Stories_Western von gestern, Pt. 1

Hängt sie höher!

Vergessen Sie Neowestern mit überlangen Titeln oder gar schwulen Cowboys! Lauschen Sie lieber Martin Compart, der im ersten Teil seiner "Western von gestern"-Geschichte am Lagerfeuer über Buffalo Bill sowie die frühen Westernromane, -hefte und "dime novels" berichtet.    29.08.2008

"Remington showed us how he looked on canvas/And Louis L´Amour told us his tale/Me and Johnny and Waylon and Kris sing about him/And wish to God we could have ridden his trail."

 

Was Willie Nelson hier besingt?

Na, überlegen Sie doch einmal: War da nicht etwas? Am Bahnhofskiosk? In der Tabaktrafik? In der Romantauschschwemme (letztere ist ja auch mehr oder weniger dahin)? Namen wie G. F. Unger? Zane Grey? Max Brand? Oder oben genannter Louis L´Amour? Jack Slades schieß- und vögelwütiger Lassiter? Klingelt´s?

Richtig: DER Cowboy. Auch: DER Westernheld. Oder: DER Outlaw. In der Linken eine schöne Frau zweifelhafter Herkunft, in der Rechten einen Colt, um die Frau zur Linken zu verteidigen. Stahlblaue Augen, die uns unter der verdreckten Hutkrempe vom Cover entgegenleuchten. Im Hintergrund wahlweise: respekteinflößende Gebirgsketten oder endlos weite Prärien, alles im Dunst eines ewigen Sonnenuntergangs, dazu am Bildrand eine Komparserie, bestehend aus entmenscht grinsenden Banditen, hinterrücks auf der Lauer liegenden Indianern oder Leichen, die´s eben nicht anders verdient haben.

DER Westernroman: jahrzehntelang auch in unseren Breiten von Lesern geliebt, von Lehrern und anderen Oberg´scheiten verteufelt, von der politisch korrekten Literaturmafia nachhaltig madig gemacht. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten mehr und mehr ins Abseits gedrängt, gleich neben den Landser-Heften, scheint der gedruckte Wildwestroman langsam an jener Bleivergiftung zugrunde zu gehen, die ja eigentlich dem jeweiligen Feind zugedacht war. Oder, um es mit Willie Nelson in seiner Country-Ode "The Last Cowboy Song" zu sagen: "This is the last Cowboy song/The end of a hundred year waltz."

Doch es wäre nicht das erste Mal, daß Totgesagte länger leben. Und längst schon den Tag des großen Showdown planen ...

 

So erfuhr das Genre in den USA, dem Mutterland des Western, Anfang der 80er einen leichten, aber stetigen Aufschwung an Popularität und Verkaufszahlen. Das hatte sicher mit dem Cowboy im Weißen Haus und seiner Ideologie von der Rückbesinnung auf Pioniertugenden zu tun. Während der Western jedoch im Kino oder Fernsehen so gut wie nicht mehr stattfand, zeigte er sich in der Literatur vitaler als je zuvor. Zwar konnte man die Veröffentlichungszahlen und Auflagen der einschlägigen Bücher nicht mit denen der Kriminalliteratur oder der Science Fiction vergleichen, aber - um John Wayne zu zitieren - sie nährten ihren Mann. Und der gigantische Erfolg des Autors Louis L´Amour (der unter anderem die Romanvorlage zu "Hondo" lieferte) in den USA brachte das Genre sogar auf die Bestsellerliste.

Im deutschsprachigen Raum war von all dem natürlich nichts zu spüren. Im Gegenteil: Das Interesse am Western ist bei der Leserschaft seit den 70er Jahren beständig gesunken. Und im Buchhandel engagiert man sich für dieses Genre fast genausowenig wie auf den Rezensionsseiten der Feuilletons.

Rolf Schmitz, ehemaliger Verlagsleiter im Bastei-Lübbe-Verlag und Verantwortlicher für die Heftserien, die inzwischen ausschließlich deutsche Western-Autoren veröffentlichen, führte das nachlassende Interesse der Leser zum Teil darauf zurück, daß im Fernsehen die große Zeit der Westernserien à la "Bonanza", "High Chapparal" oder "Big Valley" vorbei war. Er meinte: "Ohne Anstoß von außen, wie erfolgreiche Westernfilme oder -serien, wird kein Umschwung dieser Situation eintreten."

