Peter Hiess/Christian Lunzer - Die zarte Hand des Todes
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Ueberreuter (Wien 2002)
Es kann ja jedem passieren, daß er von seiner Frau brutal ermordet wird. Wer jedoch dieses Buch studiert, der weiß, auf welche Warnzeichen er achten muß. Sowas braucht man. 18.11.2002
Wer schon die letzten gemeinsamen Veröffentlichungen des Autorenduos mit dem Hang zum Letalen ("Mordschwestern", Jahrhundertmorde", Mord-Express") nicht aus der Hand legen konnte, bis die letzte True Story zu Ende erzählt war, wird sich auch auf diesen Band stürzen wie auf den spannendsten Krimi. Moralische Bedenken spielen dabei keine Rolle - wenn man Hiess/Lunzer liest, muß man deshalb noch lange kein Fan von Sendungen wie "Aktenzeichen XY ungelöst" sein.
"Quer durch Länder und Zeiten" verspricht der Klappentext von meuchelnden Frauen zu berichten - und der Band löst das makabre Versprechen ein. Bei der Lektüre wird man nicht umhin können, schaudernd Sympathien und Antipathien unter den mordlüsternen Damen zu verteilen. Das Animiermädchen, das einen Schwarzmarktkönig, Kriegsgewinnler und obszönen Weiberhelden über den Jordan schickt, ist bei weitem nicht so unsympathisch wie die "schwarze Witwe" Elfriede Blauensteiner, die aus nackter Gier schutzlose Alte ums Leben und Erspartes gebracht hat, um dann vor Gericht pressegeil und bigott die nette Omi zu spielen.
Übrigens: Die großartige Covergestaltung führt sehr augenfällig das völlig realitätsfremde Vorurteil, daß Frauen mit mörderischem Waffengebrauch "von Natur aus" nichts am Hut hätten, ad absurdum. Frauen hantieren tagtäglich mit spitzem, scharfem und kantigem Gerät - wenn auch (meist) friedlich in der Küche, ganz wie es ihnen halt per definitionem und Gesellschaftsvertrag in die Wiege gelegt ist...

Peter Hiess/Christian Lunzer - Die zarte Hand des Todes
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Ueberreuter (Wien 2002)
Er war einer der wenigen österreichischen Autoren, die unbeirrt ihren eigenen Weg gingen: Norbert Silberbauer hatte keine Lust zum Verhabern und biederte sich bei niemandem an. Am 9. Mai wäre er 50 Jahre alt geworden - und am 6. Juni jährt sich der Tag seines Freitodes zum ersten Mal. Sylvia Treudl erinnert sich für den EVOLVER an den Weggefährten und Literaten.
Es kann ja jedem passieren, daß er von seiner Frau brutal ermordet wird. Wer jedoch dieses Buch studiert, der weiß, auf welche Warnzeichen er achten muß. Sowas braucht man.
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