Stories_Games Convention 2004

Unkonventionelle Konvention

Ende August wurde in Leipzig wieder einiges an aktuellen und demnächst erscheinenden Produkten aus dem Videospielsektor präsentiert. Der EVOLVER war dort.    31.08.2004

Zum bereits dritten Mal hatten auch dieses Jahr wieder namhafte Spiele- und Hardware-Hersteller sowie die wirklich beeindruckende Zahl von insgesamt 105.000 Messebesuchern ein Stelldichein auf Europas einziger Erlebnis- und Fachmesse, in deren Mittelpunkt interaktive Unterhaltung steht - der "Games Convention". Vier Tage lang wurde in Leipzig Neues präsentiert, konnte an Ort und Stelle bestaunt, ausprobiert oder auch einfach nur betrachtet werden. Von heiß erwarteten Sporttiteln wie "FIFA 2005", "Pro Evolution Soccer 4" oder dem Edel-Racer "Gran Turismo 4", über Shooter-Kracher wie "Brothers in Arms" und "S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl", bis hin zu purer Action bei "Prince of Persia 2" fand sich da vieles, was das Gamer-Herz begehrt ...

Trotzdem hinterließ die Messe unter den angereisten EVOLVER-Redakteuren einen eher zwiespältigen Eindruck. Zwar wurde das Messegelände im Vergleich zum Vorjahr um einiges vergrößert; nichtsdestotrotz endete vor allem das Wochenende aufgrund des immensen Besucherandrangs beinahe in einem Debakel. Zeitweise war es nicht einmal möglich, die Ausstellungshallen zu betreten, da die Zugänge mit Menschenmassen verstopft waren. Die Tage zuvor waren ein wenig besser, aber auch da zehrten die Unmengen an Besuchern und die damit verbundenen Wartezeiten an den Nerven. Hauptgrund allerdings für den faden Nachgeschmack: Viele schon für Herbst angekündigte Highlights wurden erst spät oder gar nicht gezeigt; normalsterbliche Interessenten, die keinen Zutritt zu den Pressekonferenzen hatten, werden sich sicherlich gewundert haben, wo all die Innovationen denn blieben. So ging es auch dem Schreiber dieser Zeilen, der hauptsächlich den Freitag bei den öffentlichen Ausstellungsständen verbrachte und sich gelegentlich fragte, was denn das alles eigentlich soll.

 

Nintendo zeigte zu diesem Zeitpunkt nämlich lediglich "Metroid Prime 2: Echoes", "Mario Tennis", "Donkey Konga" und einen Haufen mäßig interessanter GBA-Spiele. Da war zum Beispiel keine Spur von dem auf der heurigen E3 beworbenen "Wind Waker"-Nachfolger "The Legend of Zelda", nichts zu sehen von in den USA bereits regulär veröffentlichten Krachern wie "Pikmin 2" oder "Animal Crossing", geschweige denn von dem im nächsten Jahr erscheinenden Handheld Nintendo DS (der angeblich dann Samstag nachmittags irgendwann doch noch präsentiert wurde).

Also weiter zu Sony, die ja auch bald ihren "Gameboy-Walkman" PSP auf den Markt bringen wollen. Davon waren zwar zwei Geräte wenigstens vorhanden, allerdings hinter einer Glaswand angebracht; ein selbstablaufendes Demo-Video konnte man begutachten (und wenn das wirklich Spielgraphik war, sieht es tatsächlich verdammt gut aus) - doch von Ausprobieren oder wenigstens Angreifen war auch hier keine Rede. Das restliche Line-up des japanischen Traditionskonzerns war mit dem demnächst erscheinenden "Eye Toy: Chat" und "EyeToy: Play 2" sowie einigen anderen Fortsetzungen bekannter Titel wie "Rally Championship 4", "Jak III" oder "The Getaway 2" ganz nett; allerdings war nichts dabei, was einen wirklich vom Stockerl hauen würde. Mit einem zu 40 Prozent fertiggestellten "Gran Turismo 4" macht man nun einmal keinen Aufriß mehr, nachdem man Graphik und Steuerung schon aus dem bereits erhältlichen "Gran Turismo 4 Prologue" kennt. Und das laut Ankündigung angeblich "Halo" mindestens ebenbürtige "Killzone" übersahen wir anscheinend schlicht und einfach in der Masse.