Trotz des Negativ-Images des Genres bei Buchhändlern und Kritikern und des nachlassenden Interesses in weiten Leserkreisen gibt es aber wohl noch genug Käufer, um das Veröffentlichen von Westernromanen auch bei uns geschäftlich vertretbar zu machen - zumindest auf dem Groschenheftsektor. Die hervorragende Heyne-Western-Reihe, in der seit den frühen Sechzigern fast alle wichtigen Bücher dieses unübersichtlichen Genres erschienen sind, ist hingegen längst eingestellt. Lediglich im allgemeinen Programm findet der Fan gelegentlich einen "historischen Roman aus dem Wilden Westen".

 

Am Anfang der Westernliteratur steht der romantische historische Roman in der Gestalt von James Fenimore Coopers "Lederstrumpf". Hinzu kamen romantische Indianererzählungen und völkerkundliche Romane, wie sie in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sehr beliebt waren. Nach 1845 begann sich für die Bevölkerung der amerikanischen Ostküste das Bild vom Westen, jetzt als "freier Westen" verstanden, zu verklären. Das Publikum in den enger werdenden Städten Neuenglands verlangte nach mehr Informationen und Erzählungen über das "freie Land", in das es so viele drängte, um ihr Glück zu versuchen. Der Westen war zum Land der Verheißung geworden, und keine Gefahr ließ die Einwanderer davor zurückschrecken, aufzusatteln, wenn der Ruf "Westward ho!" erklang.

1860 entwickelte der Verleger Erasmus Beadle in New York ein neues Printmedium: die dime novel, einen direkten Vorläufer unserer Groschenhefte oder Heftromane. Damit begann die massenhafte Verbreitung des Mythos vom Wilden Westen.

Diese auf billigstem Papier gedruckten, schnell runtergeschriebenen Hefte hatten durch die Ausformung der auch heute noch in deutschen Heften oder amerikanischen Fernsehserien gebräuchlichen Klischees einen weitaus größeren Einfluß auf das Bild vom Wilden Westen als etwa Tatsachenberichte oder die realistischen Erzählungen von Bret Harte oder Mark Twain.

Das erste Heft dieser Art hieß "Maleska or the Indian Wife of the White Hunter" und hatte eine Auflage von 65.000 Exemplaren. Bereits die Nummer acht dieser ersten von vielen noch folgenden dime novel-Reihen wurde mit 500.000 Exemplaren aufgelegt.

Die dime novels waren auf Anhieb ein Riesenerfolg. Die Autoren wurden nach denselben Prinzipien ausgebeutet, die auch heute noch im amerikanischen Paperback-Original-Markt oder der deutschen Groschenheftszene üblich sind. Verlangt wurde schnelles Schreiben; dafür gab es kargen Lohn und keine Beteiligung an Auflagen und Nebenrechten. Um davon leben zu können, mußten die Autoren in Blitzgeschwindigkeit Romane wie am Fließband herstellen. Dafür gehörten die dime novels als Erbauungslektüre zum Marschgepäck der Soldaten des Sezessionskrieges, und sogar Präsident Lincoln zählte zu ihren Lesern.

Beadle und sein Kompagnon Adams brachten mehrere Tausend Titel in mehr als 30 Reihen heraus. Beadles Verlagsleiter war Orville J. Victor. Er führte eine entscheidende Neuerung ein: die vorgefertigte Formel, beziehungsweise das K o n z e p t. Das bedeutete, daß ein bestimmter Handlungsrahmen für eine Serie entworfen wurde und innerhalb dieses Handlungsrahmens mehrere Autoren arbeiten konnten, ohne daß ihr individueller Stil oder ihre persönliche Originalität zum Tragen kommen konnten. Diese Verfahrensweise ist auch heute noch für die Groschenheft-Western und das Medium Romanheft - ob "Jerry Cotton" oder "Lassiter" - allgemein üblich. So wurde es unter anderem möglich, daß ein Autor wie Prentice Ingraham eine Geschichte von 35.000 Worten in 24 Stunden herunterschreiben konnte.

Die vorgegebene Formel oder Standardisierung von Serien- und Reihenkonzepten markierte nebenher den Beginn moderner Produktionsmethoden im Bereich der Unterhaltungsliteratur. Wie im heutigen Western wurde nicht mehr Abenteuerliches neu erfunden, sondern ein Schema wieder und wieder reproduziert.

Zunächst standen die dime novels noch in der Tradition Coopers und der romantischen Indianererzählung. Der Held war ein Waldläufer, die Szenerie die unberührte Natur. Und die Indianer waren nicht automatisch Feinde - man unterschied einmal mehr zwischen vermeintlich guten und vermeintlich bösen Stämmen. Erst als immer mehr Siedler in den Westen vordrangen und sich gegen die ihr Land verteidigenden Indianer mörderisch durchsetzten, begann die Verteufelung des roten Mannes im großen Stil.

Die frühen Helden unterschieden sich von den heutigen Protagonisten nicht nur durch ihre Tätigkeit als Trapper. Sie trugen auch verstärkt puritanische Züge, rauchten nicht, tranken nicht und fluchten oder spielten auch nicht. Zwielichtige historische Gestalten wurden "literaturtauglich" umgebaut, um so bei den Lesern einen stärkeren Realitätsbezug zu signalisieren. Joe Hembus berichtete in dem Standardwerk zum Kino-Western, "Das Western-Lexikon" (Heyne), von der berühmtesten Mystifizierung:

 

Einer der fleißigsten Mythendichter war der Verleger Erasmus Beadle, der 1860 in New York mit einer Groschenheftserie Dollars scheffelte. Die wöchentlich erscheinenden Dime Novels erreichten oft eine Auflage von einer halben Million ... Im Jahre 1869 läßt sich Edward Z. C. Judson, der unter dem Pseudonym Ned Buntline schon seit Jahren ein bekannter Autor von Abenteuer-Romanen ist, von der "New York Weekly" engagieren. Auf der Suche nach Inspiration und einem Helden reist er im Westen umher. Die Geschichte seiner Entdeckung von William Frederick Cody alias Buffalo Bill verläuft ziemlich genauso, wie Burt Lancaster als Ned Buntline sie in dem satirisch wirkenden, weil streng an den historischen Tatsachen orientierten Robert-Altman-Film "Buffalo Bill And The Indians" von 1976, erzählt: "Im Jahre 1868 gehe ich in den Westen und schaue mich nach einem neuen Helden der Grenze um, über den man schreiben könnte. Ich lese Berichte über die Schlacht von Summit Springs und suche den Helden dieses Konflikts auf, Major Frank North. Aber der Major hat etwas gegen Publicity und will nicht reden. Also wandere ich eines Morgens in seinem Camp herum und sehe dieses magere Kerlchen, wie es unter einem Wagen schnarcht.

Ich ziehe ihn heraus, werfe einen Blick auf ihn und weiß, daß ich einen Star aus ihm machen kann. Ich frage ihn nach seinem Namen, er sagt Cody; ich sage, was treibst du, er sagt, er ist Scout und Büffeljäger. Also mir brennt´s ehrlich, über jemanden zu schreiben, weil ich schon einen Haufen aufregender Geschichten habe, die ich eigentlich Bill Hickock anhängen wollte, aber mit dem bin ich gerade verkracht, also sage ich dem Jungen, von jetzt ab heißt du Buffalo Bill, und binnen sechs Monaten wird das ganze verdammte Land von dir hören."

So begann also eine Legende, die bis heute fortwirkt, in Romanen und Filmen - trotz aller Demontageversuche.

 

Je stärker der Westen besiedelt wird, je kleiner das "freie Land" wird, um so weniger attraktiv wurde die Figur des edlen Trappers und Waldläufers. Neue Helden mußten her und zu mythischen Figuren stilisiert werden. Und wer wäre dafür besser geeignet gewesen als der Cowboy, der auf der einen Seite noch ein Stück Freiheit verkörperte, auf der anderen Seite jedoch schon zur Akzeptanz der etablierten Besitzverhältnisse gezwungen war?

Der Cowboy ist ein seßhaft gewordener Trapper, Jäger oder Abenteurer. In ihm manifestiert sich der Übergang vom freien Waldläuferleben zum niedergelassenen Städter. Er zieht zwar noch durch die Weite der Prärie und verkauft seine Arbeitskraft an das sich herausbildende Kapital, aber für ihn gibt es keine Weiten ohne Grenzen mehr. Er verteidigt am Stacheldraht den Besitz seines Arbeitgebers und zieht weiter, wenn es ihm an einem Ort nicht mehr gefällt. Aber er zieht nicht in die Freiheit der Wälder und Prärien, sondern zum nächsten Rancher. Und - wie man es aus den Filmen und Romanen kennt - er wird sich am Ende seiner Wanderjahre irgendwo niederlassen, um sich vollständig in ein soziales Wesen zu verwandeln, das in einen sozialen Verbund einbezogen ist.

In Nebenrollen taucht diese Figur in den sogenannten Ranch-Stories bereits seit der Besiedlung von Texas - die sowieso das Ende des grenzenlosen Horizonts symbolisiert - auf. Die erste Story, in der der Cowboy eine Hauptrolle spielte, war "Over Sunday at New Sharon"; sie erschien 1880 in "Scribners´ Monthly" und beschreibt einen Sonntag im legendären Dodge City. Im Titel erschien der Cowboy erstmals 1887 in der Geschichte "Buck Taylor, King of the Cowboys".

Bis zur Jahrhundertwende bleibt der Cowboy ein Held unter vielen, längst nicht so populär wie Büffeljäger oder Trapper. Wirklich zur dominanten Figur des Genres wurde er erst durch Owen Wisters Roman "The Virginian", erschienen 1902 und sicher einer der zehn wichtigsten Klassiker des Genres. Bereits im ersten Jahr erlebte das Buch 15 Neuauflagen; bis weit in unser Jahrhundert hinein wurde es immer wieder nachgedruckt und gehört heute zum Kanon der nordamerikanischen Literatur. Es diente als Vorlage für mehrere Verfilmungen und inspirierte die langlebige Fernsehserie "Die Leute von der Shiloh-Ranch", die im Original treffender "The Virginian" hieß.

Natürlich zogen die dime novels angesichts des gigantischen Erfolgs sofort mit Cowboy-Serien nach. Aber ihre große Zeit ging zu Ende. Die Pulp-Magazine avancierten ab dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis Anfang der 50er Jahre zur wichtigsten Form zur Verbreitung populärliterarischer Stoffe und von Trivialmythen. Der Medienkritiker Georg Seeßlen schrieb darüber: "Der Vorteil der Pulp-Magazine gegenüber den Dime Novels - 1919 wurde die letzte Dime-Novel-Serie "The New Buffalo Bill Weekly" in ein Pulp-Magazin umgewandelt - war neben einer größeren Variationsbreite die Experimentierfreudigkeit, die das Medium technisch förderte. Die neue technische und vertriebliche Form ging einher nicht nur mit einer veränderten literarischen Technik - Renaissance der Kurzgeschichte -, sondern auch mit einer veränderten Stimmung. Der romantische Lakonismus der Pulp-Literatur war das Gegenteil der naiv optimistischen Dime Novels."

 

Das erste Pulp-Blatt, das sich ausschließlich der Westernliteratur widmete, war das "Western Story Magazine" der Firma Street & Smith. Als Gage gab es für Pulp-Autoren pro Wort zwischen ein und drei Cents. Wichtigster Western-Autor dieser Zeit war Frederick Faust, der von 1892 bis 1944 lebte und unter dem Pseudonym Max Brand und 19 weiteren als König der Pulps galt. Bis 1970 veröffentlichte man über 200 Bücher von ihm, die alle auf Pulp-Geschichten oder Serien basierten. Allein für "Western Story Magazine" schrieb er 13 Millionen Wörter in 13 Jahren - darunter den mehrfach verfilmten Klassiker "Destry Rides Again", der in Buchform über eine Million Mal verkauft wurde und dessen Filmversion mit James Stewart und Marlene Dietrich die bekannteste ist.

Unzählige Western-Zeitschriften mit unzähligen Geschichten unzähliger Autoren erschienen bis in die 40er Jahre und zementierten die Klischeevorstellungen über eine noch nicht allzulang vergangene Zeit. Diese Geschichten und Romane dienten wiederum als Vorlagen für unzählige Film-Serials, billige B-Pictures und Großproduktionen. Bis Ende der Dreißiger galt der Western als triviales Genrekino, nur geeignet für billige Vorfilme und Nachmittagsvorstellungen. Und genauso sahen diese Filme auch aus, in denen William S. Hart und Tom Mix Schießereien und Pferdejagden hinlegten, die jeden halbwegs Erwachsenen tödlich langweilten.

Erst nachdem John Ford 1939 mit "Stagecoach" erfolgreich gezeigt hatte, daß man Western auch für ein erwachsenes Kinopublikum produzieren konnte, änderte sich die Haltung dem Genre gegenüber. Vorlagen waren genügend in den Pulps zu finden. Auf ihrem billigen, holzhaltigen Papier versteckten sich großartige Geschichten zwischen einem Wust von Schwachsinn. Zu den besseren Autoren zählen die inzwischen zu Klassikern gewordenen Zane Grey, Ernest Haycox, auf dessen Story "Stage to Lordsbourg" der Film "Stagecoach" basierte, Luke Short und der bei uns zu Unrecht so schmählich angesehene Louis L´Amour.

Wie jede literarische Form ist auch der Western Ausdruck einer bestimmten Geisteshaltung und eine verklausulierte Ausdrucksform von Wünschen, Hoffnungen und Interessen in einer bestimmten historischen Situation. Im Wilden Westen, wie er meist in Heften, Büchern, TV-Serien, Filmen und Comics dargestellt wird, hat jeder Mensch - besser Mann - die Chance, Land zu erobern und sich Grundbesitz anzueignen. Der Erwerb und die Verteidigung von Eigentum und Eigeninteressen ist ein zentrales Thema des Westerns. Kein Wunder, daß die Rebellen der 60er Jahre mit ihrer extremen Ablehnung von materiellen Werten die Western-Legende John Wayne zum absoluten Feindbild erhoben hatten. Die Behauptung vom Glück des Tüchtigen muß auf nicht begüterte Leser der westlichen Industriegesellschaften phantastischer als Science Fiction wirken.

Reaktionär verklärte der Western eine blutige, ungerechte Epoche zu einem anzustrebenden, reaktionären Idealbild. Wie oft hat man in Filmen gesehen oder in Büchern gelesen, wie der einsame Cowboy, der nichts weiter besaß als Colt und Pferd, am Ende der Geschichte mit einem anständigen Mädchen verheiratet ist und bei untergehender Sonne auf das durch eigene Leistung erworbene Land schaut, auf dem er nun seine Ranch bauen kann und durch Rinderzucht zum Großkapitalisten aufsteigen wird ...

Der Wilde Westen, wie er vom Großteil der Massenmedien bis in die 60er Jahre verklärt wurde, ist halt ein Traum der bürgerlichen Gesellschaft. Er basiert auf der Wunschvorstellung von unermeßlicher Ausdehnung, unbegrenzten Absatzmärkten und nie versiegenden Energiequellen. Daß diese Landnahme nur durch Verbrechen an der Urbevölkerung möglich war, entschuldigt der klassische Western - wie es der Ideologie des Imperialismus entspricht - durch die Verteufelung des Gegners, den er als bestialischen und grausamen Untermenschen hinstellt.

An dieser Stelle schließt sich der literarische Kreis auch wieder. Hier tritt Cormac McCarthy mit seinem alles andere als mystifizierenden Roman "Die Abendröte im Westen" auf den Plan. Lassen wir unser Lagerfeuer also vorerst ausgehen. Lesen Sie als nächstes unsere ausführliche McCarthy-Besprechung und: Halten Sie Ihre Gäule in Schuß!

 

Fortsetzung folgt ... (Im zweiten Teil geht es um den Western-Boom der 50er-Jahre und Westernserien.)

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Martin Compart

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