Musik_Eminem - Encore

The Eminem Show, Part 2

Die vierte Langspielplatte des blonden Rap-Jünglings erweist sich als durchaus gelungen, hält jedoch keine wirklichen Überraschungen parat.    22.11.2004

Ladies and Gentleman ... Mr. Mathers is back with another one! Eminem verzog sich nach "The Eminem Show" endlich wieder ins Studio und beglückt die geneigte Zuhörerschaft nun mit einem brandneuen Soloalbum.

Das Ergebnis der Slim-Shady-Bemühungen entpuppt sich auf den ersten Blick als durchaus gelungen, offenbart sich bei genauerer Betrachtung jedoch als ein Aufwärmen bewährter Strategien. Doch warum ein Erfolgsrezept verändern?

Auf insgesamt 20 Tracks (inklusive Skits) rappt Mathers über die Dinge, die ihn zum Rap-Superstar gemacht haben. Inhaltlich behandelt er dabei leider wieder haargenau dieselben Themen wie auf den letzten Scheiben - neu verpackt natürlich, aber ohne wirkliche Innovation.

Die erste Single "Just Lose It" ist als Club-Banger gedacht und erfüllt als solche sicher ihren Zweck, outet sich unterm Strich jedoch als einfallslos, da sie zu sehr als Klon von "Without Me" und "The Real Slim Shady" daherkommt. Dann wäre da "Puke", wieder einmal einer seiner beliebten Dis-Songs über Exfrau Kim, die einem fast schon leid tut. So oft wie Em sie verreißt, muß die gute wohl damit rechnen, nie wieder einen neuen Mann zu finden. (Vielleicht wird sie ja lesbisch, dann könnte er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.) In "Mockingbird" widmet sich Mathers neuerlich - aber leider etwas einfallslos - seiner kleinen Tochter, legt also im Prinzip nur eine andere Melodie über "Hailie´s Song", und fertig.

Etwas anders kommt da schon "Yellow Brick Road" daher, eine Quasi-Erklärung an die Öffentlichkeit über und für seine gespaltene Persönlichkeit. In einer speziellen Passage wird deutlich, daß Em versucht, eine Erklärung bezüglich der Rassismusvorwürfe gegen ihn abzugeben: "All I remember is meetin back at/Mannix´s basement, sayin how we hate this/how racist but dope the X-clan´s tape is."

Wir erinnern uns: Eine peinliche Klage gegen Herrn Shady wegen eines Tapes, das er mit 18 Jahren aufgenommen und auf dem er rassistische Meldungen gegen afroamerikanische Mitbürger losgelassen hatte, spaltete vergangenes Jahr die amerikanische HipHop-Nation. Naturgemäß bekommt auch der Kläger Benzino auf "Big Weenie" - einem ziemlich coolen Dis übrigens - dafür sein Fett ab.

Die Highlights von "Encore" sind mit Sicherheit "Never Enough", auf dem Nate Dogg mit dem Chorus für die nötige Abwechslung sorgt, das melancholische " Spend Some Time" feat. Obie Trice, Stat Quo und 50 Cent, sowie "Mosh", eine glasklare Abrechnung mit den derzeitigen politischen Führern der USA. Nicht zu vergessen: "Rain Man", der vielleicht stärkste Track des Albums.

Musikalisch pumpen die gesamte CD über Dr. Dres phatte Beats wie gewohnt aus den Lautsprechern, sodaß bei lautstarkem Genuß selbst dem Nachbarn der Herzschrittmacher aussetzen wird, und auch Slim Shady selbst hockte sich wieder hinter das Produzentenpult.

Fazit: Eminems Fähigkeiten als Rapper sind unbestreitbar, doch gerade deshalb stellt man auch entsprechend hohe Ansprüche an ihn. Diesen wird Mathers diesmal leider nicht immer gerecht - vielleicht hätten dem Album ein oder zwei zusätzliche Producer gutgetan, um für mehr musikalische Abwechslung zu sorgen. Hardcore-Eminem-Fans werden sich daran jedoch nicht stören und auch diese Scheibe lieben, so wie die Vorgänger. In diesem Sinne: "Encore"!

Andreas Kafka

Eminem - Encore

ØØØ 1/2


Interscope/Universal (USA 2004)

 

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