Print_Simon Beckett - Kalte Asche

Roman-Recycling

Eine kleine schottische Insel, stürmisches Wetter und eine übel zugerichtete Leiche - das sind die Hauptzutaten, die Simon Beckett für seinen zweiten Hunter-Roman verwendet hat. Leider ist der weit weniger originell geraten als noch der erste.    14.03.2008

Dr. David Hunter, ein forensischer Anthropologe, gerät nun schon zum zweitenmal - mehr oder minder ungewollt - in die Situation, der Polizei hilfreich unter die Arme greifen zu müssen. Schon in seinem ersten Roman "Chemie des Todes" ließ Simon Beckett die Hauptfigur mehr durch Zufall in die Ermittlungen rutschen. Damals hatte Dr. Hunter seinen Beruf aufgrund persönlicher Schicksalsschläge an den Nagel gehängt und war Landarzt geworden. Doch Ruhe war ihm trotz dieser Entscheidung nicht beschieden, trieb doch schon kurz nach seiner Ankunft in dem kleinen englischen Dörfchen ein Frauenmörder sein Unwesen ...

Auch in "Kalte Asche" wird Dr. Hunter um Hilfe gebeten, nachdem auf der Insel Runa eine Leiche gefunden wurde. Kaum ist Hunter vor Ort eingetroffen, bricht ein Sturm los, und das eigentliche Spurensicherungsteam hat keine Chance, Runa noch zu erreichen. Somit ist Dr. Hunter auf sich allein gestellt und als Unterstützung auf den störrischen Sergeant Fraser, den jungen Constable McKinney und den pensionierten Kommissar Andrew Brody angewiesen. Leider erweist sich einzig letzterer als echte Hilfe - und so muß Hunter die Ermittlungen zunehmend selbst in die Hand nehmen.

Nach "Chemie des Todes" waren die Erwartungen an Becketts zweiten Hunter-Roman entsprechend hoch, doch leider fällt "Kalte Asche" gegen den Vorgänger ziemlich ab. Der Beginn des Buches ist so zäh wie der schottische Küstennebel. Zuerst sind die Protagonisten nur damit beschäftigt, sich gegenseitig zu versichern, daß sie einander nicht leiden können und nicht vorhaben, zur Aufklärung des Falles beizutragen. Die Inselbewohner werden entsprechend klischeehaft dargestellt: ein ruppiger Haufen von störrischen Fischern, die keine Fremden mögen und entsprechend argwöhnisch das Geschehen auf ihrem Inselchen verfolgen. Nachdem das Unwetter jegliche Verbindung zum Festland gekappt hat, passieren allerdings weitere Morde und Anschläge, wodurch klar wird, daß der Übeltäter ein Bewohner Runas sein muß.

Hat man "Chemie des Todes" gelesen und nun zu "Kalte Asche" gegriffen, wird man ziemlich schnell feststellen, daß sich die Romane schon fast erschreckend ähneln. Beide Fälle beginnen mit der Tatsache, daß Dr. Hunter eigentlich gar nicht in die Ermittlungen hineingezogen werden will. Im Verlauf beider Bücher erfährt man jede Menge über seine privaten Probleme, die den Leser aber zunehmend ermüden und ein wenig den Eindruck vermitteln, man befände sich in einer Selbsthilfegruppe für angeknackste Anthropologen.

Auch das Ende ist - hat man jenes von "Chemie des Todes" vor Augen - keine große Überraschung. Selbst der "Knalleffekt", mit dem Beckett seinen Roman beenden möchte, kann dem Leser nicht einmal ein müdes Lächeln abringen. Sollte die letzte Seite dazu animieren, über das Schicksal David Hunters zu grübeln, hätte sich Beckett wohl etwas besser mit seinem Verlag absprechen sollen. Auf dem Inneneinband des Buches ist nämlich vermerkt, daß der Autor bereits an seinem dritten Hunter-Roman arbeitet.

Darüber hinaus nutzt Beckett "Kalte Asche", um rückwirkend noch ein wenig Werbung für sein Erstlingswerk zu machen. Immer wieder finden sich eingestreute Sätze, die darauf hinweisen, daß es sich bei dem aktuellen Roman bereits um die zweite Story handelt. Ob dies wirklich empfehlenswert ist, bleibt dahingestellt; vielleicht ist es tatsächlich besser, sich nur einen Hunter-Roman einzuverleiben. Zumindest "Chemie des Todes" kann durch diese Maßnahme nur gewinnen.

Charlotte Streit

Simon Beckett - Kalte Asche

ØØ

(Written in Bone)

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Wunderlich (D 2007)
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Kommentare_

Manuel - 15.03.2008 : 21.50
Ich verstehe nict ganz was es an dem Roman so zu bemängeln gibt? Es handelt sich um eine schöne gut lesbare story die Spannend ist und neugierig macht! Ich habe beide Teile gelesen und bin vom zweiten keineswegs entäuscht! Leute denen der erste Teil gefallen hat werden mit dem zweiten sicher ein weiteres schönes Hunter Abenteuer erleben.
gastautor - 27.10.2008 : 23.28
ich seh das ganz ähnlich wie mein vorsprecher, die geschichte ist zwar ähnlich aufgebaut, das ist aber eher ein plus. Die Handlung ist auf jeden fall gut gelungen und lässt wie genannt viel raum für spekulationen. ich finde die handlung gut verwoben und das ende ist sehr anregend wenn man sich gedanken machen möchte.

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Simon Beckett - Kalte Asche

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Eine kleine schottische Insel, stürmisches Wetter und eine übel zugerichtete Leiche - das sind die Hauptzutaten, die Simon Beckett für seinen zweiten Hunter-Roman verwendet hat. Leider ist der weit weniger originell geraten als noch der erste.