. Domogalla hatte jetzt das dringende Bedürfnis, jemandem die Fresse zu polieren. Vielleicht sollte er in eine Kneipe gehen und ein bißchen herumstänkern. Da hatte eine neue aufgemacht: "Schwiegermutters Alptraum", dort mußte er sich ja mal vorstellen und die Konditionen festlegen. Zuerst ging er aber zur Asservatenkammer und holte mit Igels nachgemachter Gegenzeichnung ein Pfund Kokain ab. Das machte er öfters. Er wußte, daß einer der Beschäftigten in der Asservatenkammer nächstes Jahr in den wohlverdienten Ruhestand ging. Außerdem war der Kerl immer besoffen. Der könnte im Leben nichts bezeugen. In seiner Schicht bediente sich Domogalla. Bevor er das Koks zurückbrachte, zweigte er die Hälfte oder mehr ab und ergänzte den fehlenden Stoff durch Milchpulver. Wurde sowieso nie nachgeprüft. Das Koks verkaufte er direkt an Schark. Das Risiko, mit einem Kleindealer zu arbeiten, der irgendwann geschnappt würde, war viel zu hoch. Nein, bei solchen Deals mußte man oben einsteigen. Und Schark war so weit oben, daß er nur Drogen in die fetten Hände nahm, wenn Domogalla lieferte. War ein schönes Zubrot.
Gewissensbisse hatte er keine. Dazu war er zu lang im Job. Die Straßen würden niemals drogenfrei sein. Nicht, solange wichtige Leute damit Geld verdienten. War doch alles nur ein Popanz. Der Krieg gegen die Drogen - lächerlich. Das war eine eigene Industrie. Die CIA finanzierte mit Drogengeldern ihre verdeckten Operationen, und ohne Drogengelder könnte die Waffenindustrie einpacken, weil nicht genug Leute ihren Scheiß kaufen könnten. Schließlich war sogar die Bundeswehr in Afghanistan, um Mohnfelder zu bewachen. Seit dem Sturz der Taliban hatte sich der Opiumumsatz verdreifacht. Und was war eigentlich aus den Kokainspuren geworden, die SAT-1-Reporter von Maiers "Akte"-Sendung auf der Bundestagstoilette gefunden hatten? Schön unter den Tisch gekehrt. Also konnte wohl auch ein Gesellschaftsschützer wie Domogalla ein paar Krumen vom Kuchen abhaben. Er gehörte immer noch zur größten Gang der Welt - der Polizei.
Nun wissen wir also auch, wo das ganze Koks herkommt, wenn wieder einmal alle Dealer bei einer Razzia verhaftet wurden ... Doch dieses kleine bißchen Korruption ist nichts gegen das wahre Ausmaß der Perversion und Perfidie, die unter den Mächtigen dieser Welt verbreitet sind. Was das mit dem aktuellen Mordfall zu tun hat, das deutet Martin Compart erstmals im nächsten Kapitel seines Sensationsromans an.
Martin Compart
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