Apropos: Auch am Stand von Microsoft war bis auf Videos auf einer riesigen Leinwand wenig zu sehen, was nicht vorher schon einmal woanders gezeigt wurde. Außer "Halo 2", den hoffentlich bald erscheinenden zweiten Teil des beliebten 3D-Shooters, findet sich in der aktuellen Release-Liste mit "Forza Motorsports", "Conflict Vietnam", "Mortal Kombat: Deception", "Doom 3" (für die Xbox, das dann den bei der PC-Version schmerzlich vermißten Koop-Modus beinhalten soll), "Fable" und "Kameo" auch nicht gerade viel, weshalb sich die mehr als knapp 700 Kilometer Anfahrtsweg wirklich gelohnt hätten. Und leider zeigte sich dasselbe Bild auch bei den Drittanbietern. Tophits wie "GTA: San Andreas" wurden nur Händlern vorgeführt, zu "Half-Life 2" gab es gar nichts zu sehen, und auch sonst enttäuschte die gähnende Leere in Sachen echter Neuheiten.

 

Persönliche Messe-Highlights unter dem Gezeigten waren eine schon im jetzigen Zustand recht beeindruckende Multiplayer-Demo des ukrainischen Shooters "S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl", der mit ein wenig Glück Anfang nächsten Jahres erscheinen dürfte; das aus dem Hause Konami stammende "Metal Gear Solid 3: Snake Eater", in dem Hauptcharakter Solid Snake in gewohnt imposant gemachtem, fast cineastischem Umfeld auf eine erstmals wirklich interaktiv anmutende Spielumgebung trifft; sowie der "Gametrek" - ein PS2-Eingabegerät, das mittels zweier an Angelschnüren befestigten Handschuhen eine präzise räumliche Steuerung ermöglicht und einem schweißtreibend das Gefühl vermittelt, erstmalig wirklich "mittendrin statt nur dabei" zu sein. Klingt komplizierter, als es im Endeffekt ist - ein ausführlicher Test des kleinen Wunderdings folgt demnächst im EVOLVER.

Weiters erwähnenswert sind vielleicht noch das MMORP-Rollenspiel "World of Warcraft", das sehnlichst erwartete "Knights of the Old Republic II - The Sith Lords" (übrigens das subjektiv schönste Spiel unter den zahlreichen "Star Wars"-Ablegern) sowie das sich durch intuitive Steuerung und gelungenes Gameplay auszeichnende "Pro Evolution Soccer 4" - und nicht zu vergessen natürlich das wunderschöne "Prince of Persia 2".

 

Wie auch immer - alles in allem wurde uns Weitgereisten einfach zu wenig geboten. Den lauen Eindruck verstärkte die Tatsache, daß es abgesehen von dem (zugegeben wirklich schönen) neuen Messegelände nichts in Leipzig gibt, was den Aufwand rechtfertigen würde, von Wien knapp sechs bis sieben Stunden Hinfahrt auf sich zu nehmen. Die kleine ostdeutsche Stadt hat leider den Charme eines polnischen Vororts und kann auch dementsprechend wenige Lokale oder andere interessante Sehenswürdigkeiten vorweisen.

Etabliert hat sich die Messe trotzem bereits in jedem Fall. Die Pressestimmen sind auch fast durchwegs positiv - und wenn laut eigener Statistik 90 Prozent der Besucher so begeistert sind, daß sie nächsten Jahr unbedingt wiederkommen wollen, liegt´s vielleicht einfach nur an der Relation zwischen Aufwand, hohen Erwartungen und dem tatsächlich Gebotenem, weshalb Christian Krenn, Stefan Forster und Andreas Jarzabek recht frustriert die Heimreise antraten. Bleibt zu hoffen, daß sich nächstes Jahr mehr tut. Das Interesse an der "Games Convention" ist (nicht nur mangels Alternativen) auf jeden Fall immer noch vorhanden - und der EVOLVER wird sicher auch 2005 wieder vor Ort sein.

Andreas Jarzabek & Stefan Forster

Games Convention 2004


Europas einzige Erlebnis- und Fachmesse, in deren Mittelpunkt interaktive Unterhaltung steht, fand heuer von 19. bis 22. August statt.

 

2005 wird die Leipziger Messe von 18. bis 21. August wieder ihre Pforten öffnen.

 

